Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Durchbruch für Video-Recruiting

Viele Personaler konnten ihre Bewerbungsprozesse zuletzt nur dank digitaler Tools aufrechterhalten. Was im Krisenfall zwangsläufig erprobt werden musste, sollte HR auch nach der Rückkehr ins Büro in vorhandene Abläufe integrieren. Denn digital zu bleiben, lohnt sich.

Gespräch per Video führen
Video-Recruiting hat nicht nur Vorteile für HR, sondern stößt auch bei den Kandidaten zunehmend auf Akzeptanz. Foto: © iStock/LDProd

Jeder dritte Recruiter hat während der Corona-Krise wertvolle Erfahrungen mit digitalen Recruiting-Tools gesammelt. Das ist das Ergebnis einer ›aktuellen Studie der Online-Jobplattform StepStone und des Bundesverbands der Personalmanager (BPM), für die insgesamt 2.600 Recruiter befragt wurden. Schon vor Ausbruch der Krise waren Live-Video-Interviews laut Studie bei 36 Prozent aller Befragten gängige Praxis.

Im Zuge der Krise hat die Zahl der Video-Interviews zuletzt stark zugenommen. So gaben nach Ausbruch der Pandemie 60 Prozent an, per Live-Video mit Bewerbern Gespräche zu führen. Und: 56 Prozent der befragten Recruiter sind sich sicher, dass der Einsatz digitaler Instrumente in der Personalgewinnung und -auswahl künftig stark zunehmen werde.

Tatsächlich macht es in vielen Fällen Sinn, digitale Prozesse langfristig in bestehende Prozesse zu integrieren. Denn Recruiting per Video hat nicht nur viele Vorteile für HR, sondern stößt auch bei den Kandidaten zunehmend auf Akzeptanz.  In ihrer Studie haben StepStone und der BPM auch 10.200 Menschen gefragt, wie sie zu digitalem Recruiting stehen. Mehr als jeder Zweite hat demnach bereits gute oder sehr gute Erfahrungen mit einem digitalen Prozess gemacht. 82 Prozent und damit die deutliche Mehrheit steht dem offen gegenüber. Neun von zehn Befragten bevorzugen digitale Prozesse vor allem dann, wenn sie für mehr Schnelligkeit und Effizienz sorgen.

Die Vorteile im Überblick:

  1. Video-Recruiting beschleunigt den Auswahlprozess
    Recruiter und Kandidaten profitieren gleichermaßen von einer schnelleren Terminfindung, da keine zusätzliche Zeit für die An- und Abreise eingeplant werden muss. Vor allem Kandidaten können einen Bewerbungstermin so leichter in den (Arbeits-)Tag einbauen. Zudem entfallen weitere organisatorische Aufgaben, wie beispielsweise die Buchung von Meetingräumen, die Anmeldung des Besuchs bei der Rezeption, usw. Und wie empfinden Bewerber digitale Bewerbungsprozesse? ›StepStone und der BPM haben 10.200 Menschen dazu befragt. Mehr als jeder Zweite hat bereits gute oder sehr gute Erfahrungen mit einem digitalen Prozess gemacht. 82 Prozent und damit die deutliche Mehrheit steht dem offen gegenüber. Neun von zehn Befragten bevorzugen digitale Prozesse vor allem dann, wenn sie für mehr Schnelligkeit und Effizienz sorgen.
  2. Video-Recruiting verschlankt die Vorauswahl
    Der frühzeitige Einsatz von Video-Gesprächen kann durchaus dafür sorgen, dass sich Recruiter schon in der ersten Phase des Prozesses einen besseren Gesamteindruck vom Bewerber verschaffen können. Kandidaten sind bei Video-Gesprächen möglicherweise weniger nervös, da sie das Gespräch in einer gewohnten Umgebung führen können. Die Auswahl der Bewerber kann in einer frühen Phase der Gesamtprozesses somit valider und genauer gestaltet werden. Oftmals können Unternehmen aufgrund der eingesparten Zeit auch mehr Kandidaten persönlich kennenlernen als sonst.
  3. Video-Recruiting reduziert die Recruitingkosten
    In der Regel übernehmen Unternehmen die Kosten, die einem Bewerber bei der An- und Abreise zum Vorstellungsgespräch entstehen. Kommt ein Bewerber nicht aus der Region, sondern sogar vom anderen Ende Deutschlands, können hier unter Umständen hohe Kosten entstehen. Diese fallen weg, wenn das Gespräch per Video stattfindet.
  4. Video-Recruiting ist gut fürs Arbeitgeberimage
    Wer Video-Recruiting ermöglicht, spricht eine kontinuierlich wachsende Bewerbergruppe an, die sich zunehmend für das Thema “nachhaltige Arbeitgeber” interessiert. Der Einsatz digitaler Recruiting-Lösungen zeigt somit nicht nur, dass Sie ein moderne Arbeitgeber sind, sondern auch umweltbewusst.
  5. Video-Recruiting eignet sich besonders für die internationale Rekrutierung
    Per Video-Interview können Recruiter ohne Reiseaufwand einen persönlichen Eindruck von einem Kandidaten gewinnen. Zeitversetzte Video-Interviews überbrücken die Problematik verschiedener Zeitzonen. Dies eröffnet im Bereich der internationalen Rekrutierung neue Möglichkeiten und erweitert für viele Unternehmen den Kreis der möglichen Kandidaten enorm.

