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Belastungen erkannt, aber nicht gebannt

+++ Die zentralen Abbildungen der Studie finden Sie › in dieser Bilderstrecke +++

Foto: istock, Getty Images
Foto: istock, Getty Images

In den Unternehmen wird einiges unternommen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern. Positiv ist dabei hervorzuheben, dass die Unternehmen mittlerweile versuchen, stärker über Mitarbeiterbefragungen und Gespräche zu erfahren, wo der Schuh drückt. Auch die Tatsache, dass sich immer mehr Unternehmen mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GB Psych) auseinanderzusetzen, ist erfreulich. Es klaffen aber zum Teil erhebliche Lücken. Maßnahmen sind oft Eintagsfliegen, es fehlen Konzepte. Und: BGM wird nur selten mit Change Management in Verbindung gebracht. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie “BGM im Mittelstand 2019/2020”, die die Zeitschrift Personalwirtschaft zusammen mit dem Fürstenberg Institut, der ias-Gruppe und der Techniker Krankenkasse durchgeführt hat.

Bewegungsangebote dominieren

Schaut man auf die Top-Themen im BGM, sind es neben dem Arbeitsschutz vor allem Bewegungs-angebote, von denen Mitarbeiter profitieren. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden von gut 50 Prozent der Befragten angeboten. Das Thema Stressmanagement/Resilienz wird von 45 Prozent der Befragten in den Blick genommen.

Arbeitsverdichtung belastet die Gesundheit

Die Befragten sehen in der zunehmenden Arbeitsverdichtung und in einer schlechten Führungskultur die zentralen Ursachen für psychische Belastungen und Erkrankungen. Gleichzeitig sind 43 Prozent der Studienteilnehmer der Meinung, dass die Arbeitsverdichtung im eigenen Unternehmen nicht besonders beachtet wird.

Die psychische Gefährdungsbeurteilung gewinnt an Bedeutung

55 Prozent der befragten Unternehmen führen eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen (GB Psych) durch. Das sind zwar deutlich mehr im Vergleich zur Vorgänger-Studie 2015 (plus 20 Prozentpunkte), aber gemessen an den gesetzlichen Anforderungen zu wenig. Größere Unternehmen sind hier weiter (72 Prozent führen die Beurteilung durch). Allerdings: Nur 21 Prozent der Unternehmen, die die GB Psych umsetzen, berücksichtigen alle vom Gesetzgeber empfohlenen Prozessschritte.  

Zusammenhang von digitaler Transformation und BGM wird unzureichend erkannt

Organisatorische Veränderungen, Arbeitsplatzunsicherheit, kürzere Innovationszyklen, höhere Lernanforderungen, neue Führungskonzepte – in fast der Hälfte der befragten Unternehmen stellen diese Punkte große Herausforderungen der Digitalisierung dar. Die digitale Transformation wird aber nur selten mit BGM in Verbindung gebracht. In nur 12 Prozent der befragten Unternehmen stellt die Begleitung der digitalen Transformation ein BGM-Ziel dar. Und fast die Hälfte der Befragten sagen, dass BGM bei einer organisatorischen Veränderung im eigenen Unternehmen keine wichtige Rolle spielt.

Immer noch zu viele Eintagsfliegen

Im Mittelstand fehlt zudem die strategische Ausrichtung des BGM. Nur 26 Prozent der befragten Unternehmen haben ein übergreifendes BGM-Konzept. 58 Prozent der Studienteilnehmer sind auch der Meinung, dass viele BGM-Maßnahmen nur Eintagsfliegen sind. Zudem mangelt es an klaren Zuständigkeiten und qualifizierten BGM-Beauftragten.

Zur Studie „BGM im Mittelstand 2019/2020“
Die Studienergebnisse basieren auf einer Online-Befragung, an der 284 Unternehmen teilgenommen haben. Zwei Drittel der Befragten arbeiten in Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. Studienpartner sind das Fürstenberg Institut, die ias-Gruppe und die Techniker Krankenkasse. Marktforschungspartner ist die Lueerssen GmbH.

+++ Die zentralen Abbildungen der Studie finden Sie › in dieser Bilderstrecke +++