Vertriebsvergütung neu denken: Was die Kienbaum-Studie 2026 zeigt

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Erschwerte externe Rahmenbedingungen und hohe Erwartungen setzen den Vertrieb in vielen Unternehmen zunehmend unter Druck. Vertriebsorganisationen sollen nicht nur als Wachstumsmotor fungieren, sondern gleichzeitig ihre Profitabilität steigern, Effizienzen heben und die Kundennähe stärken. Steigende Kundenerwartungen, komplexere Beschaffungsprozesse sowie Digitalisierung und KI verändern dabei sowohl die Anforderungen an den Vertrieb als auch die tägliche Vertriebsarbeit.

Konkret werden administrative Aufgaben vielerorts zunehmend automatisiert, während Beratungskompetenz, Datenverständnis und die Steuerung komplexer Anforderungen im Gegenzug an Bedeutung gewinnen. Die persönliche Kundenbeziehung bleibt dabei entscheidend, sie verlagert sich jedoch inhaltlich.

Um den gewandelten Anforderungen gerecht zu werden, setzen Unternehmen vermehrt auf spezialisierte Vertriebsrollen: Profile in der Vertriebssteuerung, im technischen Vertrieb sowie im Bid-, Pricing-, Channel- und Digital-Sales-Management ergänzen den klassischen Vertrieb und unterstützen eine gezieltere Marktbearbeitung. Vertriebserfolg wird somit stärker zur Teamleistung, die auf einer engeren Zusammenarbeit verschiedener Funktionen beruht, ohne dass der produktzentrierte Abschluss als Erfolgsmaßstab an Bedeutung verliert.

Mit diesen Veränderungen wandelt sich auch die Vertriebsstrategie. Unternehmen richten ihre Vertriebsaktivitäten heute stärker an Profitabilität, Effizienz, Kundenpotenzialen sowie strategischen Prioritäten aus. Damit rückt eine zentrale Frage für den Bereich Compensation & Benefits in den Fokus: Unterstützen die bestehenden Vertriebsvergütungssysteme noch die Verhaltensweisen und Ergebnisse, die Unternehmen von ihrem Vertrieb heutzutage erwarten?

Was zeigt die Kienbaum Vertriebsstudie 2026?

Aktuelle Ergebnisse aus der Kienbaum Vertriebsstudie 2026 (in Kooperation mit dem Bundesverband der Vertriebsmanager) geben Antworten auf diese Fragestellung. Viele Vergütungssysteme erfüllen grundlegende Anforderungen wie Transparenz, Akzeptanz und Motivation bereits solide; die Mehrzahl der befragten Unternehmen bewertet ihr System in diesen Dimensionen positiv. Kritischer wird es dort, wo Vergütung stärker strategisch steuern, Leistung differenzieren und flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren soll. Hier erreicht nur die Minderheit ein echtes Exzellenzniveau.

Die Vertriebsrealität hat sich vielerorts schneller verändert als die Vergütungssysteme. Während Vertriebserfolg heute zunehmend an Profitabilität, Kundenentwicklung und langfristigen Kundenbeziehungen gemessen wird, belohnen viele Anreizsysteme noch immer vor allem den kurzfristigen Umsatzabschluss.

Vergütung sollte sich angesichts dessen stärker zu einem strategischen Steuerungsinstrument entwickeln. Neben finanziellen Kennzahlen sollten Kunden-, Produkt-, Leistungs- und Verhaltensziele an Bedeutung gewinnen, um nachhaltige Kundenbetreuung und langfristige Wertschöpfung gezielt zu fördern.

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COMP&BEN

Dieser Beitrag ist zuerst im Vergütungsmagazin Comp & Ben – in der Sonderausgabe zum Deutschen bAV-Preis – erschienen. Das Onlinemagazin berichtet in sechs regulären Ausgaben pro Jahr und einer jährlichen Sonderausgabe über aktuelle Themen rund um Compensation & Benefits und betriebliche Altersversorgung (bAV). Hier können Sie das Magazin kostenlos herunterladen – und hier können Sie den COMP-&-BENNewsletter abonnieren.

Welche Vergütungslogik brauchen Hunter- und Farmer-Rollen?

In der Diskussion um Vertriebsvergütung dominieren häufig vermeintliche Gegensätze: Provision gegen Zielbonus, individuelle gegen kollektive Anreize, finanzielle gegen qualitative Ziele. Die entscheidende Frage liegt jedoch an anderer Stelle, denn erfolgreiche Vergütungssysteme entstehen nicht durch die Wahl eines einzelnen Instruments, sondern durch die konsequente Ausrichtung auf die Vertriebsstrategie. Sie müssen die gewünschte Steuerungslogik, die Kundenstrukturen, die Rollenverteilung und die strategischen Prioritäten des Unternehmens abbilden. Erst dann können Vertriebsvergütungssysteme die gewünschte Wirkung entfalten.

