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bAV in der Corona-Krise

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Die betriebliche Altersvorsorge ist zwar momentan nicht Hauptthema der Unternehmen, doch jeder vierte Arbeitgeber macht die bAV zukunftsfest.
Foto: © zabanski-stock.adobe.com

Im Rahmen der jährlichen bAV-Konferenz von > Willis Towers Watson wurden die bAV-Verantwortlichen aus großen und mittleren Unternehmen dazu befragt, in welche Phase der Krise sie sich zurzeit befinden. Mit 38 Prozent gaben die meisten Unternehmen an, sie seien damit beschäftigt, die Stabilität nach der Corona-Krise wiederherzustellen. 19 Prozent sagten, dass sie bereit “nach der Krise operieren” (allerdings fand die Befragung noch vor dem zweiten Lockdown statt). Weitere 19 Prozent sagen, die Krise habe sie nicht betroffen. 14 Prozent sind noch dabei, durch die Krise zu navigieren. Zehn Prozent machten keine Angabe.

Krise als Impuls, die bAV zukunftsfest zu gestalten

Auf die Frage, welchen Fokus sie aktuell auf die betriebliche Altersversorgung legen, antwortete rund ein Drittel (34 Prozent) der Unternehmen, dass das Thema aktuell nicht im Fokus stehe, weil andere Themen dringender seien. 26 Prozent nutzt die Krise als Impuls, um die bAV jetzt zukunftsfest aufzustellen. Knapp ein Viertel (23 Prozent) der Arbeitgeber will die Mitarbeiter auch in der Krise kontinuierlich durch bAV unterstützen. Ein (kurzfristiges) Kosten- oder Cash-Management steht derzeit nur bei zehn Prozent im Fokus. Die restlichen sieben Prozent äußerten sich nicht dazu.

Dass rund jedes vierte befragte Unternehmen gezielt darauf setzt, ihre Mitarbeiter auch in der Krise durch bAV zu unterstützen, wertet Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson, als positives Signal:

Studien belegen, dass Geldsorgen die Leistung und Motivation von Mitarbeitern beeinträchtigen. Doch gerade in Zeiten der Unsicherheit brauchen Unternehmen gute und motivierte Mitarbeiter, mit denen sie die Krise bewältigen können,

so Conrads. Unternehmen, die die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter kontinuierlich unterstützen, kämen nicht nur ihrer Fürsorgepflicht nach, sondern sorgten auch dafür, dass das Geschäft gut weiterlaufen kann. Den Unternehmen, die jetzt ihre bAV neugestalten, empfiehlt Conrads, nicht nur auf Risiko-Optimierung und Kostensicherheit, sondern auch auf eine für die Mitarbeiter bedarfsgerechte und flexible Gestaltung und transparente Kommunikation zu setzen, um die Mitarbeiterbindung und -motivation zu erhöhen.

Regulatorische Erleichterungen reichen nicht aus

Zum Ziel der Bundesregierung, die weitere Verbreitung der bAV zu fördern, sagt Conrads, die gesetzlichen oder aufsichtsrechtlichen Erleichterungen bei Beschlussfassungen oder Meldefristen für Einrichtungen der bAV zu Beginn der Krise seien zwar sinnvoll gewesen, reichten aber bei weitem nicht aus, zumal der Regulierungsdruck bereits vor der Krise erheblich gewesen sei. Nach wie vor stehe eine Anpassung der Bestimmung des handelsrechtlichen Rechnungszinses für Pensionsverpflichtungen aus und der steuerliche Rechnungszins liege unverändert bei sechs Prozent. Damit würden Gewinne versteuert, “die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung gar nicht entstanden sind”. Das sei schon in guten Wirtschaftsjahren nicht nachvollziehbar und Krisenjahren ein weiterer, unnötiger Stolperstein.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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