In Deutschland wird Bildungserfolg nach wie vor stark durch die soziale Herkunft bedingt. Dies unterstrich zuletzt der Abschlussbericht des Hochschul-Bildungs-Reports 2022 eindrucksvoll: Während von 100 Kindern aus Akademikerhaushalten 79 ein Studium aufnehmen, sind es von Kindern, deren Eltern nicht studiert haben, nur 27. Entsprechend haben es Menschen aus einem nicht-akademischen Umfeld schwerer, den Weg in MINT-Berufe zu finden, also solche Berufe, die ein Studium der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik voraussetzen. Dabei werden vor allem in diesen Bereichen händeringend Fachkräfte gesucht. Allein das wäre Grund genug, jungen Menschen einen gleichberechtigten Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Doch viele Unternehmen übersehen, dass Menschen aus bildungsfernen Schichten eine Gruppe sind, die sie besonders fördern sollten.
Geht es um Chancengleichheit im MINT-Bereich, rückt oft der vergleichsweise niedrige Frauenanteil in den Fokus. Auch hier besteht nach wie vor Handlungsbedarf: Zwar hat der Frauenanteil unter den MINT-Studienanfängern 2021 mit 34,5 Prozent einen Höchststand erreicht (Quelle: Statistisches Bundesamt). Doch gibt es zwischen den einzelnen Fächern große Unterschiede: Während sich der Frauenanteil bei Innenarchitektur auf 88 Prozent beläuft, sind im Fach Informatik nur ein Fünftel der Studierenden weiblich – und das, obwohl insgesamt mehr Frauen als Männer ein Studium beginnen.
Wie Unternehmen von Diversität profitieren
Entsprechend sind Frauen in der IT- und Tech-Branche nach wie vor unterrepräsentiert. Viele Arbeitgeber haben in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um mehr weibliche Fachkräfte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Doch diesen egalitären Anspruch auch auf Aspekte wie die soziale Herkunft auszuweiten, versäumen viele bislang. Wohl auch, weil einer Person der Bildungshintergrund ihrer Eltern nicht so leicht anzusehen ist wie ihr Geschlecht. Dabei bietet Diversität viele Chancen für Unternehmen: Gemischt aufgestellte Teams bringen naturgemäß viel mehr Perspektiven, Erfahrungen und Ideen in die Problemlösung ein, als solche mit Mitgliedern, die einen sehr ähnlichen Hintergrund haben.
Zudem erweisen sich Menschen, die ihren Weg ohne die Rückendeckung eines gut situierten Elternhauses gehen mussten, oft als resilienter im Umgang mit schwierigen Situationen und zeigen einen besonderen Ansporn, die eigene Karriere zu gestalten. Öffnet ein Unternehmen ihnen Türen und bietet entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten, kann dies zu ungeahnten Mehrwerten führen. Hinzukommt der Aspekt der sozialen Verantwortung. So kann letztlich jeder einzelne Arbeitgeber dazu beitragen, gesellschaftliche Ungleichheiten auszuräumen, indem er Bewerber:innen fair behandelt.
Die Gründe, sich für mehr Chancengleichheit im eigenen Recruiting einzusetzen, sind also vielfältig. Um gleiche Zugangsvoraussetzungen für alle zu schaffen, brauchen Unternehmen vor allem Mut und Offenheit. Ein geradliniger Bildungsweg darf nicht mehr das Maß der Dinge sein, wenn soziale Barrieren keine Rolle mehr spielen sollen. In einer zunehmend agilen und globalisierten Arbeitswelt verlaufen individuelle Karrierewege schon lange nicht mehr so vorhersehbar wie noch vor zwanzig Jahren. Wenn Unternehmen dies akzeptieren, können sie sich dem Wandel öffnen und vom Erfahrungsschatz und Können neuer Talente profitieren.
Vorbilder helfen, Stereotype abzubauen
Wichtig ist dabei vor allem, Vorbilder zu schaffen. Beim Thema Geschlechtergerechtigkeit ist beispielsweise zu beobachten, dass Frauen anderen Frauen folgen. Netzwerktreffen und Mentoring-Programme können dazu beitragen, sich gegenseitig zu ermutigen und den Anteil unterrepräsentierter Gruppen in bestimmten Funktionen oder Berufsgruppen zu erhöhen. Nur so können althergebrachte Vorstellungen aufgebrochen, Stereotype abgebaut und letztlich die berufliche Realität hin zu mehr Chancengleichheit verändert werden. Auch mit Blick auf die Überwindung von Benachteiligung aufgrund sozialer Herkunft können Vorbilder helfen, jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen, derer sie sich zuvor womöglich gar nicht bewusst waren.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen, denen sich die Arbeitswelt gegenüber sieht, ist es wichtiger denn je, die Vielfalt und das Potenzial unterschiedlicher Talente zu nutzen – und sicherzustellen, dass diese die gleichen Chancen haben, sich zu entwickeln.
Info
Über SThree
Die 1986 in London gegründete SThree Group ist eine international tätige Personalberatung. SThree unterstützt Fach- und Führungskräfte bei der individuellen Karrieregestaltung ebenso wie Unternehmen bei der Suche nach hochspezialisierten Mitarbeitern für Festanstellungen und Projektaufträge. Mit derzeit über 2.800 Beschäftigten weltweit zählt die Personalberatung zu den größten der Branche und ist in Deutschland führender Vermittler von Professionals in Festanstellungen. Als Branchenexperten kennen die spezialisierten Berater die Herausforderungen der jeweiligen Märkte und profitieren von ihrem lokalen wie internationalen Kunden- und Kandidatennetzwerk. Weitere Informationen unter: sthree.de
