Gehalt in der Stellenanzeige: Diese Branchen sprechen Klartext

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Wer sich auf eine Stelle bewirbt, möchte natürlich auch wissen, wie hoch das künftige Gehalt sein wird. Doch mit dieser Information knausern Unternehmen in Deutschland noch in den Stellenanzeigen, wie nun auch die aktuellen Zahlen der Personalmarktforschung Index Research belegen. Nur 22 Prozent der Arbeitgeber nannten in öffentlich ausgeschriebene Stellenanzeigen ein konkretes Gehalt oder zumindest eine Gehaltsspanne.  

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Gehalt in der Stellenanzeige: Verschenktes Potenzial 

Diese Praxis ist für Unternehmen nicht von Vorteil. Zu dem Schluss sind auch schon andere Studien gekommen. Gerade die begehrten jungen Talente gehen damit an die Konkurrenz verloren, die bereits in ihren Stellenanzeigen Gehälter kommunizieren.  Das fand die Königsteiner Gruppe in einer Studie jüngst heraus. „Viele Unternehmen verschenken Potenzial“, sagt auch Jürgen Grenz, CEO von Index. „Wer in Stellenanzeigen eine Gehaltsspanne nennt, erhält mehr passende Bewerbungen.“ Die gute Nachricht ist: Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Anteil Derjenigen, die Gehalt in Stellenanzeigen nennen, um rund zwei Prozentpunkte leicht gestiegen.  

Die Bereitschaft der Arbeitgeber, Gehälter offen zu kommunizieren, variiert stark je nach Berufsfeld. Besonders hoch ist der Anteil in praktischen und handwerklichen Berufen: 

  • Transport, Verkehr, Logistik und Lager:34 Prozent der Stellenanzeigen nennen das Gehalt – der höchste Wert aller Branchen. 
  • Bau und Handwerk: Hier liegt die Quote bei 28 Prozent, deutlich über dem Durchschnitt. 
  • Ungelernte Tätigkeiten: Rund ein Drittel der Stellen für ungelernte Arbeitskräfte enthalten Gehaltsangaben. 

Berufsgruppen im akademischen – und kaufmännischem Bereich tappen laut Index-Research-Studie indes häufig im Dunkeln.  

  • Projektmanagement: In nur 14 Prozent der Stellenanzeigen wird das Gehalt genannt. 
  • Akademische Fachkräfte: Lediglich 13 Prozent der Jobangebote enthalten finanzielle Orientierungshilfen. 

Die Analyse von Index Research offenbart ein klares Muster, wenn es um Gehaltsangaben in Stellenanzeigen geht: Das Qualifikationsniveau der gesuchten Mitarbeitenden spielt eine entscheidende Rolle. 

Informationen zum Gehalt: Eine Frage der Qualifikation 

Für ungelernte Arbeitskräfte gibt es zumindest eine gewisse Orientierung. In etwa einem Drittel der für sie ausgeschriebenen Stellen werden Gehaltsinformationen genannt. Ganz anders sieht die Situation für akademische Fachkräfte aus. In nur 13 Prozent der Stellenangebote, die sich an Akademikerinnen und Akademiker richten, werden konkrete Angaben zum Gehalt gemacht. Für die Mehrheit von ihnen bleibt der potenzielle Verdienst ein Rätsel, das erst im weiteren Verlauf des Bewerbungsprozesses gelüftet werden kann. 

Die Ursache für dieses Transparenzgefälle ist laut Index Research leicht erklärt: Branchen, die unter hohem Fachkräftemangel leiden, sind eher gezwungen, Gehaltsangaben von Anfang an offen zu kommunizieren als Branchen, die ohnehin auf einen großen Bewerber-Pool zugreifen können. „Gerade in Bereichen mit Fachkräftemangel kann Gehaltstransparenz ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein“, erklärt Jürgen Grenz von Index Research.  

Rebecca Scheibel ist Redaktionsleiterin Online und verantwortlich für die digitalen Kanäle der Personalwirtschaft.