Die Unternehmen in Deutschland könnten innovativer sein, wenn sie die Hindernisse ausräumen würden, die Neuerungen derzeit behindern. Dazu gehören unflexible Strukturen genauso wie ungenutzte Fähigkeiten der Mitarbeitenden und mangelnde Kritikfähigkeit der Führungskräfte. Das zeigt die repräsentative Studie „Arbeitszufriedenheit in Deutschland“ des Recruiting-Spezialisten Avantgarde Experts in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov. Dafür wurden im Februar dieses Jahres insgesamt 1.050 Beschäftigte befragt, davon 528 mit Personalverantwortung.
Mehrere Faktoren hemmen die Innovationskraft von Unternehmen
Lediglich ein Sechstel der Befragten (16 Prozent) bescheinigt seinem Unternehmen eine volle Innovationsstärke. Jeder Neunte (elf Prozent) gibt an, dass in seiner Organisation nicht an Neuheiten gearbeitet wird. Doch warum ist das so? Die Studie ermittelt verschiedene Gründe dafür, dass die Innovationskraft ausgebremst wird. Fast vier von zehn Befragten (39 Prozent) nennen zu starre Strukturen als Hemmnis. An zweiter Stelle steht ein fehlendes Budget, das jeder Dritte (33 Prozent) angibt, gefolgt von zu wenig Zeit im Alltagsgeschäft (31 Prozent). Weitere 17 Prozent sehen eine bürokratische Unternehmenskultur als Hindernis.
Wenig teamübergreifende Zusammenarbeit bei Innovationen
Die Befragung zeigt außerdem, dass sich lediglich 40 Prozent der Führungskräfte und sogar nur gut jede vierte Fachkraft (27 Prozent) über Innovationen im eigenen Unternehmen gut informiert fühlt. Philipp Riedel, CEO von Avantgarde Experts, ist der Ansicht, dass Neuentwicklungen nicht nur von einigen Wenigen im stillen Kämmerlein erarbeitet werden sollten. Gerade bei innovativen Prozessen profitierten Unternehmen von interdisziplinären Teams mit einem vielfältigen Skill-Set. Als positives Beispiel nett Riedel die IT-Branche, da die Arbeit an Innovationen dort besonders cross-funktional sei und laut der Hälfte der Befragten team- und hierarchieübergreifend erfolge. Darüber hinaus sei jedoch eine positive Fehler- und eine offene Unternehmenskultur notwendig, die Innovation unter dem Leitgedanken des Entrepreneurships ständig fördert.
Was die Fehlerkultur betrifft, so bewerten 61 Prozent der Befragten den Umgang mit Fehlern in ihrem Unternehmen als konstruktiv oder eher konstruktiv. Genauso viele fühlen sich im Sinne des Entrepreneurships eher bis absolut (mit)verantwortlich für den Unternehmenserfolg; bei IT-Experten sind es 75 Prozent. Allerdings richtet fast jede fünfte Führungskraft (18 Prozent) ihr Handeln an eigenem Interesse aus.
Lernbereite Beschäftigte können Kompetenzen nicht einbringen
Bei Innovationen geht es immer auch darum, sich neues Wissen und neue Fähigkeiten anzueignen. Bei mehr als jedem zweiten Befragten ist die Bereitschaft, Neues zu lernen, durchaus gegeben: 56 Prozent bewerten neue Herausforderungen als positiv. Allerdings haben viele Befragte den Eindruck, dass sie aktuell nicht einmal ihre vorhandenen Kompetenzen im Unternehmen einbringen können. Lediglich 40 Prozent geben an, mit ihrer derzeitigen Aufgabe komplett ausgefüllt zu sein. 26 Prozent der Befragten denken, dass ihr Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft wird. Weitere 14 Prozent finden, dass sie sicherlich noch wertvoller für das Unternehmen sein könnten und zwei Prozent halten sich sogar für komplett unterfordert. Daneben gibt es auch Beschäftigte, denen die aktuellen Anforderungen offenbar zu hoch sind, doch sie stellen die Minderheit dar: Vier Prozent fühlen sich überfordert und zwölf Prozent leicht überfordert. Die restlichen zwei Prozent machten keine Angabe.
Insgesamt gäbe es also genügend Skills in den Belegschaften, die für Innovationen bereitstünden, aber von der Unternehmensführung nicht berücksichtigt werden. Den Führungskräften selbst mangelt es laut Studie häufig an wichtigen Kompetenzen, vor allem an Soft Skills. Das gilt insbesondere für Kritikfähigkeit und Selbstreflexion: Nicht mehr als zwölf Prozent der Befragten betrachten diese Fähigkeit als Stärke ihres Vorgesetzten. Wenn Unternehmen innovativer werden wollen, müssten sie also sowohl bei sich selbst ansetzen als auch das nicht genutzte Potenzial ihrer Mitarbeitenden ausschöpfen.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

