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Zuviel Kontrolle und wenig Abgrenzung zwischen Job und Privatleben

frustrierter Mann im Dunkeln vor Laptop
Bringt die Digitalisierung zuviel Kontrolle mit sich, sind Mitarbeiter frustriert.
Foto: © naka-stock.adobe.com

Für das diesjährige Schweizer HR-Barometer wurden von Mitte März bis Mai dieses Jahres landesweit 1995 Angestellte repräsentativ befragt. Die Studie wird von der ETH Zürich und dem Center für Human Resource Management an der Universität Luzern in Kooperation mit der Universität Zürich durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitgeber aus Sicht der Mitarbeiter relativ offen gegenüber neuen Technologien sind: Drei Viertel der Studienteilnehmer (74 Prozent) sagten, ihr Arbeitgeber sei gewillt, digitale Lösungen zu nutzen. Bei den Beschäftigten selbst sieht es etwas anders aus.

Viele Mitarbeiter sehen ihre Privatsphäre durch elektronische Überwachung eingeschränkt

Je höher der Digitalisierungsgrad des Unternehmens, desto geringer ist die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter. Konkret geben zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten als positive Folge der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt durch ihre Vorgesetzten eher bis voll und ganz ermächtigt werden, Entscheidungen selbstständig zu treffen. Als negativen Effekt berichten die Befragten aber von elektronischer Überwachung durch das Unternehmen. So sagt fast jeder Zweite (46 Prozent), dass sein Arbeitgeber den Zugriff auf bestimmte Internetseiten blockiert. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) berichtet, beim Besuchen von Internetseiten überwacht zu werden. Genauso viele der Mitarbeiter fühlen sich entsprechend in ihrer Privatsphäre eingeschränkt. Wird die elektronische Überwachung zu oft praktiziert, so die Studie, fühlen sich die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen weniger stark verbunden.

Altersstereotypen verringern die digitale Selbstwirksamkeit

Die Studie zeigt auch, dass ältere Mitarbeiter die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien tendenziell geringer einschätzen. Das liege daran, dass Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten in der Schweiz weit verbreitet zu sein scheinen, heißt es. Nur etwas mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter beobachten keine negativen Vorurteile gegenüber älteren Menschen am Arbeitsplatz. Herrschen negative Altersstereotypen vor, verringert dies die digitale Selbstwirksamkeit der Betroffenen, so die Studie. Nach Ansicht von Studienleiterin Gudela Groto besteht her erheblicher Handlungsbedarf für Arbeitgeber, aber auch für Führungskräfte sowie Kollegen.

Ein weiterer Effekt von Vorurteilen gegenüber älteren Mitarbeitern: Bei den Beschäftigten sinkt die Bereitschaft, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Laut Studie können sich mehr als 40 Prozent der Befragten vorstellen, länger zu arbeiten. Diese Bereitschaft könne beispielsweise durch Reverse Mentoring, den gegenseitigen Austausch von älteren und jüngeren Mitarbeitern gefördert werden.

Mehrheit wünscht sich Abgrenzung zwischen Job und Privatleben

Insgesamt bevorzugen drei Viertel der Studienteilnehmer (75 Prozent) eine klare Trennung zwischen Arbeits-und Privatleben. Bei älteren Berufstätigen ist der Wunsch nach Abgrenzung noch ausgeprägter. Gleichzeitig geben jedoch rund 60 Prozent an, dass sich Job und Privates in der Praxis vermischen. Insbesondere in der aktuellen Situation, in der weiterhin viele Berufstätige nur beschränkten Zugang zu ihren Arbeitsorten haben und viel im Homeoffice arbeiten, sei es wichtig, dass sowohl die Mitarbeiter als auch Vorgesetzte und HR-Verantwortliche auf klare Regeln – zum Beispiel zur geforderten Erreichbarkeit – achten, die es ermöglichen, Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen, sagt Bruno Staffelbach, Leiter des Center für Human Resource Management an der Universität Luzern.

Aus der diesjährigen Befragung geht hervor, dass die Arbeitszufriedenheit zugenommen hat und Arten der Unzufriedenheit fast durchweg abgenommen haben. Das legt laut Studie auch die Vermutung nahe, dass die Mitarbeiter in der Corona-Krise (die parallel zum Start der Befragung begann) besonders erleichtert darüber seien, Arbeit zu haben.

Die kompletten Studienergebnisse können > hier heruntergeladen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.