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Loyal bis zum Gerichtstermin …

  Dabei fordern die meisten Führungskräfte Loyalität von ihren Mitarbeitern. Was aber meinen sie? Wer nachforscht, erfährt: Vasallentreue, im Sinne von: “Egal, was ich als Chef mache – die sollen das gut finden.” Illoyale Mitarbeiter stören und werden gefeuert. Natürlich geschehen auch HR-Wunder: Kürzlich erläuterte das “Gesundheitsteam” einer Firma, dass es in seiner Arbeit gegenüber den kranken Mitarbeitern, deren Vorgesetzten, dem Betriebsrat und dem Unternehmen loyal sei. Wow! Vier sich widersprechende Loyalitätsebenen, die alle in Form von flexibel angewendeten “Teil-Loyalitäten” problemfrei abgedeckt werden.

Das ist mehr als paradox, weil Loyalität auf gemeinsamen Werten basiert. Werte hat jeder, auch der Kollege mit dem Werte-Vakuum. Aber identische Werte kann man nicht einfordern. Daher macht L-Training auch keinen Sinn. Blöderweise gibt’s keine “objektive Loyalität”. Beim Thema Compliance bestimmt das geltende Recht den Rahmen. Loyalität hingegen ist ein relativer Begriff: Die Mafia arbeitet außerhalb von geltendem Recht – hat aber Mitarbeiter mit identischen Werten und daher hoher Loyalität.

Das Problem von Führung wird nun deutlich, wenn beispielsweise in einer Abteilung der Typ des “Bungee-Managers” (fliegt ein, bringt alles durcheinander und ist – zack – wieder weg) Loyalität einfordert. Ihm ist das Unternehmen egal – er sieht im Zentrum seinen persönlichen Erfolg. Er denkt schon an seinen nächsten “Level”, an die nächste Firma. Zum KurzfristErfolg benötigt er loyale Mitarbeiter, die mit ihm notfalls das Spektrum von illegal bis scheißegal treu durchwandern – und sich nicht stören an Compliance-Gedöns und Gesetzen.

Bei vielen vor Gericht verhandelten Wirtschaftsskandalen spielen loyale Mitarbeiter eine große Rolle. Mitwisser, die die Schnauze hielten; Wegseher, die mit gelb-schwarz gepunkteter Armbinde auftraten – und immer ein Kadavergehorsam, der von den kriminellen Vorgesetzten als Loyalität genossen wurde. Das L-Wort tritt im Unternehmenstheater oft im Gespann mit dem “L-Konflikt” auf: Was soll ich bloß tun, wenn meine (AbgasMess-)Werte mit denen meines Chefs nicht kompatibel sind? Bin ich illoyal meinem Chef gegenüber, fliege ich raus – bin ich loyal, könnte ich im Knast landen. Bin ich loyal meiner Familie gegenüber, möchte ich weder rausfliegen noch im Knast landen. Da das ganze Whistleblower-Gelaber in Unternehmen oft mehr Fake als Fakt ist, liegt der Ausweg aus diesem Dilemma nur im schnellstmöglichen Firmenwechsel. 

Das zeigt: Loyalität kann ein Paradoxon sein – oder eine
von Hybris gespeiste Management-Hydra, eine potenzielle “oneway
Road to Hell”. HR ist gut beraten, die Problematik des “LWortes”
zu adressieren!

Wie gehen Sie mit dem L-Wort um?
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