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Round Table E-Recruiting 2021: Challenge accepted!

 

 

Menschenmenge als blauer Schatten vor weißem Hintergrund
Welche Strategien und Maßnahmen sind im E-Recruiting zukünftig erfolgversprechend? Foto: denisismagilov / stock.adobe.com

Nein, die Pandemie ist noch nicht vorbei. Aber es wird langsam Zeit, aus dem Krisenmodus herauszukommen und sich bei Themen wie Homeoffice oder Virtualität langfristig gut aufzustellen. Eine hybride Arbeitswelt wird in vielen Organisationen die Lösung sein, aber was heißt das? Darf jeder so, wie er mag? Oder soll es Leitplanken geben, die für alle gelten, um beispielsweise gemeinsame und persönliche Teamtreffen zu ermöglichen? Wie sehen die Büros der Zukunft aus?

Gefragt sind individuelle Lösungen

Unternehmen befinden sich da oftmals in einem Spannungsfeld. Viele Beschäftigte wollen auf flexiblere Arbeitszeiten und -orte nicht mehr verzichten, nachdem sie ihre Vorteile kennen und schätzen gelernt haben. Darunter muss nicht, kann aber jedoch die Loyalität und die Bindung zum Arbeitgeber leiden. Einen Königsweg gibt es nicht. Die eindeutige Empfehlung lautet, gemeinsam zu ergründen, was gewünscht ist und was realistisch umgesetzt werden kann. Es ist zumindest keineswegs so, dass Homeoffice allein glückselig macht. Viele Mitarbeitende kehren derzeit gerne wieder in die Büros zurück, weil der persönliche Austausch zu lange fehlte, berichten die Fachfrauen und -männer am Runden Tisch.

Mit organisatorischen Regelungen allein ist es aber nicht getan. Dauerhaft hybrid zu arbeiten bedeutet auch, sich auf Neues einzustellen. Führungskräfte müssen beispielsweise in puncto Remote Leadership geschult und Mitarbeitende dazu befähigt werden, mit neuen Tools und Prozessen umgehen zu können. Das fängt schon beim Onboarding an: Es sollte strukturiert sein und den neuen Kräften ein Gefühl für das Unternehmen und seine Mitarbeiter geben. Das ist virtuell nur bedingt vermittelbar. Der Rückhalt der Unternehmensführung ist ebenfalls wichtig: Sie muss die Beteiligten beim Finden ihrer neuen Rollen unterstützen.

Investitionen in HR zahlen sich aus

Noch vor dem Onboarding steht das Recruiting. Ein klares und strategisches Vorgehen wird angesichts eines zunehmend enger werdenden Marktes immer wichtiger. Kandidaten-Personas erstellen, datengetrieben rekrutieren – das sollten mittlerweile keine fremden Begriffe mehr für Personaler sein. Sie sind aber ebenfalls auf die Mithilfe des Managements angewiesen. Sieht es in HR lediglich einen Kostenposten, wird es schwer. Vom Gegenteil überzeugen kann man die Entscheider beispielsweise, indem man betriebswirtschaftlich argumentiert und aufzeigt, wie sich eine Investition in diesen Bereich konkret lohnen kann.

Das darf aber nicht davon ablenken, dass HR seine Hausaufgaben machen muss, sofern das noch nicht geschehen ist. Immer noch, berichten die Branchenexperten, gibt es entlang des Bewerbungsprozesses viel zu viele Hürden und Fehler. Und auch wenn alles funktioniert, werten noch zu wenige Personaler ihre Kampagnen und Kanäle aus, um daraus Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Von Keyword-Marketing ganz zu schweigen. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf, dabei sitzen mögliche Vorbilder nicht weit entfernt. Sales und Marketing arbeiten schon seit Jahren stark daten- und zahlengetrieben, und das erfolgreich.

Persönlicher Kontakt bevorzugt

Dass Künstliche Intelligenz unter diesen Umständen bis auf wenige Ausnahmen noch keine Rolle im HR-Arbeitsalltag spielt, ist da nicht verwunderlich. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das überhaupt wünschenswert ist. Die Erfahrung zeigt, dass Bewerbende den persönlichen Kontakt in der Regel vorziehen und dieser mehr Wertschätzung ausdrückt als ein Gespräch mit einem Chatbot. Darüber hinaus ist die Technologie noch nicht so weit, komplexe Aufgaben besser als ein Mensch erledigen zu können. Bei repetitiven und gleichförmigen Prozessen kann KI aber durchaus schon heute unterstützen, etwa beim intelligenten Parsen von Lebensläufen.

Der Mensch ist und bleibt unter dem Strich das Maß der Dinge. Nur: Die Ressource wird in der Arbeitswelt immer knapper. In vielen Berufen gibt es Engpässe, der Talent-Wettbewerb wird härter. Hinzu kommt, dass die Ausbildungszahlen in der Coronakrise dramatisch gesunken und Praktika massenhaft ausgefallen sind. Findet man keine Lösungen für eine deutliche Trendwende, kann der Mangel für einige Unternehmen schon in wenigen Jahren existenzbedrohend werden. Die duale Ausbildung sollte daher gestärkt werden, sind sich die Teilnehmenden am Round Table einig.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.