Immer mehr junge Menschen ohne Job und Berufsausbildung: Was heißt das für HR?  

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Kein Job und keine Lehre: In Deutschland befand sich 2025 jede und jeder zehnte junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren weder in einem Beschäftigungs- noch in einem Ausbildungsverhältnis. Die sogenannte NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training) – sie misst den Anteil der Erwerbslosen und Nichterwerbspersonen, die keine Aus- oder Weiterbildung absolvieren – liegt damit bei rund zehn Prozent und ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Seit 2022 hat sich der Wert um 1,2 Prozent erhöht.  

Besonders betroffen sind junge Frauen, die mit 10,5 Prozent über dem Anteil der Männer (9,6 Prozent) liegen. Dieser Unterschied spiegelt sich EU-weit wider, wie aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Immerhin: Trotz der steigenden Zahlen steht Deutschland im europäischen Vergleich insgesamt besser da. Der EU-Durchschnitt beträgt 12,9 Prozent – knapp drei Prozentpunkte mehr als hierzulande.  

Sind Tätigkeiten mit Mindestlohn attraktiver als Ausbildungen? 

Die Entwicklung ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen. Mit Verweis auf einen nationalen Bildungsbericht nennt die Behörde Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen sowie die Suche nach einer Ausbildung oder einem Studium als häufige Auslöser. Darüber hinaus machte eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus April vergangenen Jahres auf Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur als Folge der „starken Zuwanderung“ sowie das Verhalten innerhalb dieser Gruppen als mögliche Gründe aufmerksam.  

Hinzu kommt: Viele junge Menschen wollen erst einmal arbeiten und Geld verdienen, statt eine Ausbildung zu beginnen. Ausbildungsgehälter versprechen zunächst oft ein geringeres Einkommen als Tätigkeiten, die mit dem Mindestlohn entlohnt werden: Anfang 2022 lag dieser noch unter zehn Euro pro Stunde, vier Jahre später kratzt er bereits an der 14-Euro-Marke. Dem IAB zufolge führe das dazu, dass Helfertätigkeiten zunehmend attraktiver werden. 

An Ausbildungsplätzen hingegen mangelte es nicht: Im Beratungsjahr 2024/2025 waren 32.000 Ausbildungsplätze mehr gemeldet, als es Bewerberinnen und Bewerber gab, wie die Bundesagentur für Arbeit im November vergangenen Jahres mitteilte. Davon wurden jedoch lediglich 61 Prozent besetzt. Die Behörde führt dies unter anderem auf die fehlende Passung zwischen Bewerberinnen oder Bewerbern und den Ausbildungsstellen zurück. 

Bezahlung spielt große Rolle bei Arbeitgeberwahl 

Doch worauf kommt es jungen Erwachsenen bei der Arbeitgebersuche eigentlich an? Die Jobstudie „Arbeitgeber der Zukunft 2026/27“ vom Meinungsforschungsinstitut IFAK im Auftrag von 1Live (Eigenschreibweise 1LIVE) und dem WDR hat die Antworten von mehr als 2000 14- bis 34-Jährigen zusammengetragen: Den ersten Platz belegen gemeinsam die Kategorien Vergütung und Benefits sowie Unternehmenskultur und Betriebsklima, gefolgt von Arbeitsplatzsicherheit auf Platz zwei und Diversität und Inklusion auf Platz drei. 

Auch hier wird deutlich: Eine faire Bezahlung spielt für die Zielgruppe eine zentrale Rolle. Konkret werden ein gutes Gehalt, eine angemessene Vergütung sowie eine leistungsgerechte Entlohnung als ausschlaggebende Faktoren genannt. Auffällig ist zudem, dass 74 Prozent der Befragten keine Scheu haben, offen über Gehalt und Vergütung zu sprechen. 

Teilqualifikationen als Chance für Unternehmen 

Auch wenn eine Berufsausbildung in der Regel langfristig eine höhere Vergütung verspricht als ungelernte Tätigkeiten, ist der Ausbildungsmarkt rückläufig. Wie kann dem entgegengewirkt werden? Ein Lösungsansatz sind Teilqualifikationen (TQ): berufliche Weiterbildungen, die sich an Erwachsene ab 25 Jahren ohne Abschluss, Arbeitssuchende und An- oder Ungelernte richten. 

Teilqualifikationen umfassen mehrere Bildungseinheiten von jeweils durchschnittlich vier bis sechs Monaten, die aufsummiert einen Ausbildungsberuf inhaltlich abdecken, um nachträglich den Berufsabschluss erwerben zu können. Sie werden in einen Theorieteil, der rund zwei Drittel der Qualifizierung beträgt und von einem Bildungsträger vermittelt wird, sowie einen betrieblichen Praxisanteil aufgeteilt. 

Insbesondere wegen des Fachkräftemangels sind diese für Unternehmen lohnenswert, da ungenutzte Potenziale entdeckt und im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung gefördert werden können. Jährlich bieten die IHK TQ-Aktionstage an, um auf die Möglichkeiten von Teilqualifikationen aufmerksam zu machen. Auf einer speziellen Internetseite werden zudem Praxiseinblicke mit Beispielen erfolgreicher Projekte vorgestellt.

Paula Heidemann ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.