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Große Unterschiede beim Weihnachtsgeld

Weihnachtsdekoration und Geld
Bindende tarifliche Regelungen schützen vor der Streichung des Weihnachtsgeldes. Foto: © Lothar Drechsel/AdobeStock

Eine neue Auswertung
des Internetportals Lohnspiegel.de zum Weihnachtsgeld, für welche die
Angaben von 48.988 Beschäftigten berücksichtigt wurden, zeigt, dass 53 Prozent aller
Beschäftigten diese Jahressonderzahlung bekommen.

Zwischen Anfang November 2019
und Ende Oktober 2020 haben sich fast 49.000 Beschäftigte an der
Online-Befragung beteiligt, die vom Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung
durchgeführt wird.

Mit Tarifvertrag bekommen,
nach den Daten von Lohnspiegel.de, 77 Prozent der Beschäftigten
Weihnachtsgeld, verglichen mit nur 41 Prozent in Betrieben ohne
Tarifvertrag. In einigen Tarifbranchen, wie z. B. der Metall- und
Elektroindustrie, wurde in diesem Jahr die Möglichkeit eröffnet, das
Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilig auf die monatlichen Einkommen zu
übertragen, um im Fall von Kurzarbeit ein höheres Kurzarbeitergeld zu
erhalten. 

Neben der Tarifbindung lassen sich eine Reihe weiterer Merkmale identifizieren, die die Chancen auf Weihnachtsgeld erhöhen:

West/Ost: Nach wie vor gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen
Ost- und Westdeutschland. In Westdeutschland bekommen 55 Prozent, in
Ostdeutschland nur 42 Prozent der Befragten Weihnachtsgeld. Dies hängt
auch damit zusammen, dass die Tarifbindung in Ostdeutschland deutlich
niedriger ist als im Westen.

Männer/Frauen: Frauen erhalten seltener Weihnachtsgeld als Männer.
Bei den Frauen sind es 50 Prozent, bei den Männern dagegen 55 Prozent.

Befristet/unbefristet: Auch Beschäftigte mit einem befristeten
Vertrag können sich seltener über Weihnachtsgeld freuen. Von ihnen
bekommen 45 Prozent die Sonderzahlung. Bei Beschäftigten mit
unbefristeter Anstellung sind es dagegen 54 Prozent.

Vollzeit/Teilzeit: Bei Vollzeitbeschäftigten ist der Erhalt von
Weihnachtsgeld mit 54 Prozent deutlich wahrscheinlicher als bei
Teilzeitbeschäftigten, von denen nur 48 Prozent eine entsprechende
Sonderzahlung erhalten.

Insgesamt sehen in den meisten Wirtschaftszweigen die geltenden
Tarifverträge Weihnachtsgeld vor. Dies zeigt die aktuelle Auswertung des
WSI-Tarifarchivs von 23 großen Branchen. Das tarifliche Weihnachtsgeld
wird überwiegend als fester Prozentsatz vom Monatseinkommen berechnet.
Die in den einzelnen Tarifverträgen festgelegten Prozentsätze haben sich
im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. In den Branchen, in denen
in diesem Jahr Lohnerhöhungen vereinbart wurden, sind auch die
tariflichen Weihnachtsgelder entsprechend gestiegen.  

Ein vergleichsweise hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die
Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der
chemischen Industrie, bei der Deutschen Bahn, in der Druckindustrie, in
der Papier und Pappe verarbeitenden Industrie sowie in der
Textilindustrie (Westfalen), bei denen die Jahressonderzahlung zwischen
95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens liegt.

Es folgen unter anderem
die Bereiche Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West:
vorwiegend 62,5 Prozent) sowie Metallindustrie (überwiegend 55 Prozent).

In der Eisen- und Stahlindustrie und im öffentlichen Dienst sind
Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu einer Gesamt-Jahressonderzahlung
zusammengefasst, die im November gezahlt wird. Diese beträgt in der
Eisen- und Stahlindustrie 110 Prozent eines Monatsgehalts, im
öffentlichen Dienst (Gemeinden) je nach Vergütungsgruppe zwischen 52 und
80 Prozent in Westdeutschland und zwischen 46 und 70 Prozent in
Ostdeutschland. Unter den großen Tarifbranchen wird lediglich im
Gebäudereinigerhandwerk kein Weihnachtsgeld gezahlt.