Hari Srinivasan, Chief Product Officer von Linkedin (Eigenschreibweise LinkedIn, Anm. d. Red.), kündigte kürzlich an, dass die Plattform es Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen will, Inhalte als KI-Slop zu melden. Slop – eigentlich “Brühe” oder “Nassmüll” – meint in diesem Zusammenhang digitalen Content von zweifelhafter Qualität.
Dies sei eine von mehreren Maßnahmen, die LinkedIn nutzt, um die Menge an minderwertigen, KI-generierten Inhalten auf seiner Plattform zu reduzieren. Bei einigen, aber nicht allen Nutzern ist das schon eingeführt. Klickt man bei einem Beitrag auf die drei Menüpunkte rechts oben, erscheint die Auswahlmöglichkeit „Scheint ein KI-Slop zu sein“ – noch über der Funktion des Meldens eines Beitrages.
Was beziehungsweise ab wann ist es ein KI-Slop?
Dabei räumte Srinivasan selbst ein, dass schwer zu definieren sei, was ein KI-Slop ist. Es gehe nicht darum, durch KI bearbeitete Texte grundsätzlich zu verbieten: „Viele Menschen verfeinern ihre Gedanken mithilfe von KI, und wir glauben, dass sie wissen möchten, wann diese unecht klingen.“ (alle Zitate von Hari Srinivasan und Linkedin übersetzt aus dem Englischen, Anm. d. Red.)
In einem Hilfe-Artikel von Linkedin heißt es: „KI-Slop bezeichnet Inhalte, die mit geringem Aufwand erstellt wurden und wahrscheinlich von einer KI generiert sind; sie mögen oberflächlich betrachtet ausgefeilt wirken, lassen jedoch einen klaren Standpunkt, eine einzigartige Perspektive oder Substanz vermissen.“
Einige Nutzer und Nutzerinnen kritisieren dieses Vorgehen: „LinkedIn baut ein Meldesystem für einen Tatbestand, den es nicht sauber definieren kann, und überlässt die Bewertung Leuten, die KI-Text im Schnitt kaum besser erkennen als per Münzwurf. Aus einem technischen Problem wird ein soziales“, schreibt etwa KI-Trainer Alex Januschewsky.
KI-Slop: Was passiert nach der Meldung?
Neben dieser definitorischen Lücke und der ungeklärten Frage, wie viel KI nun aus Sicht von Linkedin noch in Ordnung ist, mangelt es in der Kommunikation des Social-Media-Riesen außerdem an folgender Klarstellung: Was bedeutet es für den Beitragsinhaber, wenn sein oder ihr Beitrag von jemandem als KI-Slop markiert wurde? Wird der Post gelöscht? Müssen Beitragsinhaber aktiv werden?
Wir haben bei Linkedin nachgefragt: „Vor kurzem haben wir eine neue Option eingeführt, mit der Mitglieder ihr Desinteresse an Beiträgen signalisieren können, die sie für ‚AI-Slop‘ halten, und diese aus ihrem eigenen Feed entfernen können“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.
Dabei handele es sich nicht um eine Meldung eines Verstoßes gegen die Richtlinien, sondern um ein Signal, dass der Inhalt für das Mitglied, das ihn angesehen hat, möglicherweise nicht nützlich, relevant oder authentisch sei. „Dieses Feedback hilft uns, besser zu verstehen, welche Inhalte unsere Mitglieder schätzen, um sicherzustellen, dass der Feed weiterhin professionelle Gespräche anzeigt, die den Menschen helfen, in ihrer Karriere voranzukommen.“
Auf unsere Fragen etwa zu möglichen Falschmeldungen oder ob die Meldungen negative Auswirkung auf die Reichweite eines Beitrages haben, antwortete Linkedin nicht. Aufgrund des obigen Statements und dem bisherigen Vorgehen der Plattform ist letzteres aber sehr wahrscheinlich.
Beitragsinhaber werden bislang nicht informiert
Wenn dieser neue Button also vor allem ein Signal an Linkedin und seinen Algorithmus ist, erfahren Beitragsinhaber dann überhaupt davon? Der Produktchef kündigte an, dass Linkedin testen wolle, den Beitragsinhabern in ihrem privaten Analyse-Dashboard einen Hinweis zu geben, wenn Mitglieder den Eindruck hätten, dass der eigene Beitrag unecht wirkt oder dass übermäßig viel KI eingesetzt wurde.
Zum Status Quo teilte uns die Linkedin-Sprecherin diesbezüglich mit: „Autoren werden nicht benachrichtigt, wenn jemand dieses Feedback zu ihren Inhalten abgibt.“ Man prüfe derzeit, wie sie konstruktives Feedback geben könnten.
Gesine Wagner betreut als Chefin vom Dienst Online die digitalen Kanäle der Personalwirtschaft und ist als Redakteurin hauptverantwortlich für die Themen Arbeitsrecht, Politik und Regulatorik. Sie ist weiterhin Ansprechpartnerin für alles, was mit HR-Start-ups zu tun hat. Zudem verantwortet sie das CHRO Panel.

