Auch wenn beide Elternteile erwerbstätig sind, übernehmen in den meisten Fällen noch immer die Mütter den Großteil der Kinderbetreuung und der Hausarbeit. Das zeigt eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Denn: 68% der weiblichen Befragten gaben an den Großteil der Betreuungsaufgaben zu übernehmen. Befragt wurden 476 Mütter und 693 Väter, die erwerbstätig sind oder arbeitssuchend waren. Die männlichen Befragten berichten hingegen von etwas anderen Verhältnissen in ihren Familien. Von ihnen gaben 54 Prozent an, dass sich Hauptsächlich die Mutter um die Kinder und den Haushalt kümmern würden. Diese Ergebnisse deuten also darauf hin, dass die Verteilung der Aufgaben zu Hause unterschiedlich wahrgenommen wird. Grund dafür könnte laut Prof. Dr. Bettina Kohlrausch Wissenschaftliche Direktorin des WSI sein, dass wenn ein Partner öfter außer Haus ist die Sorgearbeit unsichtbar werden würde.
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Der Gender Pay Gap liegt seit 2020 bei circa 18 Prozent
Solange wie die Care Arbeit noch ungleich verteilt wird, wird sich vermutlich auch nicht viel an der Ungleichbezahlung ändern. Laut einer Studie, durchgeführt von HiBob, gehen 45 Prozent der befragten Frauen davon aus, dass sie schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Generell findet ein Großteil der befragten Frauen in, dass es noch Defizite in der Geschlechtergleichheit in Deutschland gibt. Befragt wurden 1.000 berufstätige Frauen in Deutschland. Das sieht auch die Soziologin Jutta Allmendinger so. Im Interview mit der F.A.Z. geht sie sogar davon aus, dass Frauen heutzutage stärker beansprucht sind als vor 40 Jahren: „Wenn wir Arbeit als die Summe aller produktiven Tätigkeiten ansehen, gleich ob bezahlt oder unbezahlt, so erledigen Frauen heute neben Hausarbeit, Kindererziehung in all ihren Facetten und Pflege der Älteren noch bezahlte Erwerbsarbeit.“
Doch es gab auch erfreuliche Entwicklungen in den vergangenen Jahren, die dem Gender Care und Gender Pay Gap entgegenwirken, wie beispielsweise die Möglichkeit zu mehr flexiblem Arbeiten. 23 Prozent der befragten Frauen sehen laut der HiBob-Befragung im flexiblen Arbeiten eine Möglichkeit, um Familie und Karriere mehr in Einklang zu bringen. Wobei die Möglichkeit zu flexiblem Arbeiten für 22 Prozent der Befragten keinen Unterschied in der Aufteilung der Aufgaben macht.
Politischer Maßnahmen sind gefragt
Generell muss viel mehr ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, um eine gerechte Aufteilung von außerberuflichen Aufgaben zu ermöglichen. Allmendinger schlägt beispielsweise eine Umverteilung der Elternzeit vor: „Frauen können dann ihre Elternzeit etwas reduzieren, Männer diese erhöhen. Gleiches gilt für die Erwerbsarbeitszeit.“ Das WSI bringt zudem das Ausbauen von Betreuungsangeboten ins Spiel, um Familien zu unterstützen und damit letztendlich auch Probleme wie den Gender –Care und Gender –Pay Gap anzugehen. Aber auch in möglichen Maßnahmen wie dem Ausbau von flexiblem Arbeiten, dem Ausbau des ÖPNVs und der Möglichkeit zu weniger Stunden bei gleicher Bezahlung sieht das WSI effektive Maßnahmen, um die Geschlechtergleichheit zu fördern.
Frederic Haupt ist Volontär der Personalwirtschaft.

