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Bessere Performance durch Unternehmenskultur

Unternehmenskultur
Die Unternehmenskultur halten die meisten Firmenlenker für wichtig, einen deutlichen Zusammenhang zum wirtschaftlichen Erfolg sehen sie jedoch nicht. Foto: © Jacob Lund-stock.adobe.com

Eine Untersuchung von > Heidrick Consulting kommt zu dem Schluss, dass CEOs, die Unternehmenskultur mit Strategie verknüpfen, mit ihrer Organisation ein doppelt so hohes Wachstum erzielen wie andere Firmen. Für die Studie “Aligning Culture with the Bottom Line: How Companies Can Accelerate Progress” befragte die Beratungsfirma 200 CEOs aus Unternehmen in neun Ländern, darunter 50 Vorstandsvorsitzende aus Deutschland.

Kultur gehört für CEOs nicht zu den obersten drei Prioritäten

Im Schnitt aller teilnehmenden Länder gaben 82 Prozent der befragten CEOs an, dass sie die Unternehmenskultur in den letzten drei Jahren zu einer Schlüsselpriorität ihrer Tätigkeit gemacht haben. Wenn es um die Treiber geht, die den finanziellen Erfolg des Unternehmens am stärksten beeinflussen, steht allerdings für 51 Prozent und damit die meisten Unternehmenslenker die Strategie auf Platz eins (in Deutschland 48 Prozent). Auf den Rängen zwei und drei folgen Führung mit 39 Prozent (hierzulande 38 Prozent) sowie Prozess und Regeln mit 38 Prozent (in Deutschland 36 Prozent).

Mehr Wachstum durch Investitionen in die Kultur

Die Kultur als Wachstumstreiber rangiert laut den Befragungsergebnissen weiter hinten als die anderen Aspekte. Das Beratungsunternehmen vertritt jedoch die Position, dass sie den wirtschaftlichen Erfolg beschleunigen kann. Um dies zu belegen, wurden die CEOs herausgegriffen, die eine gute Performance mit ihren Investitionen in Unternehmenskultur in Verbindung bringen, und als “Cultural Accelerators” bezeichnet. Laut Studie gibt es im Schnitt der untersuchten Ländern elf Prozent Unternehmen, die Kultur als einen der drei Haupttreiber wirtschaftlicher Performance betrachten; in Deutschland beträgt der Anteil 14 Prozent, lediglich Kanada (16 Prozent) und die USA (18 Prozent) liegen weiter vorn. Laut Jens Vogt, Partner von Heidrick Consulting und für die DACH-Region verantwortlich, konnten diese Unternehmen über drei Jahre ein Wachstum von 9,1 Prozent erreichen gegenüber lediglich 4,4 Prozent der anderen Organisationen.

Diese CEOs sind überzeugt, dass sinnstiftende Führung einen wesentlichen Unterschied ausmachen kann und verknüpfen Kultur direkt mit Strategie,

so Vogt. Solche Unternehmen schafften eine breite Selbstverpflichtung, die Mitarbeiter an die erste Stelle zu setzen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Organisation.

Weitere Ziele: mehr Mitarbeiterengagement und Diversität

Die Studie hat genauer untersucht, inwieweit sich die Firmen in den vergangenen Jahren auf das Thema Kultur fokussiert haben. Von den deutschen Vorstandsvorsitzenden geben 40 Prozent an, ihr Unternehmen habe die Kultur bewusst ins Zentrum gestellt. 42 Prozent sagen, das sei der Fall gewesen und sie hätten diese Arbeit inzwischen abgeschlossen. 14 Prozent haben das Thema nach eigenen Angaben bereits vorher fokussiert, daher sei dies in den letzten drei Jahren nicht nötig gewesen. Als vorrangige Ziele der Fokussierung auf die Kultur nannten 30 Prozent der hiesigen CEOs die Verbesserung der finanziellen Performance, gefolgt von der Erhöhung des Mitarbeiterengagements (28 Prozent) und der Verbesserung von Diversität und Inklusion (26 Prozent).

Welches sind nun die kulturellen Faktoren, von denen sich CEOs die meisten positiven Effekte auf den wirtschaftlichen Erfolg versprechen? Fast die Hälfte der deutschen Vorstandsvorsitzenden (48 Prozent) wählte aus den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten “Richtung und Sinn” aus. 42 Prozent entschieden sich für Agilität, Innovation und eine auf Wachstum ausgerichteten Denkweise und 36 Prozent für den Kunden- und Qualitäts-Fokus.

CEOS müssen Unternehmenskultur vorleben

Die Vorstandsvorsitzenden wurden auch danach gefragt, wie sie ihre eigene Aufgabe sehen, um für eine blühende Unternehmenskultur zu sorgen. Für 38 Prozent ist es am wichtigsten, dass sie diese als CEOs vorleben und damit in die Organisation tragen. 28 Prozent antworteten, sie müssten ihre Belegschaft dazu anhalten, die Kultur zu leben. Weitere 26 Prozent denken, die Mitarbeiter sollten gelobt werden, wenn sie sich daran halten, und 20 Prozent finden es sinnvoll, kulturell erwünschtes Verhalten finanziell zu belohnen. Insgesamt scheinen die Befragten mit der Umsetzung der kulturellen Werte in ihrem Unternehmen zufrieden zu sein: 84 Prozent der deutschen CEOs geben an, dass die Mitarbeiter die Elemente der Kultur auch in der täglichen Arbeit “gänzlich oder in hohem Maße” anwenden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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