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Corona-Krise erschwert Integration von Geflüchteten in Job und Ausbildung

Geflüchteter in Gastronomie
Geflüchtete arbeiten häufig in der Gastronomie und sind von der Corona-Krise besonders betroffen. Foto: © Daniel Ernst-stock.adobe.com

Nach eineinhalb Jahren Corona-Krise mit Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hat die DIHK Wirtschaftsorganisationen dazu befragt, wie sich die Integrationsarbeit in den Betrieben geändert hat und welchen Herausforderungen Arbeitgeber und Geflüchtete gegenüberstehen. Danach hakt es vor allem bei den Kennenlernmöglichkeiten und der Kommunikation, aber auch an der technischen Ausstattung.

Am der DIHK-Befragung beteiligten sich 41 Industrie- und Handelskammern, 16 Handwerkskammern und 13 andere Wirtschaftsorganisationen wie Landwirtschaftskammern oder Bildungsträger. Wie ihre Berichte zeigen, mussten sie in der Pandemie nicht wenige Herausforderungen überwinden.

Fehlende Technikausstattung und Unterstützungsmaßnahmen

60 Prozent der Befragten gaben an, dass Arbeitnehmer und Auszubildende mit Fluchthintergrund stärker von den Auswirkungen der Krise betroffen sind als ihre Kollegen. Die größte Herausforderung für Unternehmen in der Krise ist es, dass Arbeitnehmer und Azubis technisch unzureichend für mobiles Arbeiten und Lernen ausgestattet sind und fehlende Laptops sowie schlechte Internetverbindungen in den Gemeinschaftsunterkünften die Kommunikation erschweren. Ein Viertel der Befragten (25 Prozent) machte diese Erfahrung. Jeweils gut ein Fünftel (22 Prozent) beklagt, dass Behörden nur eingeschränkt erreichbar sind und dass die Kontaktaufnahme zu passenden Kandidaten komplizierter geworden ist. Die Berufsorientierung in den Schulen oder in den Sprachkursen ist entfallen, außerdem wurden die allgemeinen Unterstützungsmaßnahmen unterbrochen und stehen nicht mehr als Möglichkeit zum Kennenlernen zur Verfügung.

Unterbrochene Sprachkurse behindern die Integration zusätzlich

Jeder Sechste (16 Prozent) bezeichnete es als Problem, dass die Fortschritte der Mitarbeiter und Azubis beim Spracherwerb eingeschränkt oder unterbrochen wurden. Das wirkt sich nicht nur auf die Alltagskommunikation im Betrieb, sondern auch auf den Lernerfolg in der Berufsschule aus. Als weitere Hindernisse nannten die Studienteilnehmer den erschwerten Bewerbungsprozess für Geflüchtete sowie Schwierigkeiten in der Berufsschule aufgrund von zeitweiser Schließung oder Online-Unterricht (je 14 Prozent). Mangelnde Planungssicherheit für die Betriebe ist für zwölf Prozent ein Hemmschuh, insbesondere in Gastronomie und Tourismus. Außerdem war die Umstellung auf digitale Kommunikation für jedes elfte Unternehmen (neun Prozent) herausfordernd und für vier Prozent stellt die Angst vor einer Infektion aufgrund von Sammelunterkünften ein Problem dar. Für die Geflüchteten kommen aus Sicht der Befragten noch folgende Schwierigkeiten hinzu: die bisherigen Tätigkeitsprofile, beengte Wohnverhältnisse und mangelnde Mobilität.

Geflüchtete häufig in von Lockdowns betroffenen Branchen tätig

Die Integration von Geflüchteten in die Arbeitswelt wird überdies vor allem dadurch erschwert, dass ihre Tätigkeitsprofile besonders stark von der Krise betroffen sind und gerade solche Jobs weggefallen sind. Auch befinden sie sich überdurchschnittlich häufig in geringqualifizierten Tätigkeiten, haben vielfach befristete Verträge und nur eine kurze Zugehörigkeitsdauer im Betrieb. 80 Prozent der Befragten geben an, dass Geflüchtete am häufigsten im Gastgewerbe eingestellt werden, ob als Azubis, Mitarbeiter oder im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung – ausgerechnet in dem Bereich, der von Lockdowns am stärksten betroffen ist. 70 Prozent nannten den Sektor Verkehr und Logistik, jeweils 58 Prozent die Industrie und den Handel, wobei der Handel ebenfalls durch Schließungen oder andere Beschränkungen stark tangiert wurde, und weitere 40 Prozent das Baugewerbe. Die Frage ist, welche Auswirkungen die beschriebenen Mängel langfristig auf die Integration Geflüchteter – nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern allgemein – langfristig haben werden und inwieweit Versäumtes nachgeholt werden kann. Dazu kommt die Ungewissheit darüber, ob und wann die am meisten betroffenen Branchen wieder auf die Beine kommen und neuen Einstellungsbedarf haben werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.