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Führungskräfte stärker gefährdet

Weibliche Führungskräfte sind noch häufiger von Depressionen betroffen als ihre männlichen Kollegen.
Foto: © Andrey Popov/Fotolia.de
Weibliche Führungskräfte sind noch häufiger von Depressionen betroffen als ihre männlichen Kollegen.
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Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle, wenn es um die Förderung der Mitarbeitergesundheit geht. Die Gesundheit der Manager selbst wurde bisher aber kaum untersucht. Eine Studie hat nun schwerpunktmäßig die Verbreitung psychischer Beeinträchtigungen bei Führungskräften unter die Lupe genommen.

Depressivität, Burnout-Symptome und kurzfristige Befindlichkeitsstörungen – wie sieht es mit diesen psychischen Leiden bei Führungskräften aus? Im Vergleich zur allgemeinen Erwerbsbevölkerung nehmen Führungskräfte depressive Symptome bei sich überdurchschnittlich häufig wahr. Auch die emotionale Erschöpfung ist bei ihnen im Schnitt höher ausgeprägt als in anderen Berufsgruppen. Kurzfristige Beeinträchtigungen sind dagegen unauffällig.

Weibliche Führungskräfte sind häufiger von depressiven Symptomen und emotionaler Erschöpfung betroffen als männliche. Darüber hinaus sind diese Beeinträchtigungen in den unteren Führungsebenen häufiger anzutreffen als im gehobenen Management. Das sind Ergebnisse der Studie “Psychische Gesundheit von Manager/innen (PsyGeMa)” von Prof. Dr. Andreas Zimber und Stephan Hentrich, M. Sc., Fakultät für Angewandte Psychologie an der SRH Hochschule Heidelberg. An der Befragung nahmen 282 Führungskräfte mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren teil, 54,4 Prozent waren Frauen.

Arbeitsintensität ist Risikofaktor Nummer eins

Die befragten Führungskräfte arbeiten im Schnitt 47 Stunden pro Woche. 43 Prozent gaben an, 48 oder mehr Stunden pro Woche zu arbeiten. Dabei stellt die Arbeitsintensität als die Arbeit, die pro Zeiteinheit zu leisten ist, den mit Abstand größten Belastungsfaktor der Führungskräfte dar, gefolgt von emotionalen Anforderungen, Konflikten zwischen dem Berufs- und Privatleben sowie Rollenkonflikten.

Führungskräfte mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko gaben auffällig häufig an, besonders intensiv arbeiten zu müssen, das heißt viele, zum Teil schwierige Aufgaben in hohem Tempo erledigen zu müssen. Hinzu kommt, dass die Manager häufig zum Überengagement neigen und sich beruflich stark verausgaben.

Belohnung und Spielraum als Schutzfaktoren

Die Studie zeigt auch, dass die Belastungen sich als weniger gesundheitsgefährdend erweisen, wenn bestimmte Schutzfaktoren vorhanden sind. So gibt es einen Zusammenhang zwischen beruflicher Verausgabung und Belohnungen: Führungskräfte, die sich stark verausgaben und wenig Belohnung erhalten, sind besonders gesundheitsgefährdet. Insgesamt erlebten die Befragten hier ein Ungleichgewicht; die Verausgabung war höher als die Belohnung.

Ein weiterer Risiko- oder Schutzfaktor ist der Umfang des Tätigkeitsspielraums. Wenn die Arbeitsintensität hoch ist, der Tätigkeitsspielraum dabei aber gering, werden gesundheitliche Stressfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Burnout wahrscheinlicher. Die befragten Führungskräfte erleben jedoch im Durchschnitt viel Tätigkeitsspielraum.

Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass Führungskräfte, die über ein hohes Selbstwirksamkeitserleben verfügen und Kontrolle über äußere Ereignisse erleben, besser vor Stress und gesundheitlichen Folgen geschützt sind. Daneben spielen persönliche Faktoren wie ein hohes Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität eine Rolle. Auch ein bewusstes Erholungsverhalten half den Befragten, Stress und gesundheitlichen Schäden vorzubeugen.

Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

Die Studie leitet aus den Befragungsergebnissen Forderungen zur Gesundheitsförderung von Führungskräften ab. Danach sollten hohe Arbeitsbelastungen durch intensives Arbeiten unter Zeitdruck nach Möglichkeit reduziert werden. Führungskräfte sollten noch deutlicher auf die Gesundheitsrisiken durch ein starkes berufliches Engagement hingewiesen werden. Dazu bedürfe es einer Unternehmenskultur, die die Ressourcen der Beschäftigten würdigt und Selbstausbeutung vorbeugt. Auch bräuchten Führungskräfte mehr Unterstützung und Feedback von ihren Vorgesetzten und gleichgestellten Kollegen, um Isolation zu vermeiden und mehr Befriedigung bei der Arbeit zu erleben. Die persönlichen Ressourcen der Führungskräfte sollten durch lernförderliche Arbeitsbedingungen sowie durch Fort- und Weiterbildungsangebote erweitert werden. Dabei sollten auch Einstellungen und das persönliche Gesundheitsverhalten der Führungskräfte berücksichtigt werden.

Kooperationspartner der Studie waren die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die United Leaders‘ Association (ULA). Die Mehrheit der Befragten war in Dienstleistungsberufen tätig, zwei Drittel gehörten der mittleren Führungsebene an, jeder fünfte Befragte war Teamleiter, jeder sechste in einer Geschäftsführungs- oder Vorstandsposition.

Der Ergebnisbericht der Studie steht > hier zur Verfügung.