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Diversity: Viele haben kein Problem mit LGBT-Kollegen – manche aber schon

Regenbogen auf Papier.
Bild: Liubov/Adobe Stock

Rund vier von fünf Beschäftigten in Deutschland haben nach eigenen Angaben keine oder wenige Probleme damit, mit Homo-, Bi- oder Asexuellen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten; für Transsexualität liegt der Wert mit 72 Prozent etwas niedriger. Das zeigt eine Umfrage der Jobbörse Indeed und des Meinungsforschungsinstituts Yougov unter mehr als 1000 Erwerbstätigen in Deutschland. Zwischen 9 (Asexualität) und 17 Prozent (Transsexualität) der Befragten gaben dabei an, ein Problem mit LGBT-Kollegen zu haben – Männer deutlich häufiger als Frauen, Menschen unter 25 Jahren seltener als der Rest der Befragten.

Bei solchen Zahlen ist es wenig überraschend, dass sich auch ein signifikanter Anteil der Befragten nach eigener Einschätzung geouteten Kolleginnen und Kollegen gegenüber nicht anders verhalten würde (43 Prozent); 45 Prozent sagen zudem, dass sie eine aufgrund der sexuellen Orientierung oder Identität diskriminierte Person öffentlich verteidigen würden.

Hohe “Dunkelziffer”

Gleichzeitig berichten 14 Prozent der Befragten davon, dass sie schon einmal Zeuge oder Opfer von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität oder Orientierung wurden. Die “Dunkelziffer” dürfte dabei hoch sein, ist es für außenstehende doch oft schwer, subtile Formen von Diskriminierung und Benachteiligung wahrzunehmen. So berichten in anderen Studien rund 30 Prozent der Homo-, Bi- und Transsexuellen, schon einmal Opfer von Diskriminierung am Arbeitsplatz geworden zu sein.

Dazu kommt: Jeder vierte Befragte gab in der Yougov-Umfrage an, gar keine Kollegen zu kennen, die aufgrund ihrer Sexualität diskriminiert werden könnten – was statistisch relativ unwahrscheinlich ist. Ein möglicher Grund: Die Beschäftigten haben Angst vor einem Coming-out.

Dass das in einigen Fällen nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigen nicht nur die >Diskriminierungserfahrungen, sondern auch eine weitere Frage in der Studie. Denn lediglich gut die Hälfte der Befragten glaubt, dass es für Beschäftigte, die transgender sind, Akzeptanz an ihrem Arbeitsplatz gäbe. Für A-, Bi- und Homosexualität sind die Werte hier zwar höher, aber liegen weiterhin konstant unter zwei Dritteln der Befragten.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Was die Akzeptanz von LGBT-Kolleginnen und -Kollegen angeht, scheint es also einen Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zu geben. Und so überrascht es nicht, dass immerhin jeder sechste Befragte der Aussage zustimmt, dass sich der eigene Arbeitgeber zwar oberflächlich tolerant gibt, aber in Wahrheit aus einem Coming-out Nachteile erwachsen.

Dass das nicht nur für die Betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter problematisch ist, ergänzt Matthias Weber. Der Vorstand des Völklinger Kreises, eines Netzwerkes homosexueller Führungskräfte und Selbstständiger, nennt im Rahmen unserer Print-Titelgeschichte sogar Zahlen: “Man schätzt, dass Menschen, die ihre sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz verstecken, rund 20 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit verlieren”.

Indeed und Yougov  befragten für die Studie 1027 Erwerbstätige. Erhoben wurden die Daten zwischen dem 5. und 8. März 2021. Den offiziellen Studienbericht lesen Sie hier.

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.