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Arbeitnehmereinfluss in DAX-Aufsichtsräten sinkt

DAX 40
Der Arbeitnehmereinfluss in DAX-Unternehmen sinkt kontinuierlich. Der DAX 40 würde die Entwicklung noch verstärken.
Foto: © Fokussiert-stock.adobe.com

Sowohl in den Aufsichtsräten der DAX 30- als auch in M-DAX-Unternehmen bröckelt die paritätische Mitbestimmung allmählich. Eine Ursache ist die zunehmende Internationalisierung. Der zurückgehende Einfluss der Arbeitnehmer wirkt sich auch auf den Frauenanteil in Vorständen aus.

Kürzlich hat die Personalberatung Russell Reynolds Associates ihre “DAX 30 Aufsichtsratsanalyse 2021” erstellt. Die Analysen und Bewertungen erfolgten unter anderem auf Basis von öffentlich verfügbaren biografischen Informationen zu den Aufsichtsratsmitgliedern von DAX 30- und MDAX-Unternehmen.

25 Prozent im Dax und 43 Prozent im M-Dax nicht mitbestimmt

Die Untersuchung zeigt, dass die Einflussmöglichkeiten von Arbeitnehmern im DAX seit einigen Jahren stetig zurückgehen. 2015 waren noch alle Aufsichtsgremien der DAX 30-Unternehmen mitbestimmt. Zurzeit sind es nur noch 26. Sollte der DAX im September planmäßig auf 40 Mitglieder erweitert und die aktuellen Kandidaten in den Index aufgenommen werden, würden in zehn Aufsichtsräten – einem Viertel – keine Arbeitnehmervertreter mehr sitzen. Außerdem wären dann zwei der neuen Mitglieder (Zalando und Hannover Re), also weitere fünf Prozent, nur zur Drittelmitbestimmung verpflichtet. Im M-DAX schwindet der Arbeitnehmereinfluss noch mehr: Während im Jahr 2016 von den damals 50 M-DAX-Unternehmen zwölf und damit 24 Prozent ohne Arbeitnehmervertreter waren, ist der Anteil bei den derzeit 60 Mitgliedsfirmen bereits auf 26 angestiegen; das entspricht 43 Prozent.

Internationalisierung hebelt Mitbestimmung aus

Als möglichen Grund für den kleiner werdenden Einfluss der Arbeitnehmervertretung führt die Studie die zunehmende Internationalisierung des DAX an, der um Unternehmen erweitert werde, die zum Teil eine andere Struktur und Vorgeschichte haben als es bisher für die Mitglieder typisch war. So firmieren Vonovia, Brenntag, Hello Fresh und Deutsche Wohnen als europäische Aktiengesellschaft SE und waren deshalb bei ihrer Gründung nicht mitbestimmungspflichtig. Andere Unternehmen wie Linde, Airbus und Qiagen haben ihren Sitz im Ausland, in Großbritannien und in den Niederlanden. Die Porsche SE fällt nicht unter die paritätische Mitbestimmung, solange sie nur als Finanzholding tätig ist. Außerdem gelten die Unternehmen Fresenius Medical Care und Siemens Healthineers als Teilkonzerne mitbestimmter Konzernmütter und unterliegen deshalb nicht der paritätischen Mitbestimmung.

Dr. Thomas Tomkos, Leiter der Deutschen Board Practice von Russell Reynolds Associates, bezeichnet die fortgesetzte Internationalisierung der deutschen Unternehmen als wirtschaftliche Notwendigkeit, fragt sich aber, “ob damit das durchaus erfolgreiche deutsche Modell der Mitbestimmung schleichend ausgehebelt wird”. Das gelte umso mehr, als der Gesetzgeber vielfach Regelungen ausschließlich für paritätisch mitbestimmte Unternehmen definiere.

Konsequenzen für den Frauenanteil im DAX 40

Schwindet die Zahl der paritätisch mitbestimmten Unternehmen, wirkt sich dies auch negativ auf den Frauenanteil im DAX aus. Hintergrund: Das gerade verabschiedete zweite Führungspositionengesetz (FüPoG II) schreibt zwar eine Frauenquote für Vorstände vor, gilt aber nur für börsennotierte Unternehmen, die paritätisch mitbestimmt sind. Nach der Erweiterung des DAX auf 40 Unternehmen würde das Gesetz nur für 28 dieser Firmen gelten, weil zehn nicht mitbestimmt und zwei lediglich drittelmitbestimmt wären.

Weitere ausgewählte Ergebnisse der Studie stehen hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.