Lern-Experteninnen und -Experten sind sich einig: Das heutige IT-Wissen hat eine Halbwertszeit von kaum mehr als zwei Jahren. Bei technologischem Wissen sind es drei, bei beruflichem Fachwissen und Hochschulwissen immerhin fünf bis zehn Jahre, nach denen die Hälfte des Wissens veraltet ist. Angebote zur ständigen Weiterbildung für Mitarbeitende und Qualifizierungsangebote für die Führungskräfte von morgen sind deshalb für Unternehmen unabdingbar. Auch der Hochschulausbildung kommt dabei mittel- und langfristig ein besonderer Stellenwert zu – gerade, wenn Unternehmen (potenzielle) Führungskräfte entwickeln wollen. Dazu gehören zum Beispiel duale Studiengänge und für die, die höher hinauswollen, auch berufsbegleitende Masterstudiengänge.
Wer als Unternehmen Standorte in München (31 Hochschulen), Hamburg (45 Hochschulen), Berlin (59 Hochschulen) oder Köln (29 Hochschulen) betreibt, hat damit kein Problem. Denn die Angebote vor Ort sind vielfältig. Unternehmen mit Betriebsstätten in ländlichen Gebieten und kleineren Gemeinden hingegen, können ihren Mitarbeitenden bisher solche Perspektiven nur mit hohem Zeit- und Reiseaufwand anbieten.
Viele Berufe verhindern eine Weiterqualifizierung
Hinzu kommt, dass eine ganze Reihe von Arbeitnehmenden aufgrund ihrer Tätigkeit keine Möglichkeit hat, Beruf und Qualifizierung. Weiterbildung in Präsenz miteinander zu verbinden: Mitarbeitende im Vertrieb mit hohem Reiseaufkommen etwa, Angestellte in Logistikunternehmen vom Seemann über die Pilotin bis zum Busfahrer und der Busfahrerin auf Langstrecken, technisches Wartungspersonal im Außeneinsatz, (Bau-)Ingenieure auf Projekten, Unternehmensberater und -beraterinnen, Journalistinnen und Journalisten, wenn sie als (Auslands-)Korrespondenten tätig sind und besonders in der IT die digitalen Nomaden, die ihren Wohnsitz in kurzen Abständen wechseln und mal von einem Business Center in Thailand, Kolumbien oder Südafrika und mal von einem Open Work Space in Spanien, Vietnam oder den USA aus für ihren Auftraggeber tätig sind. Darüber hinaus erleichtern virtuelle Studienangebote denen die Aus- und Weiterbildung, die sich die teuren Mieten in den großen Metropolen nicht leisten wollen, die ihr Studium mit Kindern und Familie, mit der Pflege von Angehörigen oder mit einer körperlichen Beeinträchtigung in Einklang bringen müssen. Ganz im Sinne einer möglichst umfassenden Bildungsgerechtigkeit wird hier der Zugang zu Bildungsangeboten vereinfacht oder sogar erst ermöglicht.
Virtuelle Studiengänge verbessern die Weiterqualifizierung im Unternehmen
Auch wenn immer mehr Hochschulen digitalisierte und virtuelle Studiengänge im Programm haben – für interessierte Mitarbeitende und HR-Abteilungen lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn die Digitalisierung und Virtualisierung von Studiengängen ist unter den 423 deutschen Hochschulen unterschiedlich ausgeprägt. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden eine fachliche und persönliche Weiterentwicklung ermöglichen wollen, müssen also nicht nur auf akkreditierte und staatlich anerkannte Angebote achten. Es geht jenseits dieser Voraussetzungen vor allem darum, dass der Studienablauf möglichst flexibel gestaltet ist, einen hohen Grad an Individualisierungsmöglichkeiten aufweist, und dass digitale Lern-Tools als Studienbegleitung zur Verfügung stehen, damit Mitarbeitende schnell, strukturiert und unabhängig vorankommen – an jedem Ort und zu jeder Zeit.
Große Flexibilität bieten mit Kombinationen zwischen Online- und Präsenzstudium und einem großen Netz an eigenen Niederlassungen moderne private Hochschulen wie die IU Internationale Hochschule, mit mehr als 100.000 Studierenden und über 35 Standorten in Deutschland größte deutsche Hochschule. Die größte der klassischen Campus-Universitäten ist mit rund 52.000 Studierenden die Universität Köln, dicht gefolgt von den beiden Münchner Universitäten LMU (51.000) und TUM (48.000). Die kleinste Hochschule dürfte mit sieben Studierenden (WS 2021/22) die Philosophisch-Theologische Hochschule Münster sein.
Praktisch alle Universitäten und Hochschulen bieten heute Online-Plattformen an, auf denen Dokumente wie Vorlesungsskripte oder Referatspräsentationen zur Verfügung gestellt werden können. Darüber hinaus ist das Angebot von Hochschule zu Hochschule, manchmal auch von Fakultät zu Fakultät, höchst heterogen. Worauf sollte man achten, wenn man seinen Mitarbeitenden als Arbeitgeber ein möglichst flexibles ausbildungs- oder berufsbegleitendes Bachelor- oder Masterstudium ermöglichen will?
Diese Faktoren sollten HR-Verantwortliche bei virtuellen Studiengängen überprüfen
Voraussetzungen
- Studiengang und Hochschule sollten akkreditiert und staatlich anerkannt sein.
