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Jobinterview – viele Unternehmen vertun ihre Chance

Jobinterview, Gesprächspartner geben sich die Hand
Nicht immer sagen Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch zu, den Job anzunehmen.
Foto: © contrastwerkstatt/StockAdobe

Mehr als jeder dritte Bewerber, der bereits bis zum Vorstellungsinterview gekommen ist, sagt laut einer aktuellen Studie die Stelle ab, bevor der Auswahlprozess abgeschlossen ist. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Immerhin mehr als jeder Vierte derjenigen, die abspringen, zieht seine Bewerbung zurück, weil er mit dem Vorgehen nicht zufrieden war.

36 Prozent der Kandidaten, die vom Unternehmen bereits zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden waren, sagten den angebotenen Job noch während des Auswahlprozesses selbst ab. Davon zogen lediglich zwei Prozent ihre Bewerbung zurück, noch bevor es zum Einstellungsgespräch kam. 13 Prozent verzichteten auf die Stelle, nachdem das Unternehmen ihnen bereits eine Zusage gegeben hatte. Die meisten – 21 Prozent – entschieden sich gegen einen Job, nachdem sie die Unternehmensvertreter im Jobinterview kennengelernt hatten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag von > Viasto. Dafür wurden im November und Dezember des vergangenen Jahres 1049 Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 69 Jahren mit akademischem Hintergrund befragt, die 2018 ein Vorstellungsgespräch geführt hatten.

Mehr als jeder vierte Bewerber sagt wegen des Auswahlverfahrens ab

Von den Studienteilnehmern, die sich bereits im engeren Kreis der Personalauswahl befunden hatten, zogen 38 Prozent ihre Bewerbung zurück, weil sie eine besser bezahlte Stelle in Aussicht hatten, je zur Hälfte vom bisherigen Arbeitgeber oder von einem anderen Unternehmen. Ein Viertel der absagenden Bewerber gab an, nur ausgelotet zu haben, ob der ausgeschriebene Job besser sei als ihr aktueller. 28 Prozent sagten, sie hätten ihre Bewerbung zurückgenommen, weil sie den Auswahlprozess des Unternehmens als zu lang oder nicht zufriedenstellend empfanden. Weitere 18 Prozent entschieden sich zwischenzeitlich für eine andere Stelle, die persönlich besser zu ihnen passte und 14 Prozent nahmen einen Job an, der ihren fachlichen Fähigkeiten mehr entsprach.

Ein Großteil der Kandidaten nutzt das Vorstellungsgespräch, um Arbeitgeber zu selektieren,

kommentiert Viasto-Geschäftsführer Martin Becker die Studienergebnisse. Die Unternehmen müssten lernen, im persönlichen Kontakt während des Auswahlprozesses zu überzeugen. Wer dabei eine schlechte Figur abgebe, etwa durch eine unstrukturierte Vorgehensweise, verschenke im so oft beklagten Fachkräftemangel eine große Chance.

Gewünscht: gute Gesprächsatmosphäre und zielführende Fragen

Doch worauf kommt es Bewerbern im Vorstellungsgespräch an? Fast drei Viertel der Studienteilnehmer sagten, dass eine gute Gesprächsatmosphäre gegeben sein muss, damit das Kennenlernen gelingt. Fast jeder Zweite (48 Prozent) erwartet, dass das Vorstellungsgespräch von Arbeitgeberseite klar strukturiert sein muss. Für 60 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die fachlichen Fragen zielführend sind. 53 Prozent erwarten, dass das auch bei persönlichen Fragen an sie der Fall sein muss.

Standardfrage: Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Tatsächlich sahen sich die Studienteilnehmer in ihren früheren Jobinterviews mit Fragen konfrontiert, die man aus älteren Bewerbungsratgebern kennt. So wurden selbst im Jahr 2018 noch 82 Prozent der Kandidaten gefragt, worin sie ihre größte Stärke oder Schwäche sehen. Jeder dritte Kandidat sollte die Standardfrage beantworten, wo er sich in drei Jahren sieht. Darüber hinaus wurden neun Prozent der Bewerber im Vorstellungsgespräch aufgefordert zu erzählen, was sie über ihren letzten Vorgesetzten denken. Die von Bewerbern gewünschte positive Gesprächsatmosphäre kommt angesichts solcher Fragen kaum auf. Mehr als jeder zweite Bewerber hatte das Gefühl, sich in einer Prüfungssituation zu befinden. Als Kandidat umworben fühlte sich lediglich gut jeder dritte eingeladene Bewerber (36 Prozent).

Firmenvertreter oft unzureichend auf Jobinterview vorbereitet

Außerdem waren nach Ansicht der Befragten nur vier von zehn Personalern und Vertretern der Fachabteilung wirklich gut auf das Gespräch vorbereitet, von den Geschäftsführern sogar nur 29 Prozent. In rund zwei Drittel der Gespräche (68 Prozent) war mindestens ein Personaler anwesend, in circa der Hälfte der Interviews (52 Prozent) war der potentielle Vorgesetzte aus der Fachabteilung dabei und in 30 Prozent der Geschäftsführer.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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