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Der Klima-Faktor für Arbeitgeber

Umweltbewusstsein
Foto:© vectorfusionart / stock.adobe.com

Wer erinnert sich noch daran, dass Ende des vergangenen und auch zu Beginn dieses Jahres die Klimaproblematik eines der bestimmenden Themen in den Medien war? Die “Fridays for Future”-Bewegung hatte es geschafft: Nach langen Jahren der Stagnation schien es der jungen Generation zu gelingen, das Bewusstsein für eine nachhaltigere Lebensweise zu schärfen. Durch die aktuelle Corona-Pandemie ist leider etwas Ruhe rund um dieses wichtige Zukunftsthema eingekehrt, auch und gerade im HR-Umfeld.

Doch die Stille – so die These – wird nicht von Dauer sein. Denn nach wie vor ist deutschen Arbeitnehmern wichtig, wie ihr Unternehmen zu diesem Thema steht. Eine aktuelle Studie der Königsteiner Gruppe zeigt: Kandidaten werden zukünftig eine umweltbewusste Haltung einfordern und mit dem eigenen Werteverständnis abgleichen, bevor sie sich für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden. 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden dazu befragt, wie ihre ökologische Erwartungshaltung im beruflichen Kontext aussieht. Die Ergebnisse in der Gegenüberstellung zeigen, wo die Klima-Reise für Arbeitgeber hingeht:

Umweltbewusstsein ist bewerbungsrelevant

Fakt: Die Haltung ihres Arbeitgebers zum Klimawandel ist für den Großteil der Bewerber relevant. In konkreten Zahlen: Für 13 Prozent ist sie sehr wichtig. Fast die Hälfte (48,6 Prozent) bezeichnet das Thema als wichtig. Egal ist es mehr als einem Viertel (26,5 Prozent). Als eher unwichtig bezeichnen es nur 11,9 Prozent. Diese Einstellung zieht sich durch alle Altersklassen hindurch.

Transfer: Die “Fridays for Future”-Bewegung und ihre Altersstruktur lässt vermuten, dass die Sorge um die Klimaproblematik nur ein Thema für junge Menschen sei. Die Studie zeigt allerdings deutlich, dass sich das Interesse am Thema und das Augenmerk auf nachhaltig agierende Arbeitgeber durch alle Altersklassen und durch alle Branchen zieht. Personalabteilungen sollten das Thema also nicht nur als ein Attraktivitätsmerkmal für junge Bewerber verstehen. Vielmehr ist es ein Wertethema für alle Kandidaten und erfordert so von Arbeitgebern auch eine ganzheitliche Positionierung.

Noch viel zu selten in Stellenanzeigen und auf Karriereseiten

Fakt: Über 60 Prozent aller Befragten sagen, dass Informationen zum Umweltbewusstsein eines Unternehmens in Stellenanzeigen oder auf Karrierewebseiten für sie einen besonderen Anreiz darstellen würden, wenn sie Ausschau nach einem neuen Arbeitgeber halten. Bei den Berufsstartern liegt dieser Anteil gar bei zwei Dritteln. Dem steht allerdings die Rückmeldung von Kandidatenseite gegenüber, dass ihnen das Thema im tatsächlichen Bewerbungsprozess kaum begegnet. Gerade einmal neun Prozent sagen, dass es ihnen in Stellenanzeigen schon mehrfach aufgefallen sei. Satten 57,8 Prozent ist es dagegen noch gar nicht begegnet.

Transfer: Die Wertedimension in Employer-Branding- Kampagnen sollte auch in Zukunft nicht vernachlässigt werden. Kandidaten wünschen sich Informationen zur Haltung ihres potentiellen Arbeitgebers in gesellschaftlichen Fragen – die Klimaproblematik steht dabei aktuell besonders hoch im Kurs. Wer diese in seinen Recruiting- Instrumenten thematisiert, kommt diesem Wunsch nach und differenziert sich vom Einheitsbrei des arbeitgeberseitigen Wettbewerbs.

Fest verankert und trotzdem kein Teil der Employer Brand

Fakt: Viele Unternehmen in Deutschland werden von ihren Mitarbeitern als durchaus umweltbewusst bezeichnet. Etwas mehr als ein Drittel (33,2 Prozent) der Befragten gibt an, dass das Thema Umweltbewusstsein bei seinem aktuellen Arbeitgeber bereits eine große Rolle spielt. Weitere 51,9 Prozent behaupten, dass es dort zumindest beachtet wird. Aktuell keine Rolle spielt es nach Aussage der Befragten in 14,9 Prozent der Unternehmen in Deutschland. Von diesen würde sich allerdings genau die Hälfte wünschen, dass das Thema eine größere Bedeutung einnimmt.

Transfer: Das Umweltbewusstsein ist bereits ein präsentes Thema in deutschen Büros und Fabrikhallen. Und trotzdem bleibt das schon fest verankerte Thema ein Tabu in den Unternehmen – in Vorstellungsgesprächen wird es ebenso wenig angesprochen, wie es in Stellenanzeigen oder auf Karrierewebseiten eine Rolle spielt. Das bedeutet die Verschwendung einer wichtigen Ressource im Recruiting- und Markenbildungsprozess. Denn Arbeitgeber, die ihre Positionierung offensiv thematisieren, punkten. Die Devise sollte lauten, offensiver mit dem Thema umzugehen, da es Kandidaten wichtig ist.

