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Arbeit – reiner Broterwerb oder mehr?

Ein Paar sitzt auf der Bank (Rückenansicht) und blickt aufs Meer
Nach einem Lottogewinn den Job aufgeben und nur noch Freizeit haben? Knapp die Hälfte der Deutschen würde das tun, für den Rest ist der Beruf wichtig.
Foto: © .shock/Fotolia.de

Würden Sie nach einem Lottogewinn von einer Million Euro noch arbeiten? 55,6 Prozent der Fachkräfte mit Berufsausbildung sagen “Ja”. Für sie ist Arbeit wichtig, strukturiert den Tag, stärkt das Wohlbefinden. Sie fühlen sich nützlich, der Job erfüllt einen guten Zweck, ist sinnstiftend, für manche auch Berufung, und die Berufstätigen erleben sich als Teil einer Gemeinschaft. Die übrigen 45,4 Prozent allerdings sehen Arbeit einfach als Mittel zum Geldverdienen, wenn nicht als notwendiges Übel, würden ihre Zeit lieber anders verbringen oder finden ihren Job als anstrengend und auf Dauer nicht gesund. Das sind Ergebnisse der Studie “Attraktive Jobs: Was Fachkräfte sich von Arbeitgebern wünschen” von meinestadt.de unter wissenschaftlicher Begleitung der Technischen Universität Kaiserslautern. Für die Untersuchung wurden im Januar dieses Jahres 2078 Fachkräfte mit Berufsausbildung befragt.

Fast die Hälfte fände es sinnvoll, mit der Arbeit etwas bewirken zu können

Alle Studienteilnehmer wurden auch danach gefragt, was für sie eine sinnvolle Tätigkeit wäre, wenn sie durch einen Lottogewinn finanziell abgesichert wären. Für 45,8 Prozent wäre es sinnvoll, wenn sie mit ihrer Arbeit etwas bewirken könnten. 42,7 gaben an, das wäre der Fall, wenn sie Teil eines Teams aus tollen Kollegen wären und 39,7 Prozent hielten es für sinnvoll, wenn sie das, was sie besonders gut können, in ihren Job einbringen könnten.

Ein sicherer Arbeitsplatz ist wichtigste Grundvoraussetzung

Da knapp die Hälfte der Befragten ihre Arbeit primär aus pragmatischen Erwägungen verrichtet, ist es laut Studie für Arbeitgeber entscheidend, neben den Sinnsuchern auch diese Pragmatiker abzuholen. Doch was ist Berufstätigen wichtig? Den Befragten wurden Kriterien vorgegeben, die sie in eine Reihenfolge bringen sollten. Danach steht ein sicherer Arbeitsplatz mit 56,5 Prozent der Nennungen für die nichtakademischen Fachkräfte an erster Stelle, gefolgt von einem guten Arbeitsklima mit 49,6 Prozent. 26,5 Prozent ist ein Job in der Nähe des Wohnorts wichtig. 21,3 Prozent wollen im Beruf keine gesundheitlichen Einschränkungen in Kauf nehmen. Ein überdurchschnittliches Gehalt nannten 17,6 Prozent. Aufstiegschancen im Unternehmen rangieren mit nur 3,4 Prozent auf dem letzten Platz.

Ein unbefristeter Job und pünktliche Gehaltszahlungen geben Sicherheit

Woran machen Fachkräfte Sicherheit fest? Ein unbefristeter Job steht mit 69 Prozent an erster Stelle. Auf Platz zwei rangiert die pünktliche Gehaltszahlung (61,5 Prozent) und die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens nimmt den dritten Platz ein (39,3 Prozent). Das Sicherheitsempfinden unterscheidet sich allerdings je nach Branche und Beruf. Auf ihre konkrete Arbeit bezogen ist die Mehrheit für die Zukunft optimistisch, was ihre persönliche Jobsicherheit betrifft: Insgesamt sind 85,4 Prozent der Studienteilnehmer davon überzeugt, dass ihre Arbeit auch in zehn Jahren noch nachgefragt wird. In der Pflege sind sogar knapp 99 Prozent dieser Meinung.

Schlechtes Arbeitsklima liegt oft an schlechter Führung

Beim Faktor Arbeitsklima, das auf der Rangliste der wichtigsten Jobkriterien nach der Sicherheit folgt, stehen das Gefühl, Teil des Teams zu sein (57,3 Prozent) und die Verlässlichkeit unter Kollegen (44,1 Prozent) vorn. Wird das Arbeitsklima im Team als schlecht bewertet, liegt es bei jedem Zweiten aller Befragten an der fehlenden Wertschätzung für die eigene Arbeit. Dicht dahinter folgen mangelndes Vertrauen zur Führungskraft (44,6 Prozent) und nicht vorhandenes Lob für die Arbeit (37,4 Prozent).

Mitarbeiter wünschen sich mehr Kommunikation und Transparenz

Überhaupt scheint es mit der Führungskompetenz nicht so gut bestellt zu sein, besonders wenn man die offenen Nennungen in der Befragung heranzieht. Offenbar haben die befragten Mitarbeiter einen großen Redebedarf und den Wunsch nach authentischerer Kommunikation. Wenn sie Ihrem Arbeitgeber einen Vorschlag machen könnten, damit sie stärker das Gefühl hätten, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, würden sie sich ehrliche Gespräche, mehr und bessere Kommunikation sowie mehr Offenheit und Transparenz wünschen. Außerdem würden sie es begrüßen, wenn man mehr auf sie eingehen würde, sie mehr Anerkennung erhielten und es einen stärkeren Zusammenhalt geben würde.

Die vollständigen Studienergebnisse können > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.