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Viele Beschäftigte wollen über psychische Gesundheit sprechen

Virtuelles Kaffeetrinken
Auch eine gemeinsame virtuelle Kaffeepause kann viel für das psychische Wohlbefinden der Beschäftigten tun. (Foto: Andrey Popov – stock.adobe.com)

Die psychische Gesundheit nimmt im betrieblichen Gesundheitsmanagement eine immer größer Rolle ein. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sich immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestresst fühlen und Aufgrund psychischer Belastung ausfallen – zum Beispiel wegen Burnout oder Depressionen. Die Corona Pandemie scheint diesen Trend noch zu verstärken. Denn oft fehlt Mitarbeitenden das soziale Umfeld auf der Arbeit, wenn sie nicht mehr in den Betriebsräumen sondern mobil oder im Homeoffice arbeiten. Auch die Art der Kommunikation und schlechte bis mangelnde Führung steigern beispielsweise das empfundene Stresslevel der Beschäftigten.

Eine repräsentative Umfrage der US-amerikanischen Bildagentur I Stock (Eigenschreibweise: iStock) by Getty Images in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut YouGov, für die weltweit mehr als 10.000 Menschen befragt wurden, zeigt jetzt, dass 89 Prozent der Deutschen finden, dass es wichtig sei, über psychische Gesundheit zu sprechen. Und 43 Prozent der Befragten glauben, dass aufgrund der Corona-Pandemie mehr Fälle von Depressionen diagnostiziert werden. “Für Unternehmen bedeutet das in erster Linie, offen mit dem Thema umzugehen”, sagt Nicola Tope, HR Director Europe bei I Stock.

Lehren aus der Corona-Pandemie

Dabei sollten sich Unternehmen immer vor Augen halten, wie unterschiedlich Menschen auf verschiedene Formen der Kommunikation reagieren, erklärt die Personalerin. I Stock setze deshalb auf einen vielschichtigen Ansatz, um die Mitarbeitenden zum Thema Wohlbefinden zu informieren und aufzuklären: “sei es durch unser 24-Stunden-Hilfsprogramm oder unsere spezielle Ressourcenplattform für Mitarbeitende, aber auch eine Vielzahl interner Kommunikationskanäle wie eine Employee-Experience-Plattform, um sie an die verschiedenen Unterstützungsangebote zu erinnern”, sagt Tope.

Das 24-Stunden-Hilfsprogramm für die weltweit tätigen Mitarbeitenden wird durch verschiedene Drittanbieter betreut. Es sieht eine persönliche Beratung über eine Helpline, oder eine Onlineberatung zu Themen wie Schulden, Finanz- oder Rechtsproblemen und Wohlbefinden vor, die bei Bedarf um persönliche Gespräche ergänzt werden können. Auf der Ressourcenplattform finden die Mitarbeitenden zum Beispiel Informationen über Benefits, Richtlinien und News über die Corona-Pandemie. Kommuniziert werden die Angebote zum Beispiel über das Intranet. Zudem wird jeder neue Mitarbeitende bei Einstellung über das Programm von der für die Person zuständigen HR-Vertretung aufgeklärt.

Kontakt und Austausch fördern

Nicola Tope, HR Director Europe bei I Stock
Nicola Tope, HR Director Europe bei I Stock (Foto: iStock)

Außerdem habe die Bildagentur viel unternommen, um den Kontakt und Austausch zwischen ihren Mitarbeitenden, auch zum Thema psychische Gesundheit, zu fördern. “Bei uns gibt es beispielsweise regelmäßige virtuelle Kaffeetreffen, bei denen Mitarbeitende direkt mit dem HR-Team diskutieren können”, sagt die HR-Verantwortliche. Außerdem habe man Slack-Support-Gruppen eingerichtet, etwa einen Kanal für berufstätige Eltern, in denen sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig Tipps geben und unterstützen können. Diese Initiativen würden auch nach der Pandemie weitergeführt werden, verspricht die Personalerin.

Sie bestätigt: “Die Pandemie hat definitiv dazu angeregt, offener über die eigene psychische Gesundheit zu sprechen. Auch wenn die Situation bei jedem anders ist, ist sie für uns alle mit Stress und Ängsten verbunden.” Diese gemeinsame Erfahrung hätten viele ermutigt, ihr eigenes Befinden anders als früher zu thematisieren.

Beschäftigten ein unterstützendes Umfeld bieten

Wichtig sei, offen über das Thema psychische Gesundheit zu sprechen. “Im HR-Team ermutigen wir Führungskräfte, offen über ihren eigenen Umgang mit seelischen Belastungen zu sprechen.” Mitarbeitende seien dann weniger befangen, wenn sie selbst um Unterstützung bitten müssen, erklärt Tope. Ein flexibles Arbeitsumfeld sei ebenfalls hilfreich, um vor psychischer Belastung zu schützen. Bereits vor der Pandemie hatte I Stock eine Richtlinie, mit der individuelle Zeitpläne direkt mit den Vorgesetzten vereinbart werden konnten. Wenn man die Möglichkeit biete, die Arbeitszeit individuell in den Alltag einzubinden – sei es, später anzufangen, um die Kinder zur Schule zu bringen, oder früher Schluss zu machen, um Verwandte zu pflegen –, trage das sehr zur Stressreduzierung bei und sorgt dafür, dass sich die Mitarbeitenden angemessen unterstützt fühlen.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.