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Expats und internationale Fachkräfte in Deutschland vermissen Unterstützung

Mann mit asiatischem Außeren kauert mit gesenktem Kopf in der Ecke eines leeren Raums
Einsam und fremd in der deutschen Kultur fühlen sich viele nach Deutschland entsandte Mitarbeiter.
Foto: © polkadot/StockAdobe

Ihnen fällt es schwerer als anderswo, sich einzugewöhnen und Freundschaften zu schließen, wie eine Studie zeigt.

Internationale Fachkräfte erhalten in Deutschland deutlich weniger Unterstützung vom Arbeitgeber als Mitarbeiter auf Auslandsentsendung: Während 81 Prozent der ins Ausland entsandten Mitarbeiter Hilfe beim Umzug angeboten wurde, profitierten nur 38 Prozent der internationalen Fachkräfte von einem solchen Angebot. Im weltweiten Vergleich mangelt es jedoch beiden Gruppen an praktischer Unterstützung. Das geht aus der Studie “Expat Insider Business Edition Country Focus” von > Internations hervor. Der bisher unveröffentlichte Report ist eine Ergänzung der Expat Insider Studie von 2018, an der mehr als 18 000 Expats teilnahmen. Der aktuelle Report konzentriert sich auf entsandte Mitarbeiter sowie internationale Fachkräfte und den Lebenspartnern beider Gruppen in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong, den Niederlanden, der Schweiz, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Expats erhalten mehr Arbeitgeberleistungen als ausländische Fachkräfte

Während 61 Prozent der Mitarbeiter auf Auslandsentsendung Pauschalbeträge gezahlt bekommen, sind es bei den internationalen Fachkräften mit 33 Prozent fast nur halb so viele. Expats erhalten auch öfter Informationen zum Leben im Ausland (45 Prozent) als ihre aus dem Ausland rekrutierten Kollegen (37 Prozent). Auch bei der Unterstützung der Ehepartner gibt es deutliche Unterschiede (32 versus 13 Prozent). In Sachen Sprachkurse liegt Deutschland bei den Arbeitgeberleistungen allerdings vorn: Jede zweite Fachkraft aus dem Ausland bekommt Sprachkurse; im weltweiten Durchschnitt profitiert nur gut jeder Vierte davon. Aber auch vom Sprachunterricht profitieren die entsandten Mitarbeiter häufiger: In Deutschland wird 59 Prozent der Befragten Sprachunterricht angeboten; im globalen Schnitt trifft dies auf 37 Prozent zu.

Jedem Zweite fehlen Informationen zum Leben in Deutschland

Obwohl nach Deutschland entsandte Mitarbeiter mehr Hilfen seitens der Unternehmen erfahren als internationale Fachkräfte, finden beide Gruppen die Maßnahmen nicht als ausreichend. So erhielten 43 Prozent der in Deutschland tätigen Expats und 48 Prozent der hier arbeitenden ausländischen Fachkräfte keine Informationen zum Leben vor Ort, hätten sich diese aber gewünscht. 49 Prozent der Expats und 54 Prozent des internationalen Fachpersonals vermissten ein interkulturelles Training.

Networking-Angebote sind hierzulande Mangelware

Von beiden Gruppen gaben gut zwei Drittel (68 Prozent) an, dass sie keinen Zugang zu Networking-Angeboten erhalten hatten, ihn aber gern gehabt hätten. Unter den internationalen Fachkräften ist dies global der höchste Anteil. Außerdem hätten sich 69 Prozent der Fachkräfte aus dem Ausland und 74 Prozent der nach Deutschland entsandten Mitarbeiter die Mitgliedschaft in einer Organisation speziell für Expats gewünscht – dieses Bedürfnis ist nur bei Expats in Hong Kong größer (79 Prozent). Tatsächlich erhielten hierzulande nur acht Prozent der ersten Gruppe (weltweit 17 Prozent) und vier Prozent der zweiten Gruppe (global acht Prozent) ein solches Angebot.

Sechs von zehn Expats fällt es schwer, in Deutschland Freunde zu finden

Die Eingewöhnung in Deutschland fällt Mitarbeitern aus dem Ausland besonders schwer: 44 Prozent der internationalen Fachkräfte fühlen sich in der deutschen Kultur nicht zu Hause. Das ist der höchste Anteil unter allen Ländern der Studie; im weltweiten Schnitt geben dies 30 Prozent an. 60 Prozent der internationalen Fachkräfte und 57 Prozent der Mitarbeiter auf Auslandsentsendung empfinden es als schwierig (gegenüber 43 Prozent und 41 Prozent weltweit), Freunde unter den Einheimischen zu finden. Im Durchschnitt aller Länder sagten dies 43 Prozent und 41 Prozent. Nur in der Schweiz fällt es den befragten ausländischen Fachkräften noch schwerer (66 Prozent), Freundschaft mit der Bevölkerung zu schließen. Vermutlich wegen der sozialen Einbindung, so die Studie, sind die zugereisten Mitarbeiter hierzulande weniger glücklich mit ihrem Leben als in anderen Staaten. Zwar gaben immerhin rund zwei Drittel (65 Prozent) an, in Deutschland allgemein zufrieden sein, im globalen Schnitt sind es jedoch 71 Prozent. Am höchsten ist der Anteil in den Niederlanden mit 84 Prozent, gefolgt von den USA (78 Prozent), China (76 Prozent), Frankreich (74 Prozent), der Schweiz (72 Prozent) und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Trotz ähnlicher Probleme mit der Eingewöhnung sind nach Deutschland entsandte Mitarbeiter mit 79 Prozent (weltweit 80 Prozent) zufriedener als die hier arbeitenden Fachkräfte aus dem Ausland. Einer der Gründe dafür könnte laut Studie sein, dass den Expats mehr praktische Unterstützung geboten wird. Auch deren Lebenspartner erhalten häufiger als internationale Fachkräfte Arbeitgeberleistungen wie Hilfe beim Umzug oder Pauschalbeträge.

Die Niederländer machen vor, wie’s geht

Die Niederlande fallen ja öfter positiv aus dem Rahmen, so auch beim Umgang mit ihren ausländischen Arbeitskräften und Expats. Dort sind nicht nur die ausländischen Fachkräfte, sondern auch die entsandten Mitarbeiter (86 Prozent) mit ihrem Leben am zufriedensten. Von der ersten Gruppe fällt 74 Prozent und von der zweiten 80 Prozent die Eingewöhnung im fremden Land leicht – der höchste Anteil unter allen untersuchten Ländern. Die Mitarbeiter erhalten die meisten praktischen und persönlichen Hilfen und überdurchschnittlich häufig Gelegenheit zum sozialen Austausch sowie Zugang zu Networking-Angeboten vor Ort oder zu Expat-Netzwerken.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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