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Frauen bringt die Krise mehr Nachteile

Frau im Homeoffice wird bei der Arbeit durch Kinder gestört
Im Homeoffice während der Lockdowns übernehmen zumeist die Frauen die Kinderbetreuung. Foto: © famveldman-stock.adobe.com

Im Auftrag der > Hans-Böckler-Stiftung wurden im November erneut rund 6100 Erwerbstätige und Arbeitsuchende befragt, die auch im April und im Juni schon befragt worden waren. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen vor der Krise im Schnitt 35 Wochenstunden einem bezahlten Job nachgingen, fünf Stunden weniger als Männer. Im April arbeiteten Männer 34 und Frauen 28 Stunden; auch im November betrug der Unterschied noch sechs Stunden: Männer wiesen 38 und Frauen 32 Wochenstunden nach. Bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern waren die Abstände zwischen den Geschlechtern deutlich größer: Vor der Krise arbeiteten die Männer durchschnittlich 41 und die Frauen wegen weitverbreiteter Teilzeit nur 31 Stunden. Im April sanken die Arbeitszeiten auf 36 und 24 Stunden, somit erhöhte sich die geschlechtsspezifische Differenz von zehn auf zwölf Stunden. Im Oktober waren die Männer 39 Stunden wöchentlich mit Erwerbsarbeit beschäftigt, die Frauen 28 Stunden, damit lag die Differenz bei elf Stunden.

Frauen leisten neben dem Job zumeist den größten Teil der Sorgearbeit

Dass sich die zusätzliche Lücke im Herbst nicht wieder geschlossen hat, könne, so das Institut, auch damit zusammenhängen, dass im November während des “Lockdowns Light” lediglich 14 Prozent aller befragten Erwerbstätigen im Homeoffice gearbeitet haben, während es im April mit 27 Prozent fast doppelt so viele waren. Die Hauptursache für den gestiegenen Abstand dürfte jedoch sein, dass Frauen mehr zusätzliche Sorgearbeit übernommen haben, etwa in der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen, und dafür im Beruf kürzertreten mussten. Im November gaben zwei Drittel (66 Prozent) der befragten erwerbstätigen Mütter in einer Partnerschaft an, den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Gut ein Viertel (27 Prozent) sagte, die Sorgearbeit sei gleich verteilt, und nur bei sieben Prozent übernahm hauptsächlich der Mann diese Aufgaben.

Generell bringt die Corona-Krise für Familien große Herausforderungen,

sagt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch, die auch Professorin für gesellschaftliche Transformation an der Universität Paderborn ist. 65 Prozent der Befragten mit betreuungsbedürftigen Kindern im Haushalt empfänden ihre familiäre Situation als belastend; bei den Alleinerziehenden sind es sogar 71 Prozent.

Männer profitieren öfter von aufgestocktem Kurzarbeitergeld über das gesetzlich vorgesehene Niveau hinaus

Von Kurzarbeit waren im November Frauen (acht Prozent) und Männer (sieben Prozent) fast gleichermaßen betroffen. Allerdings wirkt sich die Kurzarbeit finanziell je nach Geschlecht unterschiedlich aus – nicht nur, weil Frauen im Mittel niedrigere Einkommen haben: Die weiblichen Befragten erhielten auch seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes über das gesetzlich vorgesehene Niveau hinaus. Von den Männern profitierten davon im November 46 Prozent gegenüber nur 36 Prozent der Kurzarbeiterinnen. Ein möglicher Grund dafür sei, so Kohlrauschs, dass Frauen seltener nach Tarifvertrag bezahlt werden, was sich deutlich auf die Höhe des Kurzarbeitergelds auswirke. Überdies spiele es eine Rolle, dass Frauen seltener in Gewerkschaften organisiert sind. Von den befragten Gewerkschaftsmitgliedern erhielten rund zwei Drittel (65 Prozent) ein aufgestocktes Kurzarbeitergeld, während dies bei Nicht-Mitgliedern lediglich für ein Drittel (34 Prozent) zutrifft.

Befürchtung: Der aktuelle Lockdown bringt Frauen noch mehr finanzielle Nachteile

Kohlrausch vermutet, dass sich der Rückstand bei der bezahlten Arbeitszeit durch den aktuell verschärften Lockdown noch einmal vergrößert. Durch die verlängerten Weihnachtsferien von Schulen und Kitas entstehe erneut erheblicher zusätzlicher Betreuungsbedarf. Dazu komme, dass mit dem Einzelhandel eine Branche mit vielen weiblichen Beschäftigten stark von Schließungen betroffen ist. Daher könnten jetzt mehr Frauen als Männer in Kurzarbeit wechseln, was Frauen oft noch empfindlichere finanzielle Einbußen bringe.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.