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Wie viel Zuhause gehört an den Arbeitsplatz?

Bild von einem Kickertisch
Der Kickertisch ist schon seit Jahren der Klassiker für die kurze Ablenkung zwischendurch.

Die Start-up-Szene hat es vorgemacht. Sie waren die ersten, die gezeigt haben, dass Büros gleichzeitig Produktivstätte und Wohlfühlzone sein können. Ist das nicht kontraproduktiv? Wer arbeitet dann noch? Dass sich das eine und das andere nicht ausschließen zeigt unser Beitrag.

Für uns als Innendesign-Experten ist es spannend zu beobachten, wie sehr ein repräsentatives Bürodesign in der heutigen Zeit an Stellenwert gewonnen hat. Dies hat zwei Gründe: Erstens haben Menschen heutzutage mehr und vor allem andere Anforderungen an den Arbeitgeber als zuvor. Es ist nicht mehr nur Geld, was sie reizt oder antreibt: Es sind spannende Aufgaben, Flexibilität und ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich wohlfühlen.

Bürogestaltung wird zu eigener Kunstform

Zweitens: Firmen sehen ihr Arbeitsgefilde inzwischen als wesentlichen Teil ihrer Marke an und investieren ordentlich in ihr Bürodesign. Und zurecht: Denn wie und wo wir arbeiten zahlt nicht nur auf das Selbstbild des Unternehmens ein und unterstützt die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern beeinflusst auch die Wahrnehmung von außen entscheidend: Was für einen Eindruck möchte man an Partner, Kunden und potenzielle Mitarbeiter vermitteln, wenn sie in das Büro kommen? Soll es nobel, streng und clean wirken oder eher locker, verspielt und freundschaftlich? Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Magazine bringen Fotostrecken über die innovativsten Büroräumlichkeiten des Landes und Unternehmen schmücken sich wie früher mit Auszeichnungen. Kurz: Die Bürogestaltung ist auf dem besten Weg, sich zu einer eigenen Kunstform zu entwickeln.

Wohlfühlzone mit Kickertisch

Interessant ist das Timing dieser Entwicklung: Gerade wurde in Gesellschaft und Medien der große Trend des Homeoffice rauf und runter diskutiert. Parallel dazu schossen stylishe Co-Working Spaces wie Pflanzen aus dem Boden und bieten ebenfalls eine willkommene Abwechslung zum klischeehaft grauen Büroalltag. Ist die Investition in das Officedesign nun die Antwort der Unternehmen auf oder die versuchte Abkehr von der New Work-Bewegung? Oder ist sie Teil und Ausdruck davon?

Die Start-ups aus dem Silicon Valley haben vorgemacht, wie man seine Mitarbeiter (auch ohne großes Gehalt) jeden Tag gerne ins Büro kommen lässt. Sie waren die ersten die zeigten, dass Büros gleichzeitig Produktivstätte und Wohlfühlzone sein können: mit viel Platz für Austausch und Gemütlichkeit, mit Lounge-Ecken, dem obligatorischen Kickertisch, einer großen Wohnküche. Seitdem der Trend auch Deutschland erreicht hat, verschwimmen die Trennlinien zwischen Arbeit und zuhause auch hierzulande immer mehr.

Im Büro zuhause fühlen

Von vielen Unternehmen, gerade im Mittelstand, aber auch von traditionellen Anwaltskanzleien, Steuerberaterbüros oder Banken wird diese Entwicklung jedoch (noch) mit Skepsis betrachtet. Sollte ein Büro nicht ein Büro bleiben und wie früher praktisch und funktional sein? Werden Mitarbeiter nicht dazu ermuntert, weniger produktiv zu arbeiten, wenn überall Billardtische, Dart und Candybars herumstehen? Sollte es nicht gerade eine klare Grenze zwischen Büro und zuhause geben, damit sich die Mitarbeiter auf Letzteres freuen und effizient arbeiten? Wir finden nein.

