Seit über 20 Jahren beraten wir von heiden associates Klienten im Executive Search, bei Management Audits und der Führungskräfteentwicklung. Abgesehen von üblichen wirtschaftlichen Schwankungen war die Marktdynamik immer beherrschbar. Die Veränderungen im Arbeitsleben wie bspw. Homeoffice, die durch die Corona-Pandemie als Kriseninstrumente übergangsweise eingeführt wurden, haben sich dauerhaft etabliert.
Dieser Artikel spiegelt unsere Erfahrungen im Executive Search insbesondere der letzten fünf Jahre wider, an denen wir HR-Entscheider teilhaben lassen möchten.
„Der Wunsch nach Diversity auf Seiten der Unternehmen nimmt deutlich zu“

Das Gesetz, wonach börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern mindestens eine Frau im Vorstand haben müssen, wirkt sich in der Besetzungspraxis inzwischen auf alle Hierarchieebenen aus – nicht nur in Unternehmen, die qua Gesetz dazu verpflichtet sind. Der Frauenanteil in den Vorständen der 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen ist in 2022 von 19 auf 22,7 Prozent gestiegen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass für bestimmte Funktionsbereiche wie bspw. Marketing, Personal, Finanzen & Controlling die Zahl der qualifizierten Kandidatinnen am Markt ausreichend vorhanden ist. Für andere Bereiche wie IT, Entwicklung, Produktion und Vertrieb ist der Markt an Kandidatinnen überschaubar. Die Herausforderung, vor der HR-Entscheider stehen, ist, welche Priorität sie der Diversity im Gesamtkontext bei der Personalauswahl einräumen. Die Gefahr einer Besetzung nach Quote steht dann schnell im Raum – im Falle eines Scheiterns ist der Grund dann auch im Management oder in der Presse schnell ausgemacht.
„New Work – gelebte Erwartung bei den Kandidaten“

Wir treffen nach wie vor auf Klienten, die den festen Glauben haben, traditionelle Forderungen wie Umzug mit der Familie in die Provinz, fünf Tage vor Ort Präsenz am Firmensitz und regelmäßig zehn Stunden pro Tag Anwesenheit vom zukünftigen Stelleninhaber zu verlangen. Klare Botschaft von uns: Diese Forderungen sind am Bewerbermarkt heutzutage nicht (mehr) durchzusetzen. Und das ist kein Thema der Generationen Y oder Z, sondern zieht sich durch alle Altersklassen. Die Corona-Zeit hat gezeigt, dass bis auf Tätigkeiten, die eine physische Präsenz vor Ort erfordern, Remote Work möglich ist. Remote Work und Vertrauensarbeitszeit stehen bei den Kandidaten ganz oben auf der Erwartungsliste. Wer hier als Arbeitgeber keine Flexibilität zeigt, schließt von vornherein einen großen Teil an potenziellen Bewerben aus.
„Gehalt ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Gesamtpaketes“
Nach fast zweistelliger Inflation der letzten Jahre, die sich in den Gehaltserwartungen widerspiegelte, stehen deutliche Gehaltssprünge beim Wechsel auch weiterhin ganz oben auf der Wunschliste. Zu glauben, Bewerber sind bereit, beim Gehalt Abstriche zu machen, wenn andere Themen wie Remote Work möglich sind, ist aus unserer Erfahrung ein Trugschluss. Bewerber kennen ihren Marktwert und vor allem ihre Marktmacht. Wenn Arbeitgeber glauben, bei den Vertragsverhandlungen deutliche Abstriche bei den Gehaltsverhandlungen „rausholen“ zu können, kann dies schnell in eine Sackgasse führen. Die meisten Bewerber verhandeln parallel mit anderen Unternehmen und haben oftmals ein anderes Angebot in der Hinterhand.
Ein unschöner Trend, den wir seit einiger Zeit erleben, sind „Bleibeverhandlungen“ wie sie im Hochschulbereich genannt werden. Kandidaten gehen mit final verhandelten Angeboten zu ihrem aktuellen Arbeitgeber und stellen ihn vor die Wahl, entweder Kündigung oder Gehaltsanpassung bzw. Karrieresprung. Oftmals mit dem gewünschten Erfolg!
Für Headhunter bedeutet dies „Gehe zurück auf Los“ und für Klienten weitere Monate einer unbesetzten Vakanz. Lässt sich dieses Verhalten beim Kandidaten frühzeitig erkennen? Klare Antwort nein – wir empfehlen deshalb unseren Klienten, mindestens zweigleisig zu verhandeln, um einen Plan B für solche Situationen in der Hinterhand zu haben.
„Wer zu spät kommt, den bestraft der Bewerber“
In Abwandlung der berühmten Aussage von Michail Gorbatschow bezogen auf Besetzungsprozesse ist Geschwindigkeit seitens der HR-Entscheider ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Wir garantieren unseren Klienten eine Prozessdauer von 10 Wochen von der Auftragsvergabe bis zur finalen Kandidatenauswahl. Danach liegt die Prozesshoheit in der Hand des Klienten. Wenn der Klient dieses Momentum aufgrund von Gremienterminen und komplexen Entscheidungsprozessen verliert, besteht die Gefahr, dass ein Kandidat abspringt, weil andere Unternehmen schneller waren, ihm ein attraktives Angebot zu unterbreiten.
Fachkräftemangel, Demografie und Inflation wirken sich auf das Recruiting in vielfältigen Dimensionen aus. Der Markt hat sich von Arbeitgeber- zum Bewerbermarkt gedreht. Diese Marktmacht spiegelt sich im Bewerbungsprozess wider. Für HR-Entscheider bedeutet dies, deutlich höhere Flexibilität in der Arbeitsform und den Vergütungsmodellen zu zeigen als dies vor wenigen Jahren noch der Fall war. Gleichzeitig müssen sie starre Muster in den Köpfen von Firmeninhabern und Managern aufbrechen, um am Markt erfolgreich die besten Kandidaten für ihr Unternehmen gewinnen zu können.
Autor

Managing Partner heiden associates
Berlin/Dortmund/Stuttgart/Wiesbaden
heiden associates wurde vom FOCUS Business Magazin „Karriere Spezial“ seit 2015 zehnmal in Folge in der Kategorie „Executive Search“ zu den Top 10 Personalberatern Deutschlands gekürt. Das Karriere-Portal experteer zeichnete heiden associates zweimal in der Kategorie „Recruiting Innovation“ und in der Kategorie „Client Experience“ zum „Headhunter of the Year“ aus.
