Homeoffice: Viel Lärm um (fast) nichts

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Wenn Tech-Giganten wie Meta, Google und Amazon oder jüngst auch VW die Beschäftigten wieder in die Firmenzentrale beordern, dann sorgt das für Schlagzeilen und Schnappatmung. Mitunter wird dann sogar eine Prä-Corona-Arbeitswelt wahlweise als leuchtendes Vorbild oder Schreckensszenario gezeichnet.

Die Realität sieht jedoch meistens anders aus: Die allermeisten Unternehmen in Deutschland, 84 Prozent, wollen ihre gegenwärtigen Regeln zum Homeoffice beibehalten. Lediglich acht Prozent möchten ihre Homeoffice-Regeln noch ändern. Seit April 2022 liegt die Homeoffice-Quote stabil bei einem Viertel aller Beschäftigten. Ein Rückgang sei auch nicht zu erwarten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung – des ifo-Instituts – unter 9.000 Unternehmen in Deutschland hervor. Trotz der öffentlichen Debatte um die Rückkehr ins Büro habe sich das Homeoffice in der Arbeitswelt fest etabliert, so lautet die Erkenntnis der ifo-Wissenschaftler.

Veränderungen sind demnach nur in wenigen Branchen zu erwarten: In der Medienbranche (24 Prozent) und in der Warenherstellung (19 Prozent) plant ein Teil der Unternehmen weitere Flexibilisierungen beim Homeoffice. Einschränkungen sind dagegen bei einigen Textilherstellern (20 Prozent), Teilen der Pharmaindustrie (16 Prozent) und Informationsdienstleistern (16 Prozent) zu erwarten.

Betriebsvereinbarung oder individuelle Absprache

Aktuell habe gut ein Drittel aller Firmen eine Betriebsvereinbarung zu Homeoffice geschlossen und weitere 15 Prozent nutzten Regelungen auf Bereichs- oder Teamebene. 29 Prozent der Unternehmen arbeiten nach ifo-Angaben mit individuellen Vereinbarungen. 31 Prozent haben keine Regelung oder gar kein Homeoffice.Ein beträchtlicher Teil diese Unterschiede ist branchenspezifisch bedingt: So haben fast die Hälfte der Industrieunternehmen eine Betriebsvereinbarung, ebenso wie ein knappes Drittel der Dienstleister. Aber nur jedes achte Handelsunternehmen und auch nur 17 Prozent der Betriebe in der Baubranche. Regelungen auf Teamebene und individuelle Vereinbarungen finden sich in etwa gleichmäßig in allen Wirtschaftsbereichen, hat die ifo-Umfrage ergeben.

Offenbar hängt das Vorhandensein von Homeoffice-Regelungen auch mit der Unternehmensgröße zusammen: Deutlich mehr als die Hälfte der Großunternehmen haben eine entsprechende Betriebsvereinbarung, aber nur knapp jedes vierte kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs). Auch Regelungen auf Teamebene sind in großen Unternehmen deutlich verbreiteter.

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.