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Betriebliche Altersversorgung kommt nur langsam voran

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Die Corona-Krise ändert die Sichtweise der Arbeitnehmer, was die bAV betrifft.
Foto: © marcus_hofmann-stock.adobe.com

Kürzlich hat > Deloitte die vierte Folge der Studie zur betrieblichen Altersversorgung herausgebracht. Danach ist die Verbreitung der arbeitgeberfinanzierten Altersversorgung seit 2017 von 40 auf 35 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Arbeitnehmer, die die Bruttoentgeltumwandlung in Anspruch nehmen, stagniert seitdem bei etwa einem Viertel. Damit gab es in den letzten vier Jahren keine Verbesserung, was den Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung betrifft, so die Studie.

Aktuell verfügen lediglich 41 Prozent der Befragten über eine Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung. Davon hat mehr als die Hälfte nicht nur eine von ihrem Arbeitgeber finanzierte Anwartschaft, sondern betreibt zusätzlich auch Entgeltumwandlung. Nur acht Prozent der Arbeitnehmer mit betrieblicher Altersversorgung finanzieren diese ausschließlich selbst.

Entgeltumwandlung oft wegen fehlenden Angebots des Arbeitgebers nicht genutzt

Der Grund dafür, dass derzeit nicht mehr Berufstätige die Entgeltumwandlung nutzen, liegt laut Studie am fehlenden Angebot der Arbeitgeber – 38 Prozent der Befragten gaben das dieses Jahr an. 2017 waren es mit 36 Prozent sogar noch etwas weniger. Die Gewichtung der weiteren Gründe hat sich seit 2017 nicht geändert, so nennt beispielsweise nach wie rund ein Fünftel der Befragten (20 Prozent) Geldmangel als Grund dafür, die Möglichkeit der Entgeltumwandlung bisher nicht zu nutzen.

Corona-Krise beeinflusst Sichtweise der Mitarbeiter

Allerdings sei die Bereitschaft seitens der Arbeitnehmer, in ihre betriebliche Vorsorge zu investieren, weiterhin hoch, so die Studie. Dieses Jahr sagen 41 Prozent der Beschäftigten, dass sie dazu bereit wären, zugunsten des Aufbaus einer betrieblichen Altersversorgung auf eine Gehaltserhöhung zu verzichten – vor einem Jahr waren es noch 51 Prozent. Die Autoren mutmaßen, dass die aktuelle Entwicklung um die Corona-Krise die Sichtweise der Arbeitnehmer beeinflusst. Auch der Anteil der Mitarbeiter, die bei einem Wechsel des Arbeitgebers auf eine finanzierte betriebliche Altersversorgung achten würden und dies als sehr wichtig einstufen, hat sich seit dem vergangenen Jahr von 51 auf 41 Prozent verringert, obwohl gleichzeitig 38 Prozent der Studienteilnehmer Befragten aufgrund der Krise Einbußen in ihrer Altersversorgung befürchten.

Informationsbedarf der Arbeitnehmer zur bAV nicht ausreichend gedeckt

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich mehr als jeder zweite Mitarbeiter nicht ausreichend über die bAV informiert fühlt. Gegenüber 2017 hat dieser Anteil sogar noch leicht zugenommen. Gleiches gilt für die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit der Informationsangebote. Nach wie vor wünschen sich die Arbeitnehmer ausführliche Informationen, etwa durch eine Broschüre oder ein persönliches Beratungsgespräch. Digitale Informationsangebote haben eine vergleichsweise geringe Bedeutung, auch wenn der Einsatz einer App heute mit acht Prozent häufiger genannt wird als 2017 (drei Prozent).

Was die Gestaltung des bAV-Angebots betrifft, so bevorzugen die befragten Arbeitnehmer flexible und sichere Modelle. In einem gewissen Umfang sind sie laut Studie jedoch bereit, Risiken einzugehen, wenn diesen Risiken adäquate Chancen auf eine verbesserte Versorgung gegenüberstehen.

In unserem Sonderheft bAV gibt es mehr Informationen zum Thema.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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