Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Konfliktvermeidung und -lösung: Was tun, damit es im Team nicht kracht?

HR-Werkstatt.

Frage an die HR-Werkstatt: „Wie kann ich Streit und Konflikte im Unternehmen vermeiden beziehungsweise spielerisch lösen?“

Es antwortet: Antonia Jennewein, Konfliktcoach, Mediatorin und Expertin für Konfliktmanagement 

Streit und Konflikte sind heikel und auch höchst unangenehm, vor allem dann, wenn man selbst in einen hineingerät. Sogar als Beobachter von Konflikten fühlen wir uns schon unwohl und überlegen lange, ob wir einschreiten sollten, nicht wahr? Doch tun wir nichts beeinträchtigen diese Konflikte nicht nur dauerhaft unser Wohlbefinden im Team und unsere Leistungsfähigkeit, sondern auch nachhaltig die Verbundenheit und das Vertrauen. Aber wie löst man diese Konflikte oder beugt ihnen vor?

Streit und Konflikte am Arbeitsplatz können ganz unterschiedliche Ursachen und damit auch unterschiedliche Ausprägungen haben.

Dort, wo Menschen aufeinandertreffen, treffen auch unterschiedliche Meinungen, Herangehensweisen, Erfahrungen, Glaubenssätze, Überzeugungen, Erwartungen, Ziele, Stärken und Leidenschaften aufeinander. So können schnell Rollenkonflikte, Wahrnehmungskonflikte und Beziehungskonflikte entstehen. Das Ergebnis ist dann schlechte Stimmung, Leistungsabfall, gestörte Kommunikation, offene Auseinandersetzung bis hin zu Krankmeldungen und Kündigung. Damit diese Auswirkungen nicht eintreten, kann HR wesentlich dazu beitragen, dass die Situation nicht überkocht, sondern das Team näher zusammenrückt und nach einer passenden Lösung sucht:

Regelmäßig Team-Bonding fördern

Menschen, die erfolgreich miteinander arbeiten sollen, brauchen die Möglichkeit, sich miteinander zu verbinden und Vertrauen aufzubauen. Ermöglichen Sie daher regelmäßig, dass Teams sich intensiv über die eigenen Erwartungen, Stärken, Abneigungen und Überzeugungen austauschen, um so die gegenseitige Verbindung und das Vertrauen zueinander zu stärken. Das tiefe Verständnis für das Gegenüber ermöglicht, Streit vorzubeugen. Das Team-Bonding ist nicht nur in der Onboarding-Phase neuer Teammitglieder relevant, sondern auch in etablierten Teams, da Teammitglieder sich durch unterschiedliche Erfahrungen auch immer weiterentwickeln und verändern.

Gestalten Sie das Team-Bonding am besten im Rahmen eines Team-Booster-Workshops, in dem vor allem viel Interaktion stattfindet, die Vertrauen fördert und Kommunikation und Austausch über verschiedene Bedürfnisse in den Vordergrund stellt. Besonders geeignet dafür sind beispielsweise das gemeinsame Gestalten eines Teamlebens über LEGO Serious Play – eine Methode, bei der alle Beteiligten mit LEGO Steinen Modelle bauen und darüber in den Dialog treten –, der Trust Walk in der Natur, bei dem Mitarbeitende mit geschlossenen Augen von Kolleginnen und Kollegen über einen Weg geführt werden, und das Schreiben der gemeinsamen Teamgeschichte. Bei letzterem steht der Prozess im Vordergrund, bei dem das Team ein gemeinsames Storyboard erstellt, wie es sich in bestimmten Situationen verhält, wie Entscheidungen getroffen werden und wie das Teamleben aussehen soll.

