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Lebensläufe in HR: „Es ist furchtbar anstrengend schön“

Schon als BWL-Student hatten Sie die Schwerpunkte Personal und Soziologie: Wollten Sie schon immer Personaler werden oder einfach “irgendwas mit Menschen” machen?
Letzteres! Ich konnte immer schon gut mit unterschiedlichen Menschen, und als ich nach dem Abitur ein Jahr lang einfach “nichts” gemacht hatte, kam mir die Idee, Personaler zu werden. Und irgendwann hatte ich dann irgendwo gelesen, dass man die Kunst der Personalwirtschaft erlernen kann, wenn man BWL studiert …

Ein Facebook-User hat sich echauffiert, dass Vice für einen Copywriter “3–5 Jahre Erfahrung in einer namhaften Agentur” voraussetzt. Er erwarte, dass Vice neue Mitarbeiter “morgens vorm Berghain vom Bürgersteig kratzt”. Wo und wie haben die Vice-Kollegen Sie vor Ihrem Einstieg vor gut drei Jahren aufgekratzt?
Die Facebook-Geschichte … das war ein Troll, der Aufmerksamkeit wollte, und die hat er auch bekommen. Bei mir ist das Ganze ziemlich “normal” abgelaufen, ohne spektakuläres Prozedere. Vice hatte eine Anzeige geschaltet, ich habe mich beworben – und mich sehr gefreut, als es geklappt hat.

In der HR-Szene sind Sie unter anderem als Blogger oder Initiator des HR Barcamps und der “Goldenen Runkelrübe” bekannt. Wie gelingt es, all diese Bälle neben dem Job in der Luft zu halten?
Wenn der Beruf auch ein wenig Berufung ist, dann beschäftigt man sich auch gerne in der Freizeit damit – und alles, was Spaß macht, schafft man irgendwie. 2009 fing ich an zu bloggen, und seit einiger Zeit halte ich Vorträge zum Thema Employer Branding. Aus Mangel an spannenden HR-Konferenzen haben Christoph Athanas und ich im Februar 2012 das HR Barcamp aus der Wiege gehoben. Hinzu kam 2014 und 2015 die Verleihung der “Goldenen Runkelrübe” für das schlechteste Personalmarketing des Jahres. Ende 2015 war ich von meinen Hobby-Projekten dann ganz schön geschlaucht und habe mich etwas zurückgenommen. Die Rübe wurde abgeschafft, ich halte weniger Vorträge und gebe weniger Workshops. Aber Neues gibt es trotzdem: etwa die Teilnahme am Recruiter Slam oder die Juryarbeit für den HR Innovation Award 2016.

Sie sind in Köln zur Schule gegangen und FC-Fan. Der Club galt lange als unführbar, doch seit Jörg Schmadtke und Peter Stöger die sportliche Führung innehaben, läuft der Laden. Ein Paradebeispiel langfristig-strategischer Personalarbeit?
Absolut. Endlich herrscht Ausgewogenheit zwischen den Ansprüchen und Zielen in Anbetracht der finanziellen Möglichkeiten. Es gibt kein “Hire and Fire” mehr, sondern man geht einen Schritt nach dem anderen, mit dem Ziel einer langfristig positiven Entwicklung. Das Team ist heute eine ausgewogene Mischung aus jung und erfahren, explosiv und souverän. Hört sich simpel an und ist doch ein Quantensprung zum FC vergangener Jahre.

Sie haben sich quer durch die Berliner Kreativszene gearbeitet. Jetzt sind Sie 42. Wann wird Ihnen das zu anstrengend?
Ich würde sagen, es ist furchtbar anstrengend schön. Ich bin aktuell bei Vice wirklich mehr als glücklich und habe alles, was ich brauche: eine tolle Marke, die sich ständig weiterentwickelt, supergute und nette Kollegen und viel Gestaltungsfreiheit in der HR-Arbeit – was will man mehr?

Haben Sie einen Mentor?
Ein echter HR-Profi und Mentor für mich – auch wenn wir so noch nie darüber gesprochen haben und er sich vielleicht wundert, wenn er das liest – ist Jerome C. Niemeyer, Ex-Personalchef bei Pixelpark. Wann immer ich einen guten Ratgeber gebraucht habe, war er für mich da. Noch dazu ist er ein wunderbarer Mensch. An dieser Stelle sei es erlaubt: Danke, Jerome!

Dieser Beitrag ist in der Personalwirtschaft 02/2017 erschienen. Sie können die Ausgabe › hier im Archiv lesen.