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Bêrîvan Ronahî Akbaba: „LinkedIn ist mein öffentliches Tagebuch“

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Bêrîvan Ronahî Akbaba ist HR-Generalistin bei MD7, einem Immobiliendienstleister für die Telekommunikationsbranche. Seit gut einem Jahr ist sie auf LinkedIn aktiv – und schreibt für knapp 4.000 Followerinnen und Follower vor allem über Diversity-Themen. Bei den „HR Top Voices“ wurde sie mit dem „People’s Choice Award“ ausgezeichnet, in der Rubrik LinkedIn landete sie ebenfalls unter den Top-50.

Im Interview spricht sie über Motivation und Gegenwind und darüber, wie sie mithilfe von LinkedIn immer wieder dazulernt.

Personalwirtschaft: Frau Akbaba, einen LinkedIn -Account so zu pflegen, wie Sie das tun, ist viel Arbeit. Wieso machen Sie das?
Bêrîvan Ronahî Akbaba:
Es klingt vielleicht ein bisschen verrückt. Aber: Für mich ist LinkedIn ein bisschen wie mein öffentliches Arbeitstagebuch. Ich nutze die Plattform, um meine Gedanken niederzuschreiben und loszuwerden – auch wenn ich damit manchmal polarisiere.

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Worüber schreiben Sie dabei?
Ich habe zum Beispiel schonmal über die Zeit geschrieben, in der ich eine Massenentlassung begleitet habe – das half mir selbst auch mit dem Umgang. Ansonsten schreibe ich viel über Inklusion und Diversity am Arbeitsplatz, zum Beispiel über den Umgang mit Weihnachtsfeiern als Muslima. Dass es so viel in Richtung Diversity geht, hat sich nach und nach entwickelt, weil das einfach mein Steckenpferd ist – und ich da selbst noch viel lerne.

Durch die Kommentare, die dann darunter stehen?
Tatsächlich vor allem dadurch, dass ich im Vorfeld viel lese, um sicherzugehen, dass ich nicht nur eine gefühlte Wahrheit verbreite. Ich würde niemals einen Beitrag schreiben, bei dem ich das nicht vorher gemacht habe.

Sie sagen über sich, selbst, dass Sie auch mal polarisieren. Und beim Thema Diversity gibt es ja fast schon traditionell jede Menge Menschen – vor allem Männer –, die sich angegriffen fühlen. Wie gehen Sie mit Gegenwind um?
Ich hatte bislang relativ viel Glück, was das angeht und wenig direkte verbale Angriffe erfahren. Um zu vermeiden, dass ich selbst oder jemand anderes angegriffen wird, moderiere ich die Kommentare unter meinen Beiträgen, aber teilweise passiert das auch ganz automatisch. Als ich über die Deportationspläne der AfD geschrieben habe, und jemand sich dort ausländerfeindlich geäußert hat, kamen ganz viele Leute zusammen und haben das quasi für mich moderiert. Da gibt es echt viel Kollegialität!

Wie gehen Sie denn grundsätzlich beim Inhalt Ihrer Beiträge vor – haben Sie zum Beispiel eine Themenliste?
Ich habe auf meinem Handy eine Apple-Notizliste, wo ich  alle möglichen Begriffe sammle und Ideen dazu. Aber am Ende kommt meistens irgendwas dazwischen, und ich schreibe über etwas völlig anderes. Mein LinkedIn-Plan ist also kein Plan. Ich schreibe etwas und schicke es dann los – und schaue auch nicht auf Uhrzeiten oder Tage.

Der Algorithmus ist Ihnen also egal.
Ja, ich schreibe ja nicht für den Algorithmus, sondern für meine Community. Und da will und muss ich authentisch bleiben. Selbst das Vordatieren von Beiträgen nutze ich nur ganz  selten.

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Wie viel Zeit investieren Sie in LinkedIn?
Schwer zu sagen – es ist aber ziemlich viel Zeit. Vor allem, weil ich nicht nur selbst poste, sondern auch lese und kommentiere.

Was sagt Ihr Arbeitgeber dazu?
Nicht viel. Ich mache das alles außerhalb meiner Arbeitszeit. Ich bin da glaube ich sehr fair und transparent, und arbeite sogar die Minuten nach, wenn ich doch mal bei der Arbeit etwas kommentiere. Ich bezeichne mich auch bewusst nicht als Corporate Influencerin, auch wenn ich Nachrichten zu Gunsten meines Arbeitgebers bekomme, wie Anfragen für offene Positionen und Bewerbungen, bei denen wahrscheinlich meine Bekanntheit eine Rolle gespielt hat. Aber ich will meine eigentliche Arbeit und meine LinkedIn-Aktivitäten bewusst nicht vermischen.

Frau Akbaba, wem – außer Ihnen – sollte man bei LinkedIn noch folgen? Haben Sie vielleicht einen Geheimtipp?
Da fällt mir Nenad Čupić ein. Er macht Führungskräfteberatung ist auch Experte für Rassismus- und Klassismuskritik sowie Diversityförderung. Er macht eine super Arbeit – in und außerhalb von LinkedIn.

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Info

Matthias Schmidt-Stein koordiniert die Onlineaktivitäten der Personalwirtschaft und leitet gemeinsam mit Catrin Behlau die HR-Redaktionen bei F.A.Z. Business Media. Thematisch beschäftigt er sich insbesondere mit den Themen Recruiting und Employer Branding.