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Wie der BND mithilfe eines Kaninchens Hacker sucht

#followtheglitchkarnickel
Die #followtheglitchkarnickel-Kampagne hat ein Ziel: IT-Kräfte für den BND finden. (Screenshot: followtheglitchkarnickel.de)

Anfang März ereignete sich in Berlin Erstaunliches: Ein gigantisches
weißes Kaninchen hoppelte über die Fassaden der Deutschen Oper, des
Arbeitsministeriums und über den Eingang der U-Bahn-Station Unter den Linden.
Das auf die Wände projizierte Tierchen verwandelte sich von niedlich zu
schaurig, bekam Haifischzähne, eine scharfe Rückenflosse und verruckelte (“glitchen”
heißt der Fachbegriff) immer mal wieder. Wer dem Hashtag
“#followtheglitchkarnickel” nachging, erlebte eine Überraschung – und landete
auf einer Webseite des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Die Kampagne des BND mit Anspielung auf “Alice im Wunderland” und
dessen Inkarnation im Tech Epos “Matrix” hat ein Ziel: “Wir wollten die Leute
aus der Hackerszene ansprechen”, erklärt Martin Heinemann, Leiter der
Stabsstelle Kommunikation des BND. “Im Kampf um die besten Köpfe müssen wir auch
ungewöhnliche Wege gehen, um auf uns aufmerksam zu machen.” Guerillamarketing
mit Szene-Attributen, das glatte Gegenteil von oft biederen Stellenanzeigen,
wie man sie mit dem Personalmarketing von Behörden assoziiert. Gesucht werden die
sogenannten White-Hat-Hacker, die ihre Skills innerhalb von Ethik und Gesetz
anwenden.

BND als Arbeitgeber

Tatsächlich steckt der BND in einer Zwickmühle. Einerseits arbeitet
er, wie es sich für einen Auslandsgeheimdienst gehört, im Verborgenen.
Andererseits, so Martin Heinemann, “sind wir auch ein Arbeitgeber, der auf der
Suche nach Fachkräften ist”.

Die Wunschliste der BND-Personaler ist lang.
Sprachwissenschaftlerinnen sind ebenso darunter wie Geowissenschaftler, Luftbildauswerterinnen
und Handwerker. Vor allem aber werden IT-Fachleute gesucht: Hacker, Expertinnen
für Cybersicherheit und Reverse Engineering, Kryptologen, Programmiererinnen und Informatiker. Genau diese Fachkräfte aber sind
überall heiß begehrt, von Unternehmen ebenso
wie von Behörden, Ministerien und anderen
Bereichen der öffentlichen Verwaltung.

Womit also können die Personaler des BND bei der
begehrten Zielgruppe punkten?

Schneller zum Beamtenstatus

Geld und Sicherheit des Arbeitsplatzes sind eine
Sache: “Bestimmte IT-Fachkräfte können bei uns eine Besoldungsstufe höher
einsteigen als normal”, sagt Martin Heinemann. Dazu komme bei Mangelqualifikationen
eine bevorzugte Aussicht auf schnelle Verbeamtung und IT-Zulagen für
Spezialisten. Die Entscheidung für oder gegen den öffentlichen Dienst hat aber neben
der monetären Seite weitere Komponenten. Ein Punkt auf der Negativliste ist
gerade beim Geheimdienst die Dauer des Bewerbungsprozesses. Bevor ein Kandidat
die Zusage bekommt, erfolgt eine aufwendige Sicherheitsüberprüfung, man wolle
sich schließlich keine Extremisten und keine fremden Nachrichtendienste ins
Haus holen, heißt es. Doch das kostet viel Zeit – in der manch einer abspringt
und einen anderen Job annimmt. Auf der Habenseite führt der BND die
Sinnhaftigkeit seiner Aufgaben an, ein Attribut, das auch andere Behörden aus
dem Sicherheitssektor, wie Polizei und Feuerwehr, für sich beanspruchen: “Wir
arbeiten für eine gute Sache im Dienst der Öffentlichkeit”, wirbt Martin
Heinemann. “Wir tragen zum Schutz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen
bei, beschaffen Informationen zu internationalem Terrorismus und Drogenhandel
und informieren die Bundesregierung über die Entwicklung in Krisengebieten.”

Edgar Wallace lässt grüßen

Zusätzlich setzen die Geheimdienstler plakativ auf Spannung und
Abenteuer: Die Startseite des Karriereportals des Bundesnachrichtendienstes bedient
sämtliche Klischees aus dem Agenten-Genre. Überschrift: “In 20 Jahren hatte ich
zehn Identitäten”. Dazu in bester Edgar-Wallace-Manier das Halbprofil eines Mannes,
bei dessen Anblick man nachts vorsichtshalber die Straßenseite wechseln würde. Und schließlich die Unterzeile zum Weiterklicken:
“Erfahren Sie mehr über Sebastians Geschichte”.

Das Kalkül dahinter ist klar. Martin Heinemann: “Einerseits sind
wir eine Behörde. Anderseits haben alle unsere Themen einen ständigen
Auslandsbezug. Die Realität ist zwar weit weg von James Bond und Co – ich bin
aber fest davon überzeugt, dass wir einer der spannendsten Arbeitgeber sind,
die der öffentliche Dienst zu bieten hat.”

Neuer Instagram-Kanal – ohne Geheimnisse

Seit Mitte Mai ist der Bundesnachrichtendienst zusätzlich mit einem
Karrierekanal auf Instagram unterwegs. “Ein Nachrichtendienst kann nicht
öffentlich über seine Operationen, geheimen Erkenntnisse und Methoden
plaudern”, erläutert Dr. Bruno Kahl, Präsident des BND. Man werde auf Instagram
keine politischen Diskussionen führen. Der Account sei “ein reiner
Arbeitgeber-Kanal”, auf dem sich Interessierte einen Überblick über die
Aufgaben und den Arbeitsalltag beim BND verschaffen könnten.


Wie Personalerinnen und
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Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkten sind die Themen Aus- und Weiterbildung, Hochschule und Studium sowie Employer Branding.