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Mittagspause: Zwischen Powernap und Putenbrust

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Die durchschnittliche Mittagspause in Deutschland dauert etwas mehr als eine halbe Stunde. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage der Jobbörse jobtensor.com, für die 1000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt wurden. Konkret verschnaufen deutsche Beschäftigte im Durchschnitt 33,4 Minuten. Demnach geben 52 Prozent der Befragten an, 30 Minuten Pause zu machen, zehn Prozent berichten von 45 Minuten und elf Prozent von einer vollen Stunde.

Die längste Atempause von der täglichen Arbeit gönnt die Beratungsbranche ihren Mitarbeitenden (40,1 Minuten), während der Öffentliche Dienst (29,6 Minuten) sowie die Agrarbranche (25 Minuten) die kürzeste Arbeitsunterbrechung gewähren. Der Großteil der Beschäftigten ist mit der Dauer der eigenen Mittagspause zufrieden. Insgesamt finden 88 Prozent der Befragten, dass die Zeit für sie ausreichend sei.

„Die Mittagspause ist eine wichtige Energie-Tankstelle für Beschäftigte. Sie bietet Raum für Entspannung und Stressabbau. Viele Menschen schätzen sie auch, weil sie Gelegenheit zum kollegialen Austausch bietet. Arbeitgeber, die anziehende Rahmenbedingungen für diesen Teil des Tages, beispielsweise durch eine gut aufgestellte Kantine schaffen, verfügen nicht zuletzt auch über ein interessantes Attraktivitätsmerkmal für Bewerberinnen und Bewerber“, so Thomas Hense, Geschäftsführer von jobtensor zu den Ergebnissen der Umfrage.

Fast die Hälfte der Beschäftigten können in einer Kantine essen

Die Art und Weise, wie Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen hierzulande ihre Pause verbringen, ist höchst unterschiedlich. 47 Prozent der von jobtensor Befragten berichten davon, dass ihr aktueller Arbeitgeber eine Kantine habe. Davon machen 36 Prozent immer oder oft Gebrauch, weitere 47 Prozent immerhin noch gelegentlich oder manchmal. Immerhin 71 Prozent der Kantinennutzerinnen und -nutzer sind mit dem Angebot dort zufrieden.

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42 Prozent aller Beschäftigten bringen sich dagegen eigenen Angaben zufolge meist selbst etwas zu essen mit. Von diesen verzehren dann mehr als die Hälfte (55 Prozent) ihren Pausensnack direkt am Arbeitsplatz. Nur wenige Beschäftigte gehen öfters mit ihren Kolleginnen und Kollegen in die naheliegender Gastronomie, um ihre Mittagspause dort zu verbringen. Das gönnen sich aktuell gerade einmal acht Prozent regelmäßig und 22 Prozent gelegentlich.

Fleisch ist immer noch das beliebteste Essen

Am liebsten haben die Deutschen laut jobtensor-Umfage in der Mittagspause Fleisch auf dem Teller. 24 Prozent der Befragten bevorzugen dies. 20 Prozent essen am liebsten Nudeln und 16 Prozent freuen sich am meisten über Salat in der Kantine oder im Pausenraum. Vegetarisch essen 13 Prozent der Befragten.

In der Hitliste der konkreten Lieblingsgerichte stehen Fleischgerichte dagegen nur mittelbar auf dem Speiseplan. Auf der Pole Position landet hier Salat mit Hühnchen (zehn Prozent), gefolgt von einem Salatteller ohne Beilage (neun Prozent) sowie der Pizza (acht Prozent) auf Rang drei. Auf den weiteren Plätzen: Käse-Sandwich sowie Spaghetti Bolognese. Die gute alte Currywurst mit Pommes trifft dagegen nur bei sechs Prozent der Befragten den Geschmack.

Interessanterweise widerspricht das Ergebnis der Umfrage ein Stück weit dem Ranking des Verpflegungsanbieters Apetito, über das wir unlängst im Rahmen eines großen Kantinenreports berichtet haben. Immerhin belegt die Currywurst dort den dritten Platz, auch wenn sie in den vergangenen Jahren deutlich an Beliebtheit eingebüßt hat. Am beliebtesten sei mittlerweile Spaghetti Bolognese, dicht gefolgt von einer Pesto-Pfanne, vermeldete Apetito im vergangenen Jahr. Im Vorjahr lag die Currywurst noch auf dem zweiten Platz und war bis 2019 jahrzehntelang das meistverkaufte Kantinengericht. 