- Studienabschluss und akademischer Grad sollten den Vorgaben des deutschen Hochschulrechts entsprechen.
- Das Angebot sollte voll digitalisiert sein – ohne Notwendigkeit der Wahrnehmung von Vor-Ort-Terminen
- Die digitalen Strukturen sollten über alle Studienmodelle und Studiengänge hinweg einheitlich gestaltet sein.
Flexibilität des Studienablaufs
- Die Hochschule sollte verschiedene Studienmodelle von klassischen über ausbildungs- (dualen) bis zu berufsbegleitenden Bachelor- und Masterstudiengängen anbieten.
- Außerdem ist ein in ganz Deutschland verteiltes Netz an Studienstandorten für die zusätzliche Option von Präsenzunterricht hilfreich.
- Wichtig für mehr Flexibilität bei berufsbegleitenden Studiengängen ist auch, dass Studierende semesterweise zwischen einem Studium in Voll- und Teilzeit wechseln können.
Individualisierungsmöglichkeiten
- Können Studierende zwischen einem Fern-, Präsenz- oder Hybridstudium wählen?
- Ist es möglich, semesterweise von einem Studienmodell in ein anderes und zwischen Studienstandorten zu wechseln?
Nutzerfreundlichkeit
- Achten Sie darauf, dass das Onlineportal der Hochschule intuitiv zu bedienen ist.
- Alle Lerninhalte sollten über ein Portal abrufbar sein.
- Verwaltungsvorgänge sollten geschlossen in einem Portal einzusehen sein – von der Notenübersicht über die Modulbuchung bis zum Klausurtermin und von der Studienbescheinigung über die Krankmeldung bis zur Rechnungseinsicht.
- Um Studierenden mobiles Lernen zu ermöglichen, sollten Inhalte per App abrufbar sein.
- Lehrinhalte sollten in verschiedenen Formen (zum Beispiel als animierte Lehrvideos, Online-Vorlesungen, Präsentationen, Podcasts, Skripte, Fachliteratur) aufbereitet und bereitgestellt werden.
- Die Lerninhalte sollten rund um die Uhr verfügbar sein.
- Es ist hilfreich, wenn KI-gestützte Chatsbots bei Fragen – etwa zur Prüfungsordnung – rund um die Uhr helfen können.
- Dozierende sollten bei Bedarf über die reguläre Lehrtätigkeit hinaus als Coaches für Studierende zu Verfügung stehen.
- Onlineklausuren sollten individuell dann absolviert werden können, wenn sich die Prüflinge dazu bereit fühlen.
- Achten sie auf das Feedback von Absolventen der jeweiligen Hochschule. Sind Erfahrungsberichte überwiegend positiv?
Aktive Unterstützung des Lernfortschritts
- Eine regelmäßige Überprüfung des Lernfortschritts durch ein intelligentes Abfragesystem nach jeder Lerneinheit, zeigt Studierenden ihren Wissensstand an und weist auf etwaige Wissenslücken hin.
- Querverweise in diesen Abfragen ermöglichen es Studierenden direkt zu den Lerninhalten zu springen, die noch nicht ausreichend vertieft wurden.
- Ein automatisiertes System sollte nach den Tests auf Basis der beantworteten Prüfungsfragen anzeigen, ob die Prüfungsreife gegeben ist.
Klar ist, dass die Anforderungen an die technischen Systeme für so viel Flexibilität hoch sind. Für Hochschulen ist es eine Mamutaufgabe, bestehende Strukturen so umzubauen, dass Vorlesungen, Seminare, Recherchen in prüfungsrelevanten Unterlagen und selbst Klausuren vollkommen individualisiert zu jeder Tages- und Nachtzeit absolviert werden können. Sind die Systeme auf dem neuesten Stand, dann müssen Studierende neben einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie benötigen ein Notebook und ein W-Lan in Reichweite.
Geringe Hürden beim Studieren aus dem Ausland
Anders als beim Arbeiten aus dem Ausland sind die Hürden beim Studieren aus dem Ausland deutlich geringer. Für die Studiengänge, in denen ein reines Online-Studium ohne Präsenzanteile im DACH-Bereich vorgesehen ist, gilt: Ein Fernstudium macht es möglich, online sowie orts-/zeitunabhängig (auch aus dem Ausland aus) zu studieren. Für den Auslandsaufenthalt selbst müssen die jeweils geltenden nationalen und internationalen rechtlichen Belange eingehalten werden. Eine Übersicht dazu bietet das Infoportal zu ausländischen Bildungsabschlüssen anabin.
Unternehmen, die Mitarbeitende aufgrund örtlicher Gegebenheiten, einer schwierigen persönlichen Situation oder einer mit Ortswechseln verbundenen Tätigkeit bisher nicht in ihre Fortbildungen einbeziehen konnten, haben mit den digitalen und virtuellen Möglichkeiten der technologisch führenden Hochschulen heute die Möglichkeit, die Personalentwicklung auf ein neues Niveau zu heben. Damit erschließen sich Unternehmen nicht zuletzt in Zeiten eines schwierigen Arbeitsmarktes ein neues Potenzial für Tätigkeiten mit hoher Qualifikation.
Autor
Dr. Perry Reisewitz ist Geschäftsführender Gesellschafter Compass Communications GmbH. Er verfasste diesen Beitrag im Auftrag der Internationalen Hochschule (IU).
