Derzeit haben in Deutschland 82 Prozent der Personalverantwortlichen nach eigener Aussage Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. 2014 gaben dies erst 40 Prozent an, weniger als die Hälfte. Im internationalen Vergleich teilt sich Deutschland mit Griechenland und Israel den zweiten Platz, lediglich in Japan liegt der Anteil mit 85 Prozent noch höher. Am wenigsten mit Besetzungsproblemen zu kämpfen hat Finnland mit 59 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Befragung der ManpowerGroup zum Fachkräftemangel im Rahmen des aktuellen Arbeitsmarktbarometers für das erste Quartal 2024. Dafür hat der Personaldienstleister 40.077 Unternehmen aus 41 Ländern befragt.
Branchen mit den meisten Rekrutierungproblemen
Die Untersuchung nach Branchen zeigt, dass Arbeitgeber aller Branchen oft vergeblich versuchen, neue Mitarbeitende zu gewinnen. In drei Sektoren stellt sich die Personalsuche jedoch am schwierigsten dar: Im Bereich Konsumgüter & Dienstleistungen geben 89 Prozent der deutschen Personalentscheiderinnen und -entscheider einen Mangel an Fachkräften an, dicht gefolgt von der Branche Gesundheitswesen & Life Sciences mit 88 Prozent und dem Sektor Transport- & Logistik- und Automotivbranche mit 87 Prozent. Den niedrigsten Anteil verzeichnet der Energie- und Versorgungssektor mit 63 Prozent, aber auch dort ist die Nachfrage nach Fachkräften deutlich höher als das Angebot.
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HR-Bereich betroffen
Was die nachgefragten Berufsbilder betrifft, so sind qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten mit Kenntnissen in IT/Datenverarbeitung, Fertigung & Produktion sowie Betrieb & Logistik, aber auch im Ingenieurswesen und im Personalwesen besonders schwer zu finden.
Hinsichtlich der Rekrutierungsprobleme nach Unternehmensgröße ergibt die Befragung nur geringfügige Unterschiede. Den größten Personalmangel mit 85 Prozent melden kleinere Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten, während der Anteil bei Kleinbetrieben mit maximal neun Beschäftigten sowie Firmen von 1.000 bis 4.999 Mitarbeitenden mit jeweils 81 Prozent am geringsten ist.
Unternehmen locken mit flexiblen Arbeitsbedingungen und mehr Geld
Angesichts des Personalmangels passen viele Unternehmen ihr Leistungsangebot an oder ändern ihre Einstellungsstrategie, um sich im Wettbewerb bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften als attraktive Arbeitgeber darzustellen. So möchten 39 Prozent der Befragten die Arbeitszeit mit Teilzeit und variablen Zeiten flexibler gestalten. 36 Prozent der HR-Verantwortlichen setzen auf Gehaltsanhebungen und 30 Prozent wollen mehr Freiheit bei der Wahl des Arbeitsortes – ob am Firmenstandort, hybrid oder remote – ermöglichen. Knapp ein Viertel (23 Prozent) der Unternehmen setzt auf Einstiegsprämien für neue Mitarbeitende. Ein Fünftel (20 Prozent) gibt an, auch vorhandene Fachkräfte an das Unternehmen binden zu wollen, die sie derzeit nicht zwingend benötigen. Für weitere 18 Prozent kommt es infrage, die Anforderungen an neues Personal zu senken, und 17 Prozent versuchen, Beschäftigte international zu rekrutieren.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