Der Mittagsschlaf ist noch wenig verbreitet

Als Mittel der beruflichen Auszeit wenig durchgesetzt hat sich dagegen bislang der Mittagsschlaf, den wir unlängst ebenfalls thematisiert haben. Zwar gibt es Beispiele wie den Chemiekonzern BASF oder die Telekom-Tochter T-Systems International, die ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit zum Powernapping bieten und dies auch gezielt fördern. Vielfach stößt das Nickerchen in der Pause jedoch noch auf Skepsis oder gar Ablehnung.

So tut Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning eine Nickerchen-Kultur als Faulenzer-Dasein ab. Hörning zu einem Antrag des Leipziger Stadtrat Thomas Kumbernuß, den Mittagsschlaf in der Verwaltung als Teil der Arbeitszeit zu etablieren: „Der Antrag ist in ehrabschneidender Weise darauf ausgelegt, das Ansehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Leipzig zu beschädigen“, sagte er und ging direkt in die Verteidigung seiner Beschäftigten. Sie hätten sehr wohl einen großen Leistungswillen sowie ein ausgeprägtes Engagement auf der Arbeit. Vielen altgedienten Personalerinnen und Personalern spricht Hörning dabei mutmaßlich aus der Seele.

Genau definierte Regeln

In Deutschland sind die Regelungen zur Mittagspause genau definiert. Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden haben Arbeitnehmende laut Arbeitszeitgesetz Anspruch auf eine Pause von mindestens 30 Minuten. Kürzer als 15 Minuten darf die Pause übrigens nicht sein. Bei einer Arbeitszeit von über neun Stunden erhöht sich dieser Anspruch auf 45 Minuten.

Wann die Pause stattfindet, liegt im Ermessen des Arbeitgebers: Dies fällt unter das Weisungsrecht des jeweiligen Unternehmens. Allerdings müssen dabei gegebenenfalls die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats beachtet werden. In vielen Firmen ist es aber inzwischen üblich, dass die Mitarbeitenden selbst entscheiden dürfen, wann sie zu Tisch gehen.

Freiwillig verzichten können Mitarbeitende auf die Mittagspause übrigens nicht, stellt Arbeitsrechtlerin Ariane Liske von der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände klar: „Pausen dienen dem Schutz des Mitarbeiters. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten ihre Pausen auch tatsächlich einhalten.“ Tut er es nicht, sei dies eine Ordnungswidrigkeit, die das Unternehmen bis zu 30.000 Euro kosten könne. In vielen Unternehmen werden die Pausenzeiten deshalb direkt in die Zeiterfassung einprogrammiert. Dem Angestellten wird die Pause also automatisch abgezogen, wenn er nach mehr als sechs Stunden noch arbeitet.

Mittagspause zwischen BGM und Benefit

Für die Techniker Krankenkasse (TK) wird die Mittagspause oft unterschätzt, dabei spielt sie im Arbeitsalltag eine zentrale Rolle. Sie biete nicht nur die Möglichkeit, körperlich Energie zu tanken, sondern dient auch als mentale Auszeit. „Gerade in der modernen Arbeitswelt, in der Homeoffice und flexible Arbeitszeiten zunehmend an Bedeutung gewonnen haben, ist die bewusste Gestaltung der Mittagspause wichtiger denn je geworden“, unterstreicht die TK in einem Blogbeitrag.

Was die Mittagspause neben der reinen Auszeit vom Job noch sein kann, zeigt unter anderem das Beispiel der Connect Competence GmbH. Das Unternehmen nutzt die Pause nämlich zur besonderen Wertschätzung seiner Mitarbeitenden: „Einmal pro Woche lassen wir uns es richtig gut gehen und spendieren unserem Team ein gemeinsames Mittagessen“, schreibt das Unternehmen in einem Linkedin-Post. „Ein Benefit, der nicht nur den Magen füllt, sondern vor allem auch den Teamspirit fördert.“

Eine weitere interessante Möglichkeit der Pausengestaltung bietet die Peer School for sustainable Development: Sie lädt auf Linkedin zu einer offenen Mittagspause zum Thema „Corporate Political Responsibility“ ein. Am 22. Mai können Interessierte zwischen 12.30 13.30 Uhr ihre Pause nutzen, sich darüber zu informieren. Mit dabei ist unter anderem Sophia Becker von Business Council for Democracy (BC4D). Die Demokratieinitiative für die Arbeitswelt setzt sich für die Stärkung des demokratischen Bewusstseins am Arbeitsplatz ein und will Mitarbeitende gegen Hassrede im Internet, Desinformationen und Verschwörungserzählungen stark machen. Politisches Engagement in der Mittagspause? Warum nicht. Ein gesundes Mittagessen sollte allerdings immer noch drin sein.

Info

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Arbeitsrecht und Regulatorik und verantwortet die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.