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Gendern in der Unternehmenssprache – ja oder nein?

Geschlechtsneutrale Sprache
Bereits 45 Prozent der deutschen Arbeitnehmer begrüßem eine gendergerechte Sprache. Foto: © studio v-zwoelf-stock.adobe.com

Das Gender-Thema ist seit einiger Zeit in aller Munde und spielt inzwischen auch für Arbeitgeber eine Rolle. Die Berufstätigen hierzulande sind bisher noch gespalten, was die Benutzung geschlechtsneutraler Sprachregelungen betrifft. Weniger als die Hälfte befürworten entsprechende Ansprachen und Formulierungen.

Studenten legen weniger Wert aufs Gendern als Arbeitnehmer

Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Trendence führt laufend Umfragen zu Themen der Arbeitswelt durch. Der aktuelle Trendence HR Monitor zeigt, dass derzeit 45 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland eine geschlechternneutrale Sprache befürworten. Künftige Absolventen legen weniger Wert darauf: Von den Studenten finden es 39 Prozent wichtig, dass ihr künftiger Arbeitgeber die Gender-Sprache anwendet. Bei Schülern ist der Anteil genauso hoch. Es überrascht, dass die jungen Menschen weniger offen für das Thema sind, zumal an Universitäten schon länger gegendert wird. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen Studenten schlechtere Noten bekamen oder die Prüfung nicht bestanden, weil sie sich nicht an die internen sprachlichen Vorgaben gehalten haben.

Geschlechtsneutrale Unternehmenssprache und Arbeitgeberimage

Weiterhin zeigt die Befragung, dass sich 42 Prozent der Teilnehmer mit Berufserfahrung in Stellenanzeigen eine Ansprache mit Sternchen wünschen. Rund ein Drittel aller Befragten (34 Prozent) stimmte der Aussage zu, dass Arbeitgeber, die auf auf eine geschlechterneutrale Unternehmenssprache verzichten, Frauen schlechtere Karriereaussichten bieten. Von den Studenten ist knapp ein Viertel (24 Prozent) dieser Ansicht. Die Teilnehmer wurden auch dazu befragt, welche Zuschreibungen sie mit Unternehmen verbinden, die nicht gendern. Danach halten 38 Prozent solche Arbeitgeber für konservativ, 29 Prozent finden sie unmodern und 25 schätzen sie als unflexibel ein.

Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence ist davon überzeugt, dass es Auswirkungen auf die Arbeitgebermarke hat, ob Unternehmen gendern oder nicht. Er rät Unternehmen dazu, sich auf die “immer größer werdende Zustimmung” zu geschlechterneutralen Formulierungen einzustellen und Richtlinien für die eigene Sprache abzuwägen und zu definieren. In welche Richtung das gehe, müsse jeder Arbeitgeber selbst entscheiden.

Aufmerksamkeit für das Thema nimmt zu

Auf jeden Fall werden die Menschen immer mehr für das Gender-Thema sensibilisiert. Doch selbst wenn sich Unternehmen korrekt verhalten wollen und in ihren Jobinseraten gendern, kann es ihnen passieren, dass sich Bewerber benachteiligt fühlen. Das zeigt eine juristische Auseinandersetzung mit einer zweigeschlechtlichen Person, die Klage einreichte, weil sie sich als Mensch mit nicht binärer Geschlechtsidentität wegen der Schreibweise mit Gendersternchen diskriminiert fühlte. Das Gericht kam jedoch zu dem > Urteil, dass diese Schreibweise keine Diskriminierung darstellt.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.