Daraus folgt: Es gibt nicht das universell gültige Modell für Vertriebsvergütung. Nicht jede Vertriebsrolle sollte gleich vergütet werden. Während ein auf den Vertriebsabschluss fokussierter „Hunter“ vor allem an seinem individuellen Vertriebserfolg gemessen werden kann, hängt der Erfolg eines „Farmers“ stärker von der langfristigen Entwicklung von Kundenbeziehungen, der Beratungsleistung und dem Zusammenspiel mit anderen Funktionen ab.

Diese Unterschiede spiegeln sich idealerweise auch in der Ausgestaltung der Vergütungssysteme wider: Hunter erhalten in vielen Fällen stärker variable, individuelle und provisionsorientierte Anreize, während bei Farmern teamorientierte Bonusmodelle mit einem breiteren Mix aus finanziellen, kundenbezogenen und qualitativen Zielen überwiegen. Moderne Vertriebsvergütung erfordert dabei kein eigenes System je Rolle, sondern die Integration unterschiedlicher Rollen in eine gemeinsame Anreiz- und Steuerungslogik. Gerade in ausdifferenzierten Vertriebsorganisationen sorgt ein übergreifender Vergütungsrahmen dafür, dass alle Instrumente auf die Vertriebsstrategie einzahlen und zugleich die Aufgaben, Einflussmöglichkeiten und Erfolgsbeiträge einzelner Rollen berücksichtigen.

Welche fünf Handlungsfelder stärken die Vertriebsvergütung?

Für die Weiterentwicklung von Vertriebsvergütungssystemen rücken damit fünf Prüfpunkte in den Vordergrund:

1. Rollen und Verantwortlichkeiten klären. Vor jeder Systemanpassung muss klar sein, wie die Vertriebsorganisation aufgebaut ist und welche Rolle welchen Beitrag leistet: Wer akquiriert Neugeschäft, entwickelt Bestandskunden oder beeinflusst Marge und Pricing? Je differenzierter die Rollen sind, desto wichtiger werden klare Verantwortlichkeiten und Schnittstellen.

Leitfrage: Sind Rollen, Verantwortlichkeiten und Wertbeiträge in der Vertriebsorganisation klar genug definiert?

2. Rahmenmodell definieren. Ein übergreifendes Rahmenmodell übersetzt die Vertriebsstrategie in gemeinsame Leitplanken für alle Rollen. Es sollte klären, welche Anreizprinzipien für die gesamte Vertriebsorganisation gelten, wie stark rollenspezifisch differenziert wird und welche Instrumente für welche Wertbeiträge geeignet sind.

Leitfrage: Gibt es ein Rahmenmodell, das gemeinsame Steuerungsprinzipien und rollenspezifische Differenzierung sauber verbindet?

3. Zielarchitektur fokussieren. Finanzielle Ziele bleiben wichtig. Gleichzeitig rücken Kundenentwicklung, Zusammenarbeit und Profitabilität stärker in den Fokus. Wirksam wird eine Zielarchitektur, wenn sie pro Rolle wenige Steuerungsimpulse sauber priorisiert und nicht zu viele Anforderungen in die variable Vergütung verlagert.

Leitfrage: Welche Kennzahlen und Ziele setzen je Rolle den richtigen Fokus?

4. Flexible Anreize einsetzen. Strategische Initiativen ändern sich schneller als Vergütungssysteme. Deshalb gewinnen modulare Elemente an Bedeutung, etwa strategische Fokusziele, temporäre Initiativen, Spot-Boni oder nicht monetäre Anreize. Ihr Nutzen liegt in einer flexiblen und gezielten Schwerpunktsetzung, etwa für neue Produkte, Cross-Selling oder Preisdurchsetzung.

Leitfrage: Welche Flexibilität ist notwendig, ohne das Grundsystem zu überfrachten?

5. Umsetzung absichern. Ein gutes Vergütungssystem scheitert häufig an der Umsetzung. Sind die relevanten Daten verfügbar? Ist das System beeinflussbar und fair ausgestaltet? Sind Sonderfälle geregelt? Verstehen Führungskräfte und Mitarbeitende die Logik? Qualitative Ziele, Teamkomponenten und flexible Anreizbausteine brauchen klare Governance und Kommunikation.

Leitfrage: Ist das Vergütungssystem administrierbar, erklärbar und im Führungsalltag tragfähig?

Wie gelingt Systemoptimierung ohne vollständiges Redesign?

Ein vollständiges Redesign des Vergütungssystems ist nicht immer nötig. Häufig genügt zunächst eine strukturierte Systemanalyse: Welche Ziele verfolgt das bestehende System? Welche Verhaltensimpulse setzt es tatsächlich? Wo entstehen Fehlanreize, Komplexität oder Akzeptanzprobleme?

Darauf aufbauend lassen sich dann passende Handlungsoptionen ableiten: von einer rollenspezifischen Zielarchitektur über eine Schärfung der Kennzahlenlogik bis hin zum umfassenderen Redesign. Für Compensation & Benefits-Verantwortliche wird Vertriebsvergütung damit zum Schnittstellenthema zwischen Vertrieb, Personalbereich, Controlling und Geschäftsführung.

Die zentrale Frage bleibt: Incentiviert das bestehende Vergütungssystem noch die Wertbeiträge und das Verhalten, die der Vertrieb heute braucht?

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