Vom Fachkräftemangel für Ihr Recruiting lernen? 3 Impulse

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

1. Der Fachkräftemangel verschärft sich selbst

Flugzeuge fliegen nicht, weil Bodenpersonal fehlt. Freibäder öffnen nicht, weil es keine Bademeister:innen gibt. Krankenhäuser müssen ganze Stationen schließen. Für Verbraucher:innen wurden die Folgen des Fachkräftemangels letztes Jahr besonders deutlich. Doch auch auf die Jobsituation der Fachkräfte selbst hat der Fachkräftemangel gravierende Auswirkungen. Laut der aktuellen Studie „Zukunft der Arbeit“ von meinestadt.de wirkt sich bei 64,2 Prozent der Fachkräfte das Fehlen von Personal negativ auf ihre tägliche Arbeit aus: 26,2 Prozent von ihnen müssen Überstunden machen, bei 32,1 Prozent verdichtet sich die Arbeit, sie müssen mehr in gleicher Zeit schaffen und können weniger durchatmen. In 5,7 Prozent der Unternehmen werden bestimmte Leistungen nicht mehr angeboten, weil Personal fehlt. Berufe, die bereits vom Fachkräftemangel betroffen sind, verlieren aufgrund der Mehrbelastungen zusätzlich an Attraktivität. Die immer belastender werdenden Bedingungen heizen den Fachkräftemangel weiter an. Das hat Folgen fürs Recruiting, für die Einsatzfähigkeit von Fachkräften und ihre Bindung.

Info

2. Fachkräfte werden selbstbewusster auf dem Arbeitsmarkt

Bereits aus mehreren Studien von meinestadt.de wie „Wechseln oder bleiben?“ oder dem Fachkräftereport 2021 geht hervor: Fachkräfte mit Berufsausbildung werden sich ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt immer bewusster. Nach einer kurzen Corona-Delle zeigt sich der Markt wieder kandidatenorientiert – Fachkräfte suchen sich den Arbeitgeber aus, nicht umgekehrt. Fragt man Fachkräfte nach ihren aktuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sind 57,2 Prozent von ihnen überzeugt, sich aufgrund der eigenen Qualifikation und Erfahrung den Job aussuchen zu können.

Die jüngeren Fachkräfte sind dabei selbstbewusster als die älteren. Während 68,1 Prozent der 18- bis 24-Jährigen glauben, sich aufgrund ihrer Qualifikation und/oder Erfahrung den Job aussuchen zu können, sind es bei den 45- bis 54-Jährigen nur 51,5 Prozent. In der Pflege ist das Selbstbewusstsein der Fachkräfte mit Abstand am größten: Hier stimmen 89,4 Prozent der Aussage zu. Doch selbst im Handel ist noch jede zweite Fachkraft von den eigenen guten Chancen auf dem Jobmarkt überzeugt.

Arbeitgeber müssen mit selbstbewussten Kandidat:innen rechnen, die Jobangebote vergleichen und sich bei steigender Unzufriedenheit für einen besseren Job entscheiden – das gilt sowohl für aktiv als auch passiv Suchende.

Alles zum Thema

Zukunft der Arbeit: So stärken Sie Ihr Fachkräfte-Recruiting

Erfahren Sie, was Sie vom Fachkräftemangel lernen können und wie Sie die Zukunft der Arbeit neu denken – und damit wichtige Impulse für Ihr Recruiting setzen.

3. Fachkräfte sind wechselbereit und offen für Quereinstiege

Der überwiegende Teil der Fachkräfte hält die Augen auf dem Arbeitsmarkt offen – 5,1 Prozent davon sind aktiv auf Jobsuche, 47,0 Prozent bezeichnen sich als passiv suchend.

Passivsuchende haben keinen akuten Bedarf nach einem neuen Job, wären aber wechselbereit, wenn ihnen ein attraktives Jobangebot begegnet. Die zunehmenden Belastungen am Arbeitsplatz und eine geringe Verbundenheit mit dem Arbeitgeber führen dazu, dass die Wechselbereitschaft steigt. „Sehr verbunden“ mit ihrem Arbeitgeber fühlen sich nur 29,1 Prozent der Fachkräfte. Deutlich niedriger ist der Anteil bei den Jüngeren zwischen 18 und 24 Jahren (22,2 Prozent), in größeren Betrieben zwischen 500 und 1000 Mitarbeitenden (24,1 Prozent) sowie in der Pflege (20,3 Prozent).

Die Wechselbereitschaft beschränkt sich nicht nur auf die eigene Branche oder den ursprünglich erlernten Beruf, denn die Bereitschaft zum Quereinstieg ist unter Fachkräften ausgeprägt. Vier von zehn Fachkräften haben schon einmal einen Quereinstieg gewagt. Selbst über die Hälfte derer, die bisher noch keinen Quereinstieg vollzogen haben, können sich einen Wechsel in einen anderen Beruf vorstellen. Die Abwanderung in andere Branchen lässt den Fachkräftemangel in weniger attraktiven Berufen weiter steigen.

Info