Der Trend hin von Angeboten zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) seitens der Unternehmen setzt sich fort. Trotzdem bleibt die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einem niedrigen Niveau: Nur in vier von zehn Unternehmen nutzt mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden das Angebot. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung WTW.
Personalverantwortliche benennen in der Befragung vor allem das mangelnde Wissen um den eigenen Versorgungsbedarf als zentrales Hindernis für eine höhere Beteiligung. Eine höhere Nutzung von bAV-Angeboten kann insbesondere durch attraktive Zuschussmodelle erreicht werden, welche über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Dennoch müssen Unternehmen ihren Mitarbeitenden die Relevanz und Bedeutung von betrieblicher Altersvorsorge auch nahebringen. Die Studienergebnisse zeigen: hier besteht Kommunikationsbedarf.
Opting-out kann Beteiligung an bAV steigern
Eine vielversprechende Option zur Steigerung der Beteiligung an der betrieblichen Altersvorsorgeangeboten stellt das Opting-out dar. Hierbei werden Mitarbeitende bei Eintritt ins Unternehmen automatisch in die Entgeltumwandlung aufgenommen. Laut der „Global Benefits and Attitudes Survey 2022“ von WTW begrüßen ganze 73 Prozent der Arbeitnehmenden dieses Modell. Allerdings zeigt die aktuelle Studie zur Entgeltumwandlung, dass drei Viertel der Unternehmen (76 Prozent) dem Opting-out skeptisch gegenüberstehen oder es gänzlich ablehnen. Lediglich 12 Prozent der befragten Unternehmen haben es bislang eingeführt.
Unternehmen zögern häufig aufgrund rechtlicher Bedenken oder interner Diskussionen mit der Arbeitnehmervertretung. Dabei zeigt sich oft, dass Betriebsräte dem Modell sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. In der Praxis führen Opting-out-Modelle zu einer höheren Akzeptanz der Entgeltumwandlung.
Mitarbeitende passen ihre Altersvorsorge an
Die gestiegenen Unsicherheiten und Preisanstiege haben im Jahr 2022 zu einer verstärkten Anpassung der Entgeltumwandlung durch Mitarbeitende geführt, wie die aktuelle Studie zeigt. Etwa 20 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr ihre Beitragszahlungen ausgesetzt oder reduziert, was deutlich über den Erwartungen der Unternehmen von etwas mehr als zehn Prozent lag.
Für das laufende Jahr 2023 rechnen fast 30 Prozent der Unternehmen mit ähnlichen Entwicklungen. Jedoch könnte das Eingreifen durch die Mitarbeitenden in diesem Jahr nicht so stark ausfallen, wie erwartet. Positiv wirken können dabei Sonderzahlungen wie die Inflationsausgleichsprämie und höhere Tarifabschlüsse.
Viele Unternehmen sehen inzwischen auch eine gestiegene Nachfrage nach Entgeltumwandlung als möglichen Vorteil im angespannten Arbeitsmarkt. Das Benefits-Angebot wird geprüft, um neue Mitarbeitende zu gewinnen. Hier kann die betriebliche Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen. Angesichts dieser Entwicklungen sollten Personalverantwortliche die aktuelle Situation im Blick behalten und ihr Benefits-Angebot gezielt auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ausrichten.
Nachhaltigkeit in der bAV gewinnt an Bedeutung
Immer mehr Anbieter setzen in der bAV auf kapitalmarktorientierte Produkte, die trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase attraktive Renditen versprechen sollen. Die Zahl der Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden entsprechende Produkte anbieten, hat sich seit der Untersuchung im Vorjahr verdreifacht. Dabei sind sich die meisten Unternehmen einig, dass ein gewisses Garantieniveau (80 bis 100 Prozent der gezahlten Beiträge) unerlässlich ist.
Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit hat die Unternehmenswelt längst erreicht. Das zeigt sich auch bei der Kapitalanlage der Versicherer. So geben fast zwei Drittel der Unternehmen (64 Prozent) an, dass ESG-Kriterien bei der Kapitalanlage berücksichtigt werden sollten. Wichtig ist hierbei auch die aktive Kommunikation seitens der Anbieter. Doch nicht nur das: Auch die Mitarbeitenden achten vermehrt auf Nachhaltigkeitsaspekte. Knapp die Hälfte der Personalverantwortlichen (46 Prozent) geht davon aus, dass diese Themen künftig an Bedeutung gewinnen werden. Eine nachhaltige Kapitalanlage ist also nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Attraktivität als Arbeitgeber.
Verständnis für Maßnahmen schaffen
Eine gelungene Kommunikation ist ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Etablierung der Entgeltumwandlung. Neben einer attraktiven Gestaltung und großzügigen Zuschüssen ist eine verständliche Aufbereitung der Angebote unerlässlich. Angesichts der veränderten Arbeitsbedingungen haben viele Unternehmen ihre Kommunikation digitalisiert. Dennoch bevorzugen die meisten Personalverantwortlichen immer noch die persönliche Ansprache ihrer Mitarbeitenden. Die dafür eingesetzten Mittel sollen allerdings zunehmend online stattfinden. So informieren über die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) ihre Mitarbeitenden über Onlinetermine. Für die Zukunft setzen die Firmen insbesondere auf das Intranet (77 Prozent) sowie individuelle Beratungstermine (65 Prozent). Apps haben bislang nur geringe Akzeptanz gefunden.
Die früher geschätzten Printbroschüren sind vor allem bei größeren Unternehmen ein Auslaufmodell. Dass sich Apps bisher weniger durchsetzen konnten, kann daran liegen, dass Personalverantwortliche hinsichtlich deren Nutzung als Informationsmedium zur Entgeltumwandlung noch skeptisch sind.
Info
Zu Situation der Entgeltumwandlung im Jahr 2023 befragte WTW Anfang 2023 85 bAV- und Fachverantwortliche aus Unternehmen aller Größen und Branchen, so dass die Studienergebnisse eine breite Marktpraxis widerspiegeln. Sie zeigen, inwiefern die Inflation, Zinspolitik und wirtschaftliche Spannungen die Gestaltung und den Erfolg der Entgeltumwandlung beeinflussen. Der Studienreport steht auf www.wtwco.com zum Download zur Verfügung. Anhand der Vorgängerstudie aus 2019 lässt sich die längerfristige Entwicklung ablesen.
