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Appell an die Bundesregierung: Väterzeit muss kommen

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„Bringen Sie die angekündigte Familienstartzeit endlich auf den Weg.“ Das fordern verschiedene Unternehmen und Verbände in einem jetzt veröffentlichten offenen Brief an die Bundesregierung. Initiatoren sind das Zukunftsforum Familie, das Bundesforum Männer, die evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie, der SKM-Bundesverband sowie der Verband alleinerziehender Mütter und Väter.

Die Unterzeichner betonen, dass die bezahlte Freistellung die Bindung des zweiten Elternteils zum neugeborenen Kind stärke und eine aktive Rolle der Väter bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder von Anfang an unterstütze. Für die evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie würde mit der Einführung der Familienstartzeit oder auch Väterzeit ein notwendiges Signal an die Gesellschaft gesendet: „Mit der Geburt eines Kindes sind beide Eltern für den Familienalltag zuständig und das kann dann auch bei beiden dazu führen, dass die Erwerbsarbeit phasenweise zurückstehen muss.“

Familienstartzeit nicht nur für Elternteile

Doch die Familienstartzeit würde nicht nur für Elternteile gelten. Auch Alleinerziehende könnten in Zukunft eine Bezugsperson angeben, die von einer Freistellung Gebrauch machen könnte. „Uns ist die Einführung der Familienstartzeit wichtig, da wir als Alleinerziehende erleben, wie bedeutsam es ist, bereits mit der Familiengründung die Weichen für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu stellen“, sagt Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter.

Neben den verschiedenen Interessensverbänden wurde der offene Brief auch von Unternehmen unterzeichnet, die die Familienstartzeit teilweise schon von sich aus eingeführt haben. Wie zum Beispiel Henkel: „Wir unterstützen den offenen Brief, da die Familienstartzeit ein wichtiger Schritt ist, um frühzeitig eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit für beide Elternteile zu fördern“, heißt es aus dem Unternehmen. Seit 2024 stockt der Konzern das gesetzliche Elterngeld auf das volle Gehalt auf, unabhängig vom Geschlecht.

Auch die Funke Mediengruppe gehört zu den Unterstützern des Briefs. Dort gibt es für den zweiten Elternteil bis zu zehn Tage Sonderurlaub innerhalb der ersten sechs Wochen nach Geburt des Kindes. „Wir haben die Familienstartzeit eingeführt, weil wir damit viel erreichen in puncto Vereinbarkeit und was das Aufbrechen von Stereotypen betrifft. Care-Arbeit kennt kein Geschlecht“, unterstreicht Yvonne Weiß, Chief Culture Officer der Funke Mediengruppe.

Vaterschaftsurlaub gegen den Fachkräftemangel

Für die Unterzeichner des Briefs könnte die Familienstartzeit zudem einen positiven Einfluss auf den Fachkräftemangel haben. Eine ausgeglichenere Verteilung der Care-Arbeit könne die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen und sich somit positiv auf das Arbeitsangebot auswirken. Gerade in Bereichen wie der Pflegebranche, in der viele Frauen tätig seien, könne man so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Dementsprechend würde auch der AWO-Bundesverband eine Väterzeit begrüßen: „Wir beschäftigen knapp 250.000 Menschen in diesem Land, von denen 80 Prozent Frauen sind. Die partnerschaftliche Vereinbarkeit zu stärken, wie es die Familienstartzeit will, kann also für uns nur bedeuten, dass auch unsere Beschäftigten und damit unsere Angebote, Einrichtungen und Dienste entlastet werden“, erklärt Michael Groß, Vorsitzender des AWO-Bundesverbands.

Wann die Familienstartzeit Realität wird, steht indes im Moment noch nicht fest. Der Referentenentwurf wurde bereits im März 2023 vom Bundesfamilienministerium geliefert und wird derzeit zwischen den verschiedenen Ressorts abgestimmt, heißt es aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bundesfamilienministerin Lisa Paus unterstützt derweil die Initiative: „Der offene Brief macht deutlich, dass die Familienstartzeit nicht nur für junge Eltern, sondern auch für Unternehmen einen echten Mehrwert schaffen kann: Eine Familienstartzeit ermöglicht es den erwerbstätigen Eltern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und trägt damit langfristig zu einer Sicherung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs bei.“

Frederic Haupt war Volontär der Personalwirtschaft.