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Wie Azubis heute ticken

Ausbilder in Industriebetrieb mit weiblichem und männlichem Azubi
Die Hilfestellung ihrer Ausbilder und die Ausbildungsinhalte bewerten die meisten Azubis positiv.
Foto: © ehrenberg-bilder-stock.adobe.com

Bei der Wahl ihres Ausbildungsplatzes legen rund zwei Drittel (67,7 Prozent) der Azubi-Bewerber den größten Wert auf den guten Ruf des Betriebs. An zweiter Stelle mit nur wenig Abstand (63 Prozent) rangiert die spätere Übernahme der Auszubildenden. Unter acht vorgegebenen Kriterien folgen die Wohnortnähe des Betriebs mit 49,6 Prozent und die Höhe der Ausbildungsvergütung mit 48,3 Prozent. Klima- und Umweltschutz spielen lediglich für 13,3 Prozent eine Rolle, auch wenn mehr als die Hälfte der Azubis und Azubi-Bewerber (56,4 Prozent) den Klimaschutz als wichtig oder eher wichtig ansieht. Interessant: Von den Ausbildern erachten 81,6 Prozent das Thema als relevant oder eher relevant, also deutlich mehr als die jüngere Generation. Das sind Ergebnisse der Studie “Azubi-Recruiting Trends 2020” von > U-Form Testsysteme, an der von Januar bis März dieses Jahres 5754 Azubis und Schüler sowie 2001 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen haben. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Christoph Beck, Studienpartner war die Aubi-plus GmbH.

Von Jobinseraten erwarten potenzielle Bewerber vor allem Infos zum Beruf

In den Stellenanzeigen für ihre Zielgruppe finden 61 Prozent der potenziellen Azubi-Bewerber die Beschreibung des Ausbildungsberufs sehr wichtig. Dagegen spielt der Ablauf der Ausbildung unter den verschiedenen Informationen in Jobinseraten eine weniger bedeutende Rolle: 38,2 Prozent halten diese Angaben für sehr wichtig. Dieser Aspekt gehört laut Studie aber ausgerechnet zu denen, die in gängigen Stellenanzeigen für Auszubildende sehr schwach entwickelt sind.

KI bei der Bewerbung stößt nicht auf Begeisterung

Anders als womöglich zu erwarten wäre, ist die junge Generation hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Bewerbungsverfahren gar nicht so begeistert. So finden es zum Beispiel lediglich 13,2 Prozent der Schüler und Azubis gut, wenn Chatbots die Kommunikation führen. Und nur 4,4 Prozent würden es goutieren, wenn Algorithmen die Bewerbervorauswahl übernähmen. Anders sieht bei Tests aus: 60,9 Prozent der Befragten finden es okay, wenn Ausbildungsbetriebe eine Kombination von Tests und Vorstellungsgesprächen bei der Auswahl passender Kandidaten einsetzen.

Schülerpraktika für die Katz?

Für viele angehende Auszubildende sind Praktika eine Orientierungsmöglichkeit. Fast drei Viertel der Schüler (72,8 Prozent suchen sich ein Praktikum danach aus, ob der Beruf angeboten wird, für den sie sich interessieren. Jedoch sagt gut jeder vierte Azubi (26,1 Prozent), er habe während des Praktikums vor allem “Hilfsarbeiten, die sonst niemand machen wollte”, ausgeführt. Tatsächlich haben laut Befragung nicht mehr als 42,4 Prozent der Ausbildungsbetriebe ein festes Schema, mit dem Praktikanten einen Beruf kennenlernen können.

Ausbildung in der Berufsschule schneidet aus Sicht der Auszubildenden am schlechtesten ab

Die Studienteilnehmer wurden auch darum gebeten, zwölf Faktoren zu bewerten, die die duale Ausbildung ausmachen. Dabei schnitt die Hilfsbereitschaft der Ausbildungsverantwortlichen mit 82,8 Prozent der Nennungen besonders gut ab. Auch die Arbeitsinhalte im Betrieb stoßen bei 80,3 Prozent der Befragten auf diese positive Resonanz. Am schlechtesten bewerten Azubis die Art des Lernens in der Berufsschule; nur 43,2 Prozent beurteilen sie als gut oder sehr gut.

Die junge Generation verlangt nach mehr Feedback

Das Feedback der Ausbildungsverantwortlichen empfinden 77,9 Prozent der Azubis als hilfreich und 71,7 stufen es als motivierend ein. Trotzdem bemängeln die meisten Befragten, dass sie nicht genug Feedback bekommen, insbesondere in Form eines ausführlichen, individuellen Gesprächs. Mehr als zwei Drittel (69,9 Prozent) sagen, dass sie eine solche Rückmeldung niemals oder selten bekommen.

Gutes Benehmen – Azubis haben ein anderes Bild von sich als ihre Ausbilder

Eine große Diskrepanz der Einschätzung von Azubis und Ausbildern besteht bezüglich der Einschätzung des Benehmens der jungen Menschen. Die Auszubildenden sehen sich selbst als motiviert, leistungsstark und diszipliniert, diese Meinung teilen die Ausbilder jedoch weniger. Auch schreiben sich über drei Viertel der Azubis (75,5 Prozent) ein ausgesprochen gutes Benehmen zu, während das von den Ausbildungsverantwortlichen nur 17,1 Prozent für einen Großteil ihrer Schützlinge bestätigen können. 43,5 Prozent der Betriebe bieten sogar Benimmkurse für ihre Azubis an.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.