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Dienstleistung im Schichtsystem: 70 Prozent gehen krank zur Arbeit

Angestellte im
Dienstleistungssektor treten ihre Schicht mitunter auch angeschlagen an, können
sich von ihrem stressigen Arbeitsumfeld nicht erholen und verpassen zu allem
Überfluss wichtige Familienereignisse. Wozu ein unflexibles Schichtsystem alles
führt, zeigt eine Studie.

Angestellte in Pflegeberufen sind einem stressigen Arbeitsumfeld ausgesetzt.
Angestellte in Pflegeberufen sind einem stressigen Arbeitsumfeld ausgesetzt. (Foto: pikselstock – stock.adobe.com)

Wer im Einzelhandel, der Pflege, Logistik oder im Hotel- und
Gastgewerbe arbeitet, hat oft ein ungesundes Arbeitsumfeld. Dies wurde gerade
in der Corona-Pandemie deutlich. Mit der internationalen Studie “State of the
Deskless Workforce” hat das IT-Unternehmen Quinyx die Lage dieser Angestellten
im Dienstleistungssektor beleuchtet. Zu den “Deskless Workers” zählen die
Studienmacher all jene Angestellte, die im Dienstleistungssektor tätig sind,
aber nicht im Büro. Befragt wurden von März bis Mai 2021 mehr als 10.000 solcher
Angestellten in zehn verschiedenen Ländern, darunter auch Deutschland mit 1.500
Umfrageteilnehmern.

Grundsätzlich empfinden in allen untersuchten Ländern die
Befragten ihre Jobsituation mitunter als belastend. Es gibt aber Unterschiede.
Denn bei der Frage, wie viele Befragte auch krank zur Arbeit gehen, steht
Deutschland mit fast 70 Prozent an der unrühmlichen Spitze. Zum Vergleich: Der
internationale Durchschnitt liegt bei 52 Prozent. Vor allem im Gesundheits- und
Pflegesektor sowie im Einzelhandel kann man sich hierzulande offenbar keine
Abwesenheit leisten. Das zeigt sich auch bei einer weiteren Frage: Jeder zweite
Angestellte in der deutschen Dienstleistungsbranche berichtet von Problemen aufgrund
von Unterbesetzung. Diese führt nicht nur zu längeren Wartezeiten für Kunden
oder zu einem schlechteren Service. 85 Prozent sagen, dass die Unterbesetzung auch
zu einem stressigeren Arbeitsumfeld geführt hat: Pausen können oft nicht
eingehalten werden und zwischen den Schichten liegt zu wenig Zeit.

Keine Flexibilität
für Privatleben in der Dienstleistungsbranche

Bei der Arbeit in einem Schichtsystem, ohne feste
Arbeitszeiten und zu Zeiten, zu denen andere Feierabend oder Wochenende haben,
kann es aus persönlichen Gründen zu Änderungswünschen kommen, zum Beispiel
aufgrund von Hochzeiten, Geburten oder Beerdigungen. Doch jeder zweite deutsche
Beschäftige denkt, dass entsprechende Anfragen an die Vorgesetzten negativ
angesehen werden und fühlt sich nicht wohl dabei, mit diesen darüber zu
sprechen. 40 Prozent haben solche wichtigen Familienereignisse schon versäumt.

Die Hälfte aller Befragten können eine Schicht mit Kollegen
gar nicht tauschen, weil sie keinen Zugriff auf ein Tool oder eine mobile App
haben, um dies zu tun. Also wird der Vorgesetzte angerufen, um Ersatz zu finden.
Umgekehrt werden 87 Prozent der Befragten auch außerhalb der Arbeitszeit von
Vorgesetzten kontaktiert. Jeder Dritte berichtet sogar davon, dass schon einmal
gar kein Ersatz gefunden wurde – oder die Vertretung vergaß, die Schicht zu
übernehmen. “Dieses Übermaß beeinträchtigt die Qualität der privaten Zeit und
könnte für Unternehmen sogar zu Compliance-Problemen führen”, schreiben die
Studienmacher zu diesen Zahlen.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.