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Corona-Krise blockiert angemessene Lohnsteigerungen

Altenpflegerin mit Mundnasenschutz betreut älteren Mann
Personal in der Altenpflege kann nach der Corona-Krise zwar eine höhere Lohnsteigerung erwarten als andere Fachkräfte, das Gehalt bleibt jedoch vergleichsweise niedrig.
Foto: © alex.pin-stock.adobe.com

Die meisten Gehaltsverhandlungen für 2020, auch in Form von Tarifverträgen, waren vor der Krise bereits abgeschlossen. Unternehmen, die noch keine Lohnentscheidungen getroffen hatten, werden sich im restlichen Jahr allerdings vorsichtig verhalten: Für das zweite Halbjahr 2020 rechnet eine Vorausschau von > Gehalt.de mit einer niedrigen Lohnsteigerungsrate von lediglich 1,6 Prozent. Für 2021 erwarten die Gehaltsexperten schwache Zuwächse von nur 0.3 Prozent für die Gesamtwirtschaft, nachdem die Lohnsteigerungsrate zwischen 2009 und 2019 laut Destatis noch durchschnittlich 2,57 Prozent betragen hatte.

Vergleichsweise hohe Lohnsteigerung bei Pflegekräften, dennoch kein wirklicher Gewinn

In die Prognose hat Gehalt.de speziell auch die Lohnentwicklung von acht Berufsgruppen einbezogen. Danach sind die Aussichten für Pflegekräfte, die in der Corona-Krise oft in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt sind, vergleichsweise gut. Die Lohnexperten erwarten für Personal in der Krankenpflege eine Gehaltssteigerung von 3,1 Prozent, wobei die Tarifbindung eine große Rolle spielt, und in der Altenpflege von 2,6 Prozent. Dennoch lägen die Gehälter in der Krankenpflege mit durchschnittlich 39 700 Euro jährlich und in der Altenpflege mit 33 800 Euro im kommenden Jahr weiter auf einem niedrigen Niveau – da nützt auch der Applaus nichts, der diesen Berufsgruppen kürzlich zuteil gekommen ist. Zum Vergleich: Insgesamt kommen Fachkräfte hierzulande im Schnitt auf rund 41 400 Euro. Bei den Angaben handelt es sich um Bruttojahresgehälter ohne variable Bestandteile.

Erzieher profitieren von hoher Tarifabdeckung

Auch Fachkräfte im Erziehungsbereich bekamen viel medialen Zuspruch, zumal sie in Kindertagesstätten den Notbetrieb garantierten, was wie bei Pflegepersonal zur Forderung nach mehr Gehalt führte. Laut der Analyse erhöht eine hohe Tarifabdeckung zusätzlich die Chancen auf eine flächendeckende Lohnsteigerung. Für Erzieher und Erzieherinnen gehen die Gehaltsexperten von einer zweiprozentigen Erhöhung aus. Damit läge das Jahresgehalt 2021 bei rund 37 100 Euro. Für 2022 wird nur ein Plus von 1,2 Prozent erwartet, was einem Gehalt von 37 500 entspräche. Also liegt auch die Vergütung von Erziehern weiterhin deutlich unter dem Durchschnittshalt der Fachkräfte in Deutschland.

Kassenpersonal, Tourismuskaufleute und KFZ-Mechatroniker – kleine Lohnsteigerung bis Stagnation

Als systemrelevante Berufe gelten auch Kassierer und Kassiererinnen. Sie können allerdings nur einen Lohnzuwachs von 1,7 Prozent erwarten. Für Personal in der von der Krise extrem betroffenen und ohnehin stark konjunkturabhängigen Tourismusbranche sieht es noch schlechter aus: Für Reisekaufleute wird ein Zuwachs von maximal 0,9 Prozent erwartet und für 2021 gehen die Gehaltsexperten von einer Stagnation der Lohnsteigerung aus. Die Automobilindustrie ist von der Krise ebenfalls stark betroffen, unter anderem wegen stillgelegter Autowerke und des rückläufigen Neuwagenexports. Für KFZ-Mechatroniker rechnen die Analysten mit einem Lohnzuwachs von 1,3 Prozenta, das entspricht einem Jahresgehalt 32 900 Euro.

Softwareentwickler stehen vergleichsweise gut da, Marketing-Manager sind stärker konjunkturabhängig

Weniger stark von der Krise gebeutelt, aber dennoch von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betroffen ist die IT-Branche. So können etwa Softwareentwickler diesmal auch nur einen Gehaltszuwachs von 1,7 Prozent erwarten. Das prognostizierte Gehalt für 2021 wäre mit 56 900 Euro allerdings immer noch überdurchschnittlich. Der Beruf von Marketing-Managern ist stark konjunkturabhängig, daher gehen die Gehaltsexperten von einem Gehaltszuwachs in Höhe von 1,1 Prozent aus. Damit würde das durchschnittliche Bruttogehalt bei 45 200 Euro liegen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.