Welche Arten von Video-Interviews eignen sich?

Live-Interviews, zeitversetzte Interviews oder Video-Pitches – die Möglichkeiten, Vorstellungsgespräche per Video zu führen, sind vielfältig. Recruiter sollten prüfen, welche Art für welche Position am besten geeignet ist. Dies hängt davon ab, wie weit fortgeschritten der Bewerbungsprozesses ist, aber auch von der Anzahl der geeigneten Bewerber und der für die Position benötigten Skills.

Live-Interviews

Dieser Interviewart kommt dem klassischen, persönlichen Vorstellungsgespräch am nächsten. Hierbei handelt es sich um ein Interview in Echtzeit, bei dem Datum und Uhrzeit vorher festgelegt sind.

Der Vorteil: Recruiter erhalten alle persönlichen Eindrücke eines traditionellen Face-to-Face-Interviews, da durch den spontanen Austausch in Echtzeit ein natürlicher Dialog entsteht. Auch Case Studies und praktische Aufgaben können in Live-Interviews gut abgebildet werden. Darüber hinaus können Hiring Manager flexibel dazugeschaltet werden.

Zeitversetzte Interviews

Bei zeitversetzten Interviews erhält der Kandidat vorab Fragen schriftlich oder per Video. Die Videoantwort ist unabhängig von Ort und Zeit. So kann ein Kandidat selbst entscheiden, wann er die Fragen in Ruhe beantworten möchte. Wenn Kandidaten, die sich auf die gleiche Stelle beworben haben, im Vorfeld auch dieselben Fragen gestellt werden, ist eine hohe Vergleichbarkeit der Bewerber gewährleistet.

Ein großer Vorteil ist, dass mehrere Kandidaten in kürzerer Zeit “gescreent” werden können. Zudem bringen Video-Interviews eine höhere Flexibilität bei der Einteilung des Recruiting-Alltags mit sich – nicht zuletzt auch dadurch, dass verschiedene Zeitzonen kein Thema mehr sind.

Video-Pitch

Bei einem Video-Pitch handelt es sich um ein kurzes Video, in dem ein Kandidat sich vorstellen kann und seine Motivation für die ausgeschriebene Stelle zum Ausdruck bringt. Auch bei dieser Interview-Art kann ein Kandidat sein Video unabhängig von Ort und Zeit fertigstellen und den Recruitern zukommen lassen. Der Recruiter kann das Video ebenfalls dann anschauen, wann es in seinen Arbeitsalltag passt.

Ein großer Vorteil ist, dass verschiedene Bewerber besser miteinander verglichen werden können. Die Videos können vom Recruiter direkt nacheinander abgespielt oder sogar parallel angesehen werden, sodass der Eindruck von den verschiedenen Kandidaten stets frisch ist. Zwar ersetzt der Video-Pitch nicht den klassischen Lebenslauf, ergänzt diesen aber um eine persönliche Komponente.

Fazit

Natürlich gibt es Fälle, in denen der persönliche Kontakt nicht zu ersetzen ist. An vielen Stellen im Bewerbungsprozess können Unternehmen aber auch ohne physische Nähe persönliche Gespräche mit Bewerberinnen und Bewerbern führen. Unternehmen sollten künftig nicht einfach zum Status quo vor Corona zurückkehren, sondern Video-Recruiting an den passenden Stellen fest in ihre Prozesse einbauen.

Denn Video-Interviews sind eine effiziente Alternative zu klassischen Interviewmethoden per Telefon oder Face-to-Face. Welche Art von Video-Interview sich am besten eignet, hängt von der individuellen Recruiting-Situation ab. Wichtig: Valide Aussagen zur Eignung eines Bewerbers können entgegen der oft vorherrschenden Meinung auch nach Video-Interviews getroffen werden.