Führungs- und Konfliktlösungskompetenz stärken

Hinter jedem Konflikt steckt eine Geschichte, manchmal sogar mehrere Geschichten. Wir Menschen sammeln im Laufe unserer Berufszeit (um nicht zu sagen Lebenszeit) eine Menge (Erfahrungs-)Geschichten. Sie prägen unseren Umgang mit anderen Menschen, egal ob privat oder beruflich. Deshalb ist es wichtig, dass Sie in HR passende Angebote wie zum Beispiel

  •       Führungs- und Konfliktcoaching
  •       Trainings und Seminare zum Thema Konfliktentstehung und -entwicklung
  •       Selbstreflexion ebenso wie
  •       Teamworkshops und Retrospektiven

machen, damit die Mitarbeitenden ihre persönlichen Stressoren, eigenen Bedürfnisse und individuellen Verhaltensmuster im Konflikt reflektieren können, dadurch positive Erfahrungen im Umgang mit Streit und Konflikten machen, Resilienz aufbauen und die eigene Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen zu schärfen. Auf diese Weise sind sie dann in der Lage,

  •       Verhaltensveränderungen und Stimmungen wahrzunehmen
  •       diese Wahrnehmungen anzusprechen
  •       Wünsche und Interessen aller zu erkennen und einzubinden
  •       auftretende Emotionen anzunehmen
  •       die Kommunikation im Team aktiv zu fördern und
  •       Interpretationen und Missverständnissen vorzubeugen

Damit schaffen Sie eine offene und wertschätzende Kultur, in der Probleme und Streitpunkte nicht unter den Teppich gekehrt, sondern aktiv bearbeitet werden.

Nähe schaffen und Interesse zeigen

Damit Sie die Mitarbeitenden im Unternehmen jederzeit lösungsorientiert beraten und ihnen die passende Unterstützung bieten können, ist es wichtig, dass Sie von HR neben der Führungskraft ein zentraler Anlaufpunkt für Menschen im Unternehmen sind, die ein Problem haben. Das ist nicht einfach, denn oft werden Sie als Vertreter des Unternehmens wahrgenommen. Um das zu verhindern, werden Sie aktiv. Laufen Sie durchs Unternehmen und suchen Sie das Gespräch. Hören Sie zu. Zeigen Sie sich interessiert und nahbar. Machen Sie sich sichtbar. Etablieren Sie sich als außenstehender Beobachter, Vertrauensperson und Ratgeber. Bleiben Sie mit den Menschen im offenen und ehrlich interessierten Gespräch. So können Sie nicht nur schnell Unstimmigkeiten und negative Schwingungen wahrnehmen, sondern auch helfen, eigene Lösungswege sichtbar zu machen.

Konfliktlösung im Team spielerisch stärken

Wenn es doch mal kracht im Team, sind Sie als Berater gefragt, denn ein Konflikt belastet die Zusammenarbeit und wirkt sich auf die Motivation und Fluktuation der Mitarbeitenden aus. Sie sollten also eine Toolbox an Möglichkeiten haben, den Konflikt im Team zu bearbeiten. Statt der klassischen Vermittlung durch die Führungskraft können Sie eine professionelle Mediation oder aber einen moderierten und spielerisch gestalteten Konfliktlösungs-Workshop, der den Umgang mit der unangenehmen Situation erleichtert, einsetzen.

Mit Emotion-Karten können beispielsweise Gefühle auch ohne Worte ausgedrückt werden. Sie helfen dem Beteiligten, die eigene Gefühlslage besser zu beschreiben und liefern zudem dem Zuhörer ein Bild zum Abgleich dazu. So lassen sich Falschinterpretationen vermeiden.

Mit Playmobil-Figuren lassen sich Team-Felder aufstellen, ohne dass sich die Beteiligten selbst in Bedrängnis sehen, ihre Position im Team sichtbar zu machen. Mit dem entstehenden Team-Bild gewinnen die Betrachter tiefere Einblicke in die gemeinsame Situation und damit auch in die möglichen Lösungswege.

Mit LEGO-Steinen lassen sich abstrakte Bilder für Gedanken, Ideen und Emotionen gestalten. Jedes Teammitglied baut seine persönliche Vorstellung zu einer zu lösenden Fragestellung. Beim anschließenden Austausch über die Modelle werden die unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen schnell sichtbar und damit besprechbar, auf Augenhöhe und über alle Hierarchieebenen hinweg.

Zusammengefasst sollten Sie als HR Partner fundierte Konfliktkompetenz mitbringen und gleichzeitig nahe genug an Ihren Mitarbeitenden im Business sein, um interpersonelle Probleme rechtzeitig erkennen zu können – bevor Beziehungsbrücken vollständig zusammenbrechen und um sie im Sinne aller zu lösen können.

Autor