Benefits nachhaltig überdenken

Fakt: Für die eingangs genannten Studienteilnehmer, denen das Thema Umweltbewusstsein wichtig ist, steht das Thema auf der Prioritätenliste überwiegend sogar ganz weit oben. Für mehr als die Hälfte (51 Prozent) von ihnen gehört es zu den wichtigsten drei Anreizen, sich für einen Arbeitgeber zu interessieren. Für sieben von zehn Mitarbeitern ist das Umweltbewusstsein ihres Unternehmens genauso wichtig oder wichtiger als etwa die eigenen Aufstiegschancen.

Transfer: Der Dienstwagen zur freien privaten Nutzung, der Firmen-Laptop oder das Firmen-Handy galten lange als Benefit-Faustpfand für stark umworbene Kandidaten. Gerade diese Zusatzleistungen werden allerdings zunehmend vor einem ökologischen Hintergrund betrachtet. Immer mehr Kandidaten zweifeln, ob beispielsweise ein Firmenwagen mit ihrem ökologischen Fußabdruck vereinbar ist. Auch hierzu sollten Arbeitgeber Alternativen finden, um ein argumentatives Ass im Ärmel zu haben, wenn es zu Vertragsverhandlungen mit interessanten Kandidaten kommt.

Die Chefsache muss auch Chefsache sein

Fakt: Umweltbewusste Unternehmen achten vor allem auf nachhaltige Produktions- und Arbeitsbedingungen (61 Prozent). Auch bei der Auswahl der Partner und Dienstleister liegt der Anteil der Unternehmen, die hier nachhaltige Maßstäbe ansetzen, bei immerhin 44 Prozent. Zudem: Die Hälfte der Vorstände und Mitglieder der Geschäftsführung lebt Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen täglich vor. Unabhängig davon, ob mit diesem Anteil das Glas halb voll oder halb leer ist: In jedem zweiten Unternehmen kann das Thema glaubwürdig als Chefsache vermittelt werden.

Transfer: Die stärkste Arbeitgebermarke ist die, die keine Glitzer-Kampagnen benötigt, um auf dem Kandidatenmarkt Gehör zu finden. Wer authentisch kommuniziert, wie er handelt und mit welcher Haltung er das tut, stellt eine absolut wettbewerbsfähige Employer Brand dar. Geschieht dies, leben es auch Mitarbeiter noch intensiver, und die nachhaltige Arbeitgebermarke profitiert in vielen Bereichen davon. Wer also die “Chefsache Klima” zu einem Thema der Mitarbeitersuche macht, verfügt über ein Argument mehr, mit dem Talente zu überzeugen sind, die sich sonst vielleicht für den Wettbewerb entscheiden.

Fazit: Auch wenn das Jahr bisher verständlicherweise davon geprägt war, wie sich Arbeitgeber mit der Corona- Krise arrangieren und wie sie heute schon die Zeit danach planen, haben die Bewerber selbst auch andere Themen auf dem Schirm. Die Klimaproblematik gehört definitiv dazu. Hier werden Arbeitgeber schon bald wieder klare Kante zeigen müssen. Sie werden daran gemessen werden, wie nachhaltig sie täglich agieren. Wer sich in diesem Sinne schon heute auf morgen einstellt, könnte das Vertrauen der Kandidaten schon dann gewinnen, wenn die anderen noch darum ringen.

Über die Studie
Für die repräsentative studie befragte die Königsteiner Gruppe im April
2020 bundesweit 3000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus
unterschiedlichen Branchen zur Bedeutung des arbeitgeberseitigen
Umweltbewusstseins bei der Job- und Arbeitgeberwahl. Alle
studienteilnehmer befanden sich zum damaligen Zeitpunkt in einem
Beschäftigungsverhältnis und verfügten über eine abgeschlossene
Berufsausbildung.


Bilderstrecke

Wie sieht das Umweltbewusstsein in Unternehmen aus? Hier einige wichtige Ergebnisse einer Studie der Königsteiner Gruppe.

Quelle: Königsteiner, 2020

Umweltbewusstsein durch alle Branchen hindurch – natürlich führend: die Energie- und Umweltindustrie.

Abbildung: Königsteiner Gruppe

Fast drei Viertel aller Arbeitgeber achten auf nachhaltige Arbeitsbedingungen – etwas zurückhaltender wird es allerdings bei der Auswahl der Kunden.

Quelle: Königsteiner, 2020

Für mehr als die Hälfte ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Auswahlkriterium – durch alle Altersklassen hindurch.

Quelle: Königsteiner, 2020

Mehr Kommunikation, bitte. Kandidaten wünschen sich mehr Informationen rund um das Umweltbewusstsein von Arbeitgebern.

Quelle: Königsteiner, 2020

Ökologischer Fußabdruck versus Firmenwagen – mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer würden gegebenenfalls auf den Wagen verzichten.