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Atypische Beschäftigung – Nachteile im Privatleben

Atypische Beschäftigung - sind die Risiken bewusst?
Bild: © DDRockstar/Fotolia.com
Atypische Beschäftigung – sind die Risiken bewusst?
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Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2012 knapp acht Millionen Menschen atypisch beschäftigt. Nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit von “Normalarbeitsverhältnissen” sind es sogar mehr als 13 Millionen. Sie verdienen meist nicht nur weniger, sondern müssen auch Einbußen im Privatleben in Kauf nehmen. Das geht aus einer Studie des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) in Münster hervor, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde.

Befristete Jobs, Teilzeit und Co – nicht immer freie Wahl

Die Wissenschaftler um die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Irene Gerlach sehen atypische Beschäftigung nicht pauschal als negativ an, betonen aber den zwiespältigen Charakter: Während Arbeitnehmer befristete Stellen und Leiharbeit überwiegend unfreiwillig und mangels alternativer Angebote übernähmen, sehe das bei Teilzeit- oder Minijobs auf den ersten Blick anders aus. Vor allem Frauen entschieden sich häufig bewusst für einen solchen Job, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Allerdings handelt es sich bei näherem Hinsehen doch nicht immer um eine freiwillige Wahl, denn oft steckten strukturelle Zwänge dahinter, etwa fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung oder ein mangelndes Familienbewusstsein in der Arbeitswelt.

Frauen: Als Single in Vollzeit oder verheiratet mit Minijob?

In Partnerschaften hierzulande ist nach wie vor die traditionelle Rollenverteilung weit verbreitet: Nur 38 Prozent der verheirateten Frauen befinden sich in einem Normalarbeitsverhältnis, bei den Männern sind es 59 Prozent. Für Frauen ist es offenbar schwieriger, Ehe, Familie und Vollzeitjob zu leben, so dass Teilzeit- oder Minijobs vor allem ihre Domäne bleiben. Wer einem solchen Job nachgeht, investiert am meisten Zeit in die Betreuung von Kindern – im Schnitt zwischen gut sieben und mehr als elf Stunden pro Werktag, wenn das jüngste Kind unter drei Jahre alt ist. Am wenigsten Zeit für die Kinderbetreuung bringen Berufstätige in Normalarbeitsverhältnissen – eine Gruppe mit besonders hohem Männeranteil – auf: 2,7 Stunden pro Werktag.

Teilzeitbeschäftigte sind abhängiger, nicht nur vom Partner

Während normalbeschäftigte Männer zumeist eine Partnerin im Hintergrund haben, die ihnen den Rücken für das berufliche Engagement freihält,

sind Frauen mit regulärem Job mehrheitlich ledig, kommentieren die Autoren die Studienergebnisse. Doch wer seine Arbeitszeit zugunsten der Familie reduziert, sei abhängiger vom Partner und damit im Falle einer Trennung schlechter abgesichert. Außerdem zeigen die Untersuchungen, dass atypisch beschäftigte Frauen in erhöhtem Maße finanzielle Unterstützung von Familienmitgliedern außerhalb des Haushalts erhalten.

Unverheiratete Paare mit atypischer Beschäftigung trennen sich eher

Zudem scheint atypische Beschäftigung die Partnerschaft zu belasten, so die Studie: Nicht verheiratete Paare trennen sich deutlich häufiger, wenn ein Partner in Leiharbeit beschäftigt ist oder wenn beide Partner atypische Jobs haben. Bei Verheirateten ist dieser Effekt nicht zu beobachten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der höhere Institutionalisierungsgrad von Ehen für einen stärkeren Zusammenhalt bei beruflichen Belastungen sorgt.

Risiken: Altersarmut, schlechte soziale Integration und Folgekosten für die Gesellschaft

Die Wissenschaftler des FFP mahnen an, dass atypische Beschäftigungsformen aufgrund der geringeren Erwerbsbeteiligung, diskontinuierlicher Erwerbsbiographien und des tendenziell geringeren Einkommens das Risiko von Altersarmut erhöhen. Darüber hinaus könne die höhere Trennungsrate im Zusammenhang mit Leiharbeit die soziale Integration von Beschäftigten schwächen. Das führe neben den individuellen Problemen auch zu volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Folgekosten, die gerade in einer alternden Gesellschaft nicht unterschätzt werden dürften.

Mehr Aufklärung und Ausbau der Kinderbetreuung für Normalbeschäftigte

Angesichts der Risiken sollten Politik und Recht stärker als bisher echte Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Beschäftigungsformen schaffen, so die Forscher. Dazu gehöre sowohl eine bessere Aufklärung der Arbeitnehmer über die ökonomischen Risiken bestimmter Jobs als auch die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch im Normalarbeitsverhältnis, etwa durch den weiteren Ausbau von qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Den Bericht “Die Bedeutung atypischer Beschäftigung für zentrale Lebensbereiche” gibt es > hier als Download.