Kam es in Deutschland infolge der Corona-Pandemie zur in HR-Kreisen viel diskutierten „Great Resignation“? Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt die Antwort für mindestens einen Teilaspekt der Great Resignation, also eine Kündigungswelle mit folgendem Arbeitgeberwechsel, auf: Die Zahl der Branchenwechsel nahm während der Coronakrise ab statt zu.
Aktuell liegt der IAB-Linkedin-Branchenwechsel-Radar mit 56,4 Punkten unter dem Wert von 2019, dem Jahr unmittelbar vor Beginn der Corona-Pandemie. Der Radar ist ein Mittelwert aus zwei Komponenten: Zum einen die Komponente der heutigen Wechsel, die misst, wie viel Prozent aller Neueinstellungen auf Branchenwechsel zurückgehen. Diese liegt aktuell bei 40,6 Prozent. Die zweite Komponente ist die der morgigen Wechsel, bei der berechnet wird, wie groß der Anteil der Bewerbungen aus anderen Branchen an allen Bewerbungen ist, aktuell sind das 72,3 Prozent. Beide Komponenten basieren auf Daten von Linkedin.
Niedrigste Branchenwechsel-Quote im Mai 2023
Der Mittelwert der beiden Komponenten sank ab Frühling 2020 deutlich auf 58,4 Punkte, obwohl zuvor ein stetiger Anstieg zu erkennen war. Im Jahr 2021 lag die Quote bei 58 Punkten (Juni 2021), erreichte jedoch nicht den Wert, den sie vor der Corona-Pandemie hatte (58,7 Punkte im Dezember 2019, dem Jahr vor Pandemiebeginn). Mit der Energiekrise 2022 sank der Branchenwechsel-Radar wieder deutlich. Am niedrigsten war die Quote im Mai dieses Jahres (55,9 Punkte), seitdem ist sie wieder leicht gestiegen, bleibt jedoch unter dem Vor-Krisen-Niveau.
Die IAB-Zahlen unterstützen Ergebnisse aus anderen Analysen, die eine Great Resignation in Deutschland während der Corona-Pandemie verneinen. Insgesamt hat sich die Zahl der Jobwechsel während der Pandemie deutlich verringert. Dies ist das Ergebnis von Analysen, bei denen 2021 Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet wurden. Lediglich in wenigen Teilbereichen kam es zu verstärkten Branchenwechseln nach Arbeitslosigkeit, wie beispielsweise in der Gastronomie.
Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“, fasst zusammen: „Im deutschen Arbeitsmarkt gab es während der Pandemie eher große Ruhe statt Great Resignation.“
Stefanie Jansen war 2022 und 2023 Volontärin in der Redaktion der Personalwirtschaft. Ihre Themenschwerpunkte waren Aus- und Weiterbildung, der Job HR und neue Arbeitszeitmodelle.

