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Studie: Wie gelingt professioneller Personalabbau?

In der Corona-Pandemie müssen Unternehmen immer wieder über
Personalabbau nachdenken. Eine Befragung der OTH Regensburg zeigt jetzt die
Perspektiven von Unternehmen, Betroffenen und verbleibenden Mitarbeitenden, wie
sie sich Personalabbau vorstellen.

Quadrat aus Würfeln.
Foto: fotogestoeber/Adobe Stock

Muss ein Unternehmen Personal abbauen, ist Empathie
ein entscheidender Faktor, zum Beispiel, um die Employer Brand nicht dauerhaft
zu schwächen. Die Arbeitgebermarke wird umso mehr in Mitleidenschaft gezogen,
wird sich um die Sorgen der Betroffenen und der verbleibenden Mitarbeitenden
nicht gekümmert, wie eine Befragung der der OTH Regensburg und der stg –
Newplacement GmbH zeigt. An der Studie “Professioneller
Personalabbau unter Berücksichtigung der Perspektiven aller Beteiligten”, die
uns exklusiv vorliegt, nahmen 192 Vertreterinnen und Vertreter von
Personalabteilungen, Betriebsräte, Führungskräfte, Geschäftsführende,
betroffene Personen und verbleibende Mitarbeitende teil. Die Studie liefert
damit keine Repräsentativität, die Ergebnisse sind zumindest als Trend dennoch
sehr interessant.

Vorgehen beim Personalabbau

Rund die
Hälfte (45 Prozent) der Befragten findet, dass individuell und freiwillig
vereinbare Aufhebungsverträge und Abfindungen der beste Weg sind, um Personal
abzubauen, wenn mehr als fünf Prozent der Belegschaft aus dem Unternehmen
scheiden sollen. 60 Prozent der Befragten empfehlen, den Personalabbau mit
einer Transfergesellschaft oder -agentur zu verbinden. “In der Praxis erleben
wir, dass Beschäftigte leichter eine neue Stelle finden, wenn sie in einer
Gruppe angeleitet werden”, erläutert Alexandra Gilde, geschäftsführende
Gesellschafterin der stg – Newplacement GmbH. Überraschend wirkt hingegen die
präferierte Personalabbaumethode von immerhin 15 Prozent der Befragten vor: Sie
setzen auf Massenentlassungen und betriebsbedingte Kündigungen als bewährtes
Mittel für professionellen Personalabbau.

Balkendiagramm.
Lesebeispiel: 58 Prozent der Befragten aus kleinen Unternehmen geben an, dass sie Mitarbeitende Überstunden abbauen lassen, um Einschnitten in der Stammbelegschaft vorzubeugen. Das ist rund ein Drittel weniger als in großen Unternehmen. Quelle: Studie “Professioneller Personalabbau unter Berücksichtigung der Perspektiven aller Beteiligten”

Personalabbau
vorbeugen

Agieren Unternehmen
umsichtig, können sie einem Personalabbau vorbeugen. Als präferierte Mittel hierfür
geben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, erst Entgeltanpassungen
vorzunehmen, oder Mitarbeitende Überstunden abbauen zu lassen. Hier gibt es
deutliche Unterschiede zwischen den Präferenzen von kleinen und mittelständischen
Unternehmen, die bis zu 500 Mitarbeitende beschäftigen, und Unternehmen mit
mehr Beschäftigten: 19 Prozent der Befragten, die in Unternehmen mit bis zu 500
Mitarbeitenden beschäftigt sind, geben an, dass Entgeltanpassungen beim
Vorbeugen von Personalabbau helfen. Das geben aber nur noch 7 Prozent der
Befragten aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden an. Um Personalabbau
zu umgehen, setzen große Unternehmen eher auf Ruhe- und Vorruhestandsregelungen
(68 Prozent) sowie auf Versetzungen in andere Bereiche (30 Prozent). Kleine
Unternehmen greifen deutlich weniger oft darauf zurück (jeweils 33 und acht Prozent)

Bewährte
Mittel

Ist ein
Personalabbau unumgänglich – und das auch noch bei mehr als 5 Prozent der
Belegschaft – kann man ebenfalls viel falsch und einiges richtig machen. Auch
für diesen Fall wurden die Befragten nach bewährten Instrumenten gefragt. Das
sind ihre Top-drei-Tipps:

  • 69 Prozent
    der Befragten geben an, dass sich das frühzeitige Einbinden des Betriebsrats lohnt.
     
  • 52 Prozent der
    Befragten sagen, dass es hilft, Führungskräfte durch zusätzliche Trainings auf
    Trennungsgespräche und den Change vorzubereiten.
  • Ebenfalls 52
    Prozent der Befragten geben an, dass es einer professionellen externen und
    internen Kommunikation bedarf.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.