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„Personalabteilungen haben Vorurteile uns gegenüber“

Mehr als die Hälfte aller Befragten fühlt sich bei der Jobsuche diskriminiert. (Foto: BullRun_Adobe Stock)
Mehr als die Hälfte aller Befragten fühlt sich bei der Jobsuche diskriminiert. (Foto: BullRun_Adobe Stock)

Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich in Deutschland beim Bewerbungsprozess benachteiligt. Sie haben den Eindruck, für dieselbe Anerkennung mehr Qualifikationen vorzeigen zu müssen als Menschen ohne Migrationshintergrund, und Vorurteilen in den Personalabteilungen gegenüber ihnen ausgesetzt zu sein. Das geht aus einer Studie des Jobportals Indeed hervor, bei der 502 Erwerbstätige mit ausländischen Wurzeln in Deutschland befragt wurden.

53 Prozent der Befragten haben das Gefühl, mehr oder weniger bei der Jobsuche benachteiligt zu werden. Davon fühlen sich 16 Prozent häufig diskriminiert, 26 Prozent manchmal und 12 Prozent selten. Demgegenüber stehen 37 Prozent der Befragten, die nie das Gefühl haben, bei der Jobsuche diskriminiert zu werden. 10 Prozent waren sich nicht sicher oder wollten keine Angaben hierzu machen. Generell fühlen sich Männer weniger oft benachteiligt als Frauen. Während sich knapp ein Drittel aller befragten Männer bei der Jobsuche unfair behandelt fühlt, sind es bei den Frauen gut die Hälfte.

Mehr Leisten für dieselbe Anerkennung

Den Eindruck, mehr Jobabsagen zu bekommen als Menschen ohne Migrationshintergrund, haben 35 Prozent der Befragten. Mehr als ein Drittel sind sich deshalb sicher, mehr leisten zu müssen, um dieselbe Anerkennung wie ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen mit einem ausschließlich deutschen Hintergrund zu erhalten. Diese Überzeugung ist besonders stark bei den 35- bis 44-Jährigen ausgeprägt.

Auf die Frage, was das größte Hindernis für Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt sei, antworteten die Umfrage-Teilnehmenden: der Name (37 Prozent), die Staatsangehörigkeit (31 Prozent), der Geburtsort und das Geburtsland (27 Prozent) und die Religion (26 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich. Diese Informationen würden negativ interpretiert werden und es schwerer machen, einen Job zu finden. Denn die Befragten sehen eine Bevorzugung von Deutschmuttersprachlern und Vorurteile von Personalerinnen und Personalern gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund als größte Hindernisse bei der Jobsuche an (jeweils 43 Prozent). Auch eine Rolle spielten die Bevorzugung von Bildungsabschlüssen in Deutschland (31 Prozent) und eine Präferenz von Kandidaten, die als deutsch wahrgenommen werden (29 Prozent).

Präferierte Lösungsansätze

Uneinigkeit gibt es darüber, ob sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren verbessert oder verschlechtert hat. Auch hier nehmen die Frauen die Lage für sich persönlich negativer wahr, als Männer. Um die Diskriminierung bei der Jobsuche zu verringern, sprechen sich die Befragten vor allem für strukturierte Bewerbungsgespräche aus, bei denen allen Kandidaten dieselben Fragen gestellt werden. Bewerbungen ohne Angaben des Namens, Geschlechts und der Nationalität halten die Umfrage-Teilnehmenden auch für sinnvoll. Eine Bewerbung ohne Bild sowie standardisierte Eignungsprüfungen könnten zudem hilfreich sein, um eine Benachteiligung zu vermeiden.

Unternehmen sollten zudem die Fähigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund stärker wertschätzen, finden die Befragten. Dabei sehen sie vor allem ihre Vielsprachigkeit, ihre interkulturellen Kompetenzen und ihre Anpassungsfähigkeit, als bedeutende Qualifikationen an. Auch auf ihre fachliche Kompetenz, ihre internationalen Arbeitserfahrungen, ihre Resilienz sowie die anderen Blickwinkel, die sie mitbringen, sollten Personalerinnen und Personaler mehr im Blick haben.

“Es ist entscheidend, dass sich Führungskräfte ihrer Vorurteile bewusst werden, um eine diskriminierenden Personalauswahl und -entwicklung in jeglicher Hinsicht vorzubeugen”, sagt Frank Hensgens, Geschäftsführer Indeed DACH.

 

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.