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Deutsche pendeln immer weitere Strecken

Fahrräder am Bahnhof, im Hintergrund ein Zug
Die Wegstrecke zum Job wird hierzulande immer länger.
Foto: © Schlierner/Fotolia.de

Im Jahr 2014 hatten 30 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande einen Arbeitsweg von 30 Kilometern. Zwischen 2000 und 2014 ist die durchschnittliche Pendeldistanz von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 8,7 auf 10,5 Kilometer gestiegen – ein Zuwachs von 21 Prozent. Bei Männern liegt die mittlere Entfernung bei 12,5 km, die von Frauen beträgt 8,8 km. Allerdings ist die mittlere Pendeldistanz in diesem Zeitraum bei Frauen mit 26 Prozent stärker gestiegen als bei Männern (18 Prozent). Insgesamt ist der Anteil von Pendlern mit kürzeren Fahrstrecken bis zu zehn Kilometern zum Arbeitsplatz zurückgegangen, während immer mehr Berufstätige Entfernungen zwischen zehn und 50 Kilometern zurückliegen, denn mittlerweile pendeln Arbeitnehmer nicht nur vom Land in die Stadt, sondern auch zwischen städtischen Regionen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Je höher das Bildungsniveau, umso länger der Arbeitsweg

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass einfache Tätigkeiten mit kürzeren Strecken zum Arbeitsplatz verbunden sind – hier liegt der Schnitt bei 9,2 Kilometern. Mit steigendem Anforderungsprofil erhöht sich die Pendeldistanz: Bei qualifizierten Tätigkeiten beträgt die Entfernung zum Job 10.9 Kilometer. Am weitesten mit 18 Kilometern ist die durchschnittliche Strecke für Ingenieure. Arbeitnehmer mit einem Hochschulabschluss pendeln generell am weitesten; sie legen im Mittel 14,5 Kilometer zurück. Bei Mitarbeitern mit niedrigerem Bildungsstand sind die Distanzen etwas kürzer: Für Arbeitnehmer mit Berufsabschluss beträgt die Entfernung 10,5 Kilometer und bei Berufstätigen ohne Abschluss 8,8 Kilometer. Allerdings sind bei Menschen ohne Berufsausbildung die Distanzen im vierzehnjährigen Analysezeitraum um 22 Prozent und bei jenen mit Berufsabschluss um 18 Prozent gestiegen und damit stärker als bei Hochqualifizierten mit sieben Prozent.

Offenbar sei auch für Menschen mit niedrigerem formalem Bildungsniveau zunehmend eine höhere regionale Flexibilität erforderlich, so die IAB-Arbeitsmarktforscher.

Gerade in Großstädten sind die Mieten sehr stark gestiegen, sodass diese Beschäftigten eher in Vororten wohnen und in das Zentrum fahren müssen,

so die Wissenschaftler. Der Kurzbericht zur Studie ist > hier abrufbar.

Jeder zweite Pendler braucht bis zu einer halben Stunde pro Weg

Eine ebenfalls aktuelle Befragung von Stepstone unter Fach- und Führungskräften kommt zu dem Ergebnis, dass jeder zweite Pendler pro Weg bis zu 30 Minuten unterwegs ist. 21 Prozent nehmen eine Fahrtzeit zwischen 30 und 45 Minuten in Kauf und 27 Prozent brauchen sogar mehr als eine dreiviertel Stunde. Laut der Umfrage sind fast zwei Drittel (62 Prozent) der Pendler mit der Dauer ihres Arbeitsweges zufrieden. Jeder zweite Berufspendler hält eine durchschnittliche Fahrtzeit von bis zu einer Stunde pro Strecke für akzeptabel. Der Mobilitätsreport hat auch die Pendeldistanz in den größten Städten untersucht. Danach ist die Fahrzeit in Düsseldorf am längsten. Der Report steht als > Download zur Verfügung.

Pendeln beeinträchtigt Gesundheit und Work Life Balance

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) hat kürzlich das Faktenblatt “Pendeln und gesundheitliche Beschwerden” herausgegeben. Es zeigt auf, dass mit längeren Wegstrecken verschiedene gesundheitliche Beschwerden zunehmen, vor allem Müdigkeit und Erschöpfung. Auch sind Menschen mit zunehmenden Pendelzeiten auch mit ihrer Work Life Balance unzufriedener. Das Faktenblatt gibt es > hier zum Herunterladen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.