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Round Table Recruiting von IT-Fachkräften: Was ITler wollen

Was reizt IT-Fachkräfte an einem Job? (Foto: Adobe Stock)
Was reizt IT-Fachkräfte an einem Job? (Foto: Adobe Stock)

Sie sind das wohl rarste Gut auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt. Umso wichtiger, ist es, IT-Spezialisten beim Recruiting richtig anzusprechen und zu wissen, worauf es ihnen bei ihrer Arbeit ankommt. Beim Personalwirtschafts-Round-Table zum Thema IT-Fachkräfte-Recruiting haben sich sechs Experten dazu ausgetauscht, was ITler wollen und wie man es am besten schafft, sie von einem neuen Job zu begeistern. Erschwert wird die Suche noch durch eine Gegebenheit: “Die meisten IT-Fachkräfte sind – wenn überhaupt – nur latent auf der Suche nach einem neuen Job”, sagt Alexander Raschke vom Vorstand der Etengo AG.

“Das Wichtigste ist, dass der Recruiter mit dem ITler auf Augenhöhe ist”, sagt Jan Kirchner, Geschäftsführer der Wollmilchsau GmbH. “Am besten ist es, wenn er selbst einen IT-Background hat. Dann kann er ganz anders und erfolgreicher auf ITler zugehen.” Verfügt man als Recruiterin oder Recruiter selbst nicht über diese Kenntnisse, sei es sinnvoll, die Fachabteilung stärker in den Recruiting-Prozess miteinzubeziehen oder sich an Spezialisten zu wenden, die tagtäglich mit dem Recruiting von IT-Fachkräften zu tun haben. “Die Suche nach ITlern ist ein Feld für sich”, sagt Frank Eckes, Geschäftsführer Allgeier Experts. “Als Recruiter müssen Sie wissen, wie sie mit ihnen sprechen und zeigen, dass Sie sich in ihrer Welt auskennen.”  Auch sei es wichtig, zu vermitteln, dass das Unternehmen die gleiche fachliche Passion teilt, wie die der Bewerbenden. Denn für die ITler zähle vor allem eins: interessante und reizvolle Aufgaben. “Wenn Sie hier mit einem Spezialisten im Recruiting unterwegs sind, dann ist die erfolgreiche Rekrutierung mit Sicherheit ein Stück weit einfacher”, so Eckes weiter.

Dabei scheinen ITlerinnen und ITler gleichzeitig auf der Suche nach Sicherheit und Freiheit zu sein. “Sie wollen von Zuhause aus arbeiten und wollen meist nicht zu Kunden rausfahren und wenig mit Menschen reden”, hat Wolfgang Achilles, Geschäftsführer von Jobware beobachtet. “ITler möchten zudem die neusten Technologien nutzen und möglichst viel selbst entscheiden, dabei aber einen sicheren Arbeitsplatz haben.”

Interessante Aufgaben

“Geld ist nicht unwichtig”, fügt Jürgen Heidenreich, Fachreferent und Ausbildungsexperte der Techniker Krankenkasse, hinzu. “Doch wenn das Aufgabengebiet der Stelle interessant ist, dann hat man als Recruiterin oder Recruiter gute Chancen, den IT-Spezialisten für die Position zu gewinnen.” Selbstständig arbeiten und besondere Sachen machen zu können, überzeuge die meisten IT-Fachkräfte laut den Experten mehr als alles andere.

Sie identifizieren sich stark mit ihrem Beruf.

Denn für die meisten ITlerinnen und ITler ist ihre Arbeit nicht nur ein Beruf, er ist eine Berufung. “Da ist viel Passion mit dabei, denn hochqualifizierte Fachkräfte haben ihr eigenständiges Handeln in Bezug auf die Weiterentwicklung ihres Könnens schon sehr stark verinnerlicht”, sagt Alexander Raschke, Vorstand des IT-Personaldienstleisters Etengo. Jan Kirchner pflichtet ihm bei: “Sie identifizieren sich stark mit ihrem Beruf und beschäftigen sich auch in ihrer Freizeit damit.”

Möglichkeiten zur Weiterentwicklung

Deswegen seien sie auch stark daran interessiert, sich stetig weiterzuentwickeln. “Weiterbildung steckt in der DNA der IT-Branche”, sagt Philipp Leipold, Geschäftsführer der AW Academy. “Kontinuierlich dazuzulernen ist normal und die ITlerinnen und ITler interessieren sich wirklich für die neuen Themen.” Geld für ihre Weiterbildung, Seminare und der Teilnahme an Veranstaltungen sowie Tagungen in die Hand zu nehmen, lohne sich deshalb.

“Man kann nicht genug Kraft in das rare Gut ITler investieren. Umgekehrt wissen diese Expertinnen und Experten auch um ihren exponierten Status und stellen entsprechende Anforderungen zum Beispiel hinsichtlich der Work-Life-Balance oder der Teilnahme an anspruchsvollen Projekten”, ist Etengo-Vorstand Alexander Raschke überzeugt. Dafür müsse nicht immer Geld investiert werden. Wertschätzung spiele auch eine große Rolle. “Am Abend ein ‚Danke‘, das von Herzen kommt, hilft mehr als alles andere.” Das solle allerdings nicht inflationär betrieben werden. “Zur Wertschätzung gehört auch, das, was man den ITlerinnen und ITlern bei der Einstellung verspricht, zu halten”, sagt Versicherungsmann Heidenreich. Es sei nur respektvoll, im neuen Job eine angenehme Situation für sie zu kreieren und auch auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Denn sonst stünde man ganz schnell wieder vor der Aufgabe, neue ITlerinnen und ITler rekrutieren zu müssen.

ITler stehen kurz davor, zu den Primadonnen des Marktes zu werden.

Hier stellt sich allerdings die Frage, inwieweit ein Unternehmen seine Werte und Benefits an die Anforderungen der IT-Fachkräfte anpassen sollte. “Das muss jedes Unternehmen für sich entscheiden”, sagt Wolfgang Achilles. “ITler stehen allerdings bereits jetzt kurz davor, zu den Primadonnen des Marktes zu werden. Sie merken, dass sie immer mehr fordern können.”

Hier geht es zurück zum Special Recruiting von IT-Fachkräften.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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