Was für Assoziationen entstehen automatisch im Kopf, wenn man das Wort “Zuhause” hört? – richtig: Vertrauen, Nähe, Wohlbefinden. Der Versuch, diese Gefühle auch dort zu vermitteln, wo ein durchschnittlicher Deutscher 40 Stunden die Woche verbringt, nämlich an seinem Arbeitsplatz, ist gut und richtig. Natürlich helfen Sofa-Lounges nichts, wenn gleichzeitig die Ellbogen-Mentalität noch gelebt wird, doch es hilft, diese aufzuweichen. Es gibt Räume, die durch ein harmonisches Innendesign ein Ambiente bekommen, in dem man sich behaglich fühlt. Laut einer Fraunhofer Studie arbeitet ein zufriedener Mitarbeiter motivierter und ist leistungsfähiger. Dies gelte auch für die Büroumgebung. Diese sei “ein überaus wichtiges Aktionsfeld für Unternehmen, um Mitarbeiter positiv zu beeinflussen, so die Studie.

Beispiele für eine Wohlfühlatmosphäre

Wo versammelt sich bei einer Hausparty alles? Genau, in der Küche! Eine gesellige Küche auf der Arbeit, gern mit einem großen Tisch in der Mitte, stärkt im Unternehmen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie lädt dazu ein, nicht vor dem Computer sein Mittagessen einzunehmen, sondern mit den Kollegen gemeinsam zu kochen und zu essen. Dies steigert das Teambuilding und fördert den Austausch. Es ist erwiesen, dass eine Förderung der interdisziplinären Kommunikation durch solche Gemeinschaftsräume zu einer höheren Zufriedenheit und Geschlossenheit innerhalb des Unternehmens führt.

Ein kahler Konferenzraum lässt die Stimmung in Meetings direkt angespannt und unterkühlt wirken und bietet wenig Raum für Inspiration. Dem lässt sich mit wenigen Design-Eingriffen leicht entgegenwirken.

Und was spricht gegen eine kleine Bibliothek, die automatisch die Assoziation der “Dichter und Denker” hervorruft? Hier können sich Mitarbeiter, die gerade an einem schwierigen Projekt tüfteln zurückziehen, um konzentriert und still zu arbeiten. Eine Ecke zum Entspannen dagegen ist ideal, um zwischen stressigen Meetings an einem langen Tag die Möglichkeit zu bieten, Stress abzubauen und sich Zeit zu nehmen, herunterzukommen. Studien haben ergeben, dass mehrere kurze Pausen am Tag die Produktivität der Mitarbeiter wesentlich erhöhen – doch zu diesen Pausen muss man mit den entsprechenden Örtlichkeiten auch ermutigen. Und ist es nicht angenehmer, schwierige Mitarbeiter- und Gehaltsgespräche in einer gemütlichen Lounge zu führen als in einem sterilen Konferenzsaal? Auch dieses Setting schafft Nähe, Vertrauen und motiviert zum offenen Austausch.

Design, das zur Firmenkultur passt

Sie merken schon, es gibt viele Möglichkeiten Büros angenehm zu gestalten, ohne dass sie zu reinen Spielplätzen werden. Wie ihr Office auch aussehen mag, geben Sie Ihren Räumlichkeiten ein individuelles Design, das zu Ihrer Firmenkultur passt. Dies kann mit wenigen Handgriffen und geringem Budget erreicht werden und hat viel mehr Niveau als jedes 08/15 Büro. Eins ist sicher: Besucher, Partner und Mitarbeiter werden es immer positiv würdigen! Dass dies nicht nur für aktuelle Mitarbeiter, sondern auch für zukünftige neue Talente eine Rolle spielt, zeigt eine Studie von Stepstone (2017). Sie ergab, dass für die Hälfte der befragten Kandidaten der Cultural Fit der wesentliche Entscheidungsfaktor für die Annahme eines Jobangebots ist – dazu gehört auch, sich im Büro wohlzufühlen.