Buzzword-Bingo: Fachkräftemangel

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„Die Sorge um qualifiziertes Personal“: So titelte die „Personalwirtschaft“ in einem Artikel über die Personalentwicklung – im Jahr 2008. Und auch in weit früheren Ausgaben gab es kaum einen Jahrgang, in dem nicht die eine oder andere Branche das gefürchtete F-Wort vermeldete: Fachkräftemangel. Mal waren es die Ingenieure, die sich rarmachten, mal die Industriefachkräfte. Und eine ausreichende Menge an Spezialistinnen und Spezialisten aus der Pharmazie und in der IT, oder früher „EDV“, fehlte eigentlich schon immer. „Leutemangel“ – so hieß das Phänomen bereits in der Zeit, als noch Kaiser Wilhelm II. herrschte, man mit der Kutsche zur Arbeit fuhr und es Jobbeschreibungen wie „Leib- und Hofpage“ gab.

Immerhin: Zwangsarbeit ist inzwischen illegal, Kinderarbeit ebenfalls. Migration, trotz der heimlichen Träumereien mancher Stammtischmitglieder, ist es allerdings nicht – und hier fand sich auch schon in früheren Zeiten eine der Lösungen für das Dauerproblem. „Die Debatte um den Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland wird in Deutschland seit etwa 130 Jahren geführt“, heißt es in einem Text der Bundeszentrale für politische Bildung über den Fachkräftemangel. Mit Blick auf die aufgeheizte mediale Berichterstattung wird sie wohl auch in 130 Jahren noch weitergeführt werden.

Nach den Sternen greifen

Bild: Kai Felmy

Was können Unternehmen sonst noch tun, um das Rekordhoch an mangelnden Fachkräften zu füllen? Eigentlich sind alle Strategien bekannt: die Unternehmenskultur so gestalten, dass die Belegschaft auch im Alter freiwillig dort weiterarbeiten will, den Nachwuchs anlocken und selbst ausbilden. Und dagegen angehen, dass die Teile der Weltbevölkerung, die nicht „Stefan“ heißen und/oder so aussehen, sich im Vorstand eines deutschen Unternehmens fühlen wie Aliens aus einer anderen Galaxie.

Genau dort müssen sich Personalverantwortliche nämlich in weiteren 130 Jahren nach Fachkräften umsehen, wenn wir es nicht hinbekommen, diejenigen aus anderen Ländern hier willkommen zu heißen oder attraktive Arbeitsumgebungen für junge Menschen zu schaffen. Eventuell ist dies auch der Grund, warum noch kein Außerirdischer Kontakt mit der Erde aufgenommen hat – aus Angst, nach zwei Schritten von der Raumschifframpe von einem Headhunter überfallen zu werden. Man könnte die NASA einmal dazu befragen – aber auch dort herrscht derzeit Fachkräftemangel